Der festgenommene Zurwehme wird nach seiner Festnahme und einem erstem Verhör von Polizisten in Greifswald abgeführt. (Foto: picture-alliance / dpa)

"Mörder von Remagen" flüchtete vor 20 Jahren Der Tag, als Dieter Zurwehme nicht ins Gefängnis zurückkehrte

Am 2. Dezember vor 20 Jahren nutzte der Schwerverbrecher Dieter Zurwehme einen Freigang zur Flucht. Es folgte eine monatelange Jagd nach dem "Mörder von Remagen", die in die Kriminalgeschichte von Rheinland-Pfalz einging.

August 1999: Am Ende ist alles ganz unspektakulär. Zwei Polizisten kontrollieren den grauhaarigen Mittfünfziger in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Der Mann erklärt den Beamten: "Ich bin der, den Sie suchen." Dieter Zurwehme, der "Mörder von Remagen", ist gefasst. Nach einer monatelangen Jagd quer durch die Republik. Ein Autofahrer hat ihn erkannt und sich bei der Polizei gemeldet.

Vier Menschen brutal erstochen

Rückblick: Gut acht Monate zuvor, am 2. Dezember 1998, kehrt der verurteilte Mörder Zurwehme von einem Freigang aus einer Strafanstalt in Nordrhein-Westfalen nicht mehr zurück. Dort saß er seit 1974 unter anderem wegen Mordes ein. Die Fahndung der Polizei bleibt erfolglos.

Einige Monate später, am 21. März, zeigt sich dann die grausame Brutalität Zurwehmes: Auf der Baustelle einer leeren Villa in Remagen übernachtet er. Zurwehme wird vom Hausbesitzer überrascht und tötet ihn daraufhin mit zahlreichen Messerstichen. Als die besorgte Ehefrau auf dem Handy ihres Mannes anruft, entlockt Zurwehme ihr unter einem Vorwand deren Adresse. Er fährt hin und ersticht sie und ein weiteres Ehepaar auf äußerst brutale Weise - aus Angst vor Entdeckung. "Er wollte nie wieder ins Gefängnis. Das war das Todesurteil für die Menschen, die er an diesem Tag umgebracht hat. Und er war eiskalt", berichtete Gerhard Starke vergangenes Jahr im SWR. Er ermittelte für die Mordkommission Koblenz in dem Fall und hat später seine Erfahrungen in einem Buch festgehalten.

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei durchkämmt im Juli 1999 ein Maisfeld bei Stadthagen auf der Suche nach Dieter Zurwehme (Foto: picture-alliance / dpa)
Ein Sondereinsatzkommando der Polizei durchkämmt im Juli 1999 ein Maisfeld bei Stadthagen auf der Suche nach Dieter Zurwehme

Die Liste von Fluchtorten ist lang

Mit der Tat von Remagen erreicht der Fall eine bundesweite Dimension. Der damals 57-Jährige versetzt ganze Regionen in Angst und Schrecken, je nach vermutetem Aufenthaltsort. Bochum, Lindau, Freiburg, Frankfurt, Cuxhaven stehen auf der Liste seiner Fluchtorte. Die Fahnder gehen davon aus, dass er meist mit dem Fahrrad unterwegs ist, ein Messer und eine Schreckschusspistole mit sich führt und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Später wird klar, dass er während seiner Flucht auch versuchte, ein 15-jähriges Mädchen zu vergewaltigen.

Polizisten erschießen Wanderer aus Köln

Immer wieder glauben Zeugen, Zurwehme erkannt zu haben. Die Polizei durchsucht mal hier ein Waldstück oder dort ein Maisfeld. Doch Zurwehme entkommt immer wieder oder ist ohnehin verwechselt worden. Mehrere Menschen geraten ins Visier der Fahnder, weil sie Zurwehme ähnlich sehen, darunter ein stadtbekannter Straßenmaler in Dresden. Doch der schlimmste Fehlgriff ereignet sich Ende Juni 1999 in einem Hotel im thüringischen Heldrungen. Zwei Polizeibeamte erschießen einen 62-jährigen Wanderer aus Köln. Der Tourist war nach einem Fahndungsaufruf im Fernsehen mit Zurwehme verwechselt worden.

Die Serie aus falschen Spuren, falschen Verdächtigen und frustierten Fahndern findet erst am 19. August in Greifswald ein Ende. Ermittler Starke erinnert sich an die Zeit nach der Festnahme: "Ich glaube letztendlich war er froh, dass er darüber erzählen konnte. Er hat keine Reue gezeigt. Er hat erzählt, hat alles zugegeben, wir konnten das Motiv nachverfolgen."

Das undatierte Fahndungfoto der Polizei zeigte den flüchtigen Mörder Dieter Zurwehme (Foto: picture-alliance / dpa)
Das undatierte Fahndungfoto der Polizei zeigte den flüchtigen Mörder Dieter Zurwehme

Lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung

Das Koblenzer Landgericht verurteilt Zurwehme im Juni 2000 zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung. Die Verteidiger legen keine Revision ein. Ein Jahr später heiratet er im Gefängnis eine Frau aus Berlin. Inzwischen ist der 76-Jährige Witwer. Was macht so jemand heute noch? Ermittler Starke hatte für die Entstehung seines Buches Kontakt zu dem Leiter der JVA Bochum, wo Zurwehme einsitzt. "Es heißt, er ist in sich gekehrt und lässt niemanden mehr an sich ran."

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