Die vier beschuldigten Erzieherinnen mit ihren Anwälten auf der Anklagebank (Foto: SWR)

Misshandlungsvorwürfe in der Kita Antweiler Zeugin belastet Erzieherinnen schwer

Im Prozess um die mutmaßlichen Kindesmisshandlungen in der Kita Antweiler (Kreis Ahrweiler) hat die Hauptzeugin ausgesagt. Sie beschuldigte vor allem eine der vier angeklagten Erzieherinnen.

Die Frau habe zwischen 2012 und 2013 den Mittagstisch in dem Kindergarten geleitet und sei die treibende Kraft bei den Vorfällen in der Kita "Regenbogen" gewesen, sagte die Zeugin vor dem Landgericht Koblenz. Die Erzieherin habe mindestens fünf Kinder bis zum Erbrechen zum Essen gezwungen, erzählte die Zeugin. Außerdem habe sie den Kindern den Mund mit Klebeband zugeklebt oder sie in der Besenkammer eingesperrt. Die Kinder seien damals zwischen einem und sechs Jahre alt gewesen.

Situation wurde wohl immer schlimmer

Die Zeugin arbeitete damals als Haushaltshilfe in der Kita und hat den Fall mit an die Öffentlichkeit gebracht. Sie gab an, fünf Jahre dort gearbeitet zu haben - bis 2013. Sie sei zwar immer nur mittags ein paar Stunden da gewesen, in dieser Zeit habe sie aber beobachtet, wie die Situation in der Kita immer schlimmer geworden sei.

Zeugin spricht von immer mehr Regeln

Es soll immer mehr Regeln beim Essen gegeben haben. Zum Beispiel: Was auf dem Teller liegt, wird aufgegessen! Und das hieß nach Angaben der Zeugin ganz konkret, dass alles gegessen werden musste, auch dann, wenn einzelne Kinder die Mahlzeiten wieder erbrachen.

Anwalt verwickelt Zeugin in Detailfragen

Die vier beschuldigten Erzieherinnen verfolgten die Aussage der Zeugin von der Anklagebank aus. Der Anwalt von Claudia W. verwickelte die Zeugin anschließend in Detailfragen, um möglichwerweise die Glaubwürdigkeit der ehemaligen Haushaltshilfe in Frage zu stellen. Schließlich beendete der Richter aber die Befragung und sagte, die Zeugin sei in diesem Prozess nicht die Angeklagte.

Die Erzieherinnen hatten schon zu Prozessbeginn angekündigt, sich nicht zu den Vorwürfen zu äußern. Nur eine Verteidigerin hatte die Vorwürfe gegen ihre Mandantin ausführlich zurückgewiesen und von einer "Hexenjagd" sprochen.

Vorwurf der Misshandlung, Freiheitsberaubung und Nötigung

Die Staatsanwaltschaft wirft drei der Frauen unter anderem Misshandlungen in der Kita "Regenbogen" vor. Die vierte Frau habe die Taten trotz ihrer Rechtspflicht dazu nicht verhindert. Staatsanwältin Daniela Knoop-Kosin hatte am ersten Prozesstag in ihrer Anklage Misshandlung von Schutzbefohlenen, Freiheitsberaubung und Nötigung aufgelistet.

Kinder zeigten auffälliges Verhalten

Die Probleme in der Kita "Regenbogen" in Antweiler waren bekanntgeworden, weil die jetzige Hauptzeugin damals zwei anderen Erzieherinnen von ihren Beobachtungen erzählte. Im Sommer 2013 meldeten diese dann dem Kita-Träger die Misshandlungsfälle. Der reagierte schleppend, die Beschuldigten bestritten die Vorwürfe.

Doch immer mehr Eltern trafen sich zufällig beim Psychologen. Ihre Kinder hatten ähnliche Symptome: Panikattacken im Dunkeln, Probleme beim Essen oder sie nässten sich plötzlich wieder ein. Die Grundschule stellte fest, dass viele Kinder aus der Kita Antweiler auffällig waren.

Erzieherinnen wurden beurlaubt

Trotzdem dauerte es ein halbes Jahr bis der Fall publik wurde. Erst danach informierte der Kita-Träger die Eltern und beurlaubte die Beschuldigten. Anfang 2014 stellte der Kindergartenzweckverband vier Erzieherinnen und eine neue Kindergartenleitung ein, die vom Jugendamt kontrolliert werden.

Anklageschrift lag bereits 2015 vor

Die Vorwürfe gegen die Erzieherinnen hatte die Koblenzer Staatsanwaltschaft bereits vor drei Jahren in einer Anklage zusammengefasst. Der Prozessbeginn hatte sich dann aber lange hinausgezögert, weil das Koblenzer Landgericht offenbar überlastet war.

Eltern der betroffenen Kinder hatten den späten Prozessbeginn kritisiert. Sie sagen, ihre Kinder müssten während der Zeugenaussagen die Vorfälle noch einmal durchleben und könnten so das Erlebte nicht verarbeiten. Vorerst sind 13 Verhandlungstage bis zum 12. Juli geplant.

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