Durchschlagene Frontscheibe eines Zugs (Foto: picture-alliance / Reportdienste, SWR, Picture Alliance)

Polizei ermittelt wegen Mordversuchs Nach Gullydeckel-Attacke - Hoffen auf Zeugenhinweise

Nach der Gullydeckel-Attacke auf einen Regionalzug Richtung Altenkirchen sucht die Polizei dringend nach Zeugen. Der Lokführer, der knapp schweren Verletzungen entging, wird derzeit seelsorgerisch betreut.

Da über der Bahnstrecke zwischen Erndtebrück und Bad Berleburg in Nordrhein-Westfalen mehrere Gullydeckel an einer Strickkonstruktion von einer Brücke hingen, geht die Polizei von planmäßigem Handeln aus. Deshalb sei eine Mordkommission eingerichtet worden. Hinweise auf einen Terroranschlag gebe es nicht, so ein Polizeisprecher.

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Sendezeit
16:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Lokführer leicht verletzt

Am Samstag hatten die Gullydeckel beim Aufprall mit dem Zug der Hessischen Landesbahn die Frontscheibe des Fahrzeugs durchschlagen. Der 49-jährige Lokführer erlitt leichte Verletzungen und einen Schock. Laut Polizei hatte er "instinktiv richtig gehandelt" und eine Notbremsung herbeigeführt.

Der Lokführer sei jetzt krankgeschrieben und erhole sich derzeit zu Hause, sagte HLB-Sprecherin Sabrina Wagner am Montag. Betreut werde er vom Notfall-Management des Unternehmens. "Wir sind heilfroh, dass durch seine geistesgegenwärtige Reaktion nichts Schlimmeres passiert ist", so die Sprecherin. In dem Zug waren wegen einer geplanten Leerfahrt keine Fahrgäste.

Zug unter Brücke (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Frontscheibe des Zugs wurde von einem der Gullydeckel zerschlagen. Picture Alliance

Der gelbe Regionalzug der HLB war unterwegs vom nächtlichen Abstellplatz bei Erndtebrück zum Startbahnhof in Bad Berleburg. Noch ohne Fahrgäste sei der Zug der Linie RB93 nur mit mäßiger Geschwindigkeit von bis zu 50 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen, schildert HLB-Sprecherin Sabrina Wagner. 

Den "blanken Horror" erlebt

Und doch habe der Kollege den "blanken Horror" erlebt: Aus einer Kurve kommend, muss er schon von Weitem gesehen haben, dass da etwas von der Brücke baumelte, was da nicht hingehörte. Nach Ermittlerangaben hatten der oder die Täter mit Seilen und Ketten mehrere gusseiserne Gullyabdeckungen von der Brücke auf die Höhe des im Führerstand sitzenden Lokführers hinabgelassen. "Er hat genau richtig reagiert und blitzschnell eine Notbremsung eingeleitet und sich dann noch weggeduckt", sagt Sabrina Wagner.

"Das war ein ungeheuerlicher Anschlag, bei dem bewusst der Tod eines Menschen in Kauf genommen wurde. Es handelt sich um keinen sogenannten Dumme-Jungen-Streich. Da ist jemand geplant und mit krimineller Energie vorgegangen. Wir sind sehr betroffen und erschrocken."

Sprecherin der Hessischen Landesbahn

Mordkommission ermittelt

Die inzwischen auf 20 Ermittler aufgestockte Mordkommission der Polizei in Hagen sucht derweil mit Hochdruck nach Hinweisen auf die Täter. Zeugen sollten sich dringend melden. Die Ermittler sehen einen Zusammenhang mit dem Diebstahl von vier Gullydeckeln in der Nacht zum Freitag in der Stadt Hilchenbach, vier Kilometer westlich des Tatorts.

Auf der von dem Anschlag betroffenen Strecke fährt die RB 93, die zwischen Bad Berleburg und Altenkirchen (Rheinland-Pfalz) verkehrt und über Siegen (Nordrhein-Westfalen) führt.

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