Ein Biber an einem Flussufer (Foto: Imago, imageBROKER/Heinz Hudeliz)

Streit um Biber-Ansiedelung im Westerwald Lieber Biber - böser Biber?

Die erste Freude über den Biber, der sich kürzlich in Freilingen niederließ, ist bei manchen in Ärger umgeschlagen. Der Biber nimmt seine "Aufgabe" sehr ernst und flutet mit seinem Damm Wege und Wiesen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Der Biber hat fleißig gebaut: Eine Wiese wurde in einen großen Teich verwandelt, der Waldrand in ein Feuchtgebiet. Rund 60 Bäume soll der Biber bereits gefällt haben, schätzt der Förster aus Freilingen, Roger Koch, die meisten dieser Bäume hatte er selbst gepflanzt. Seit etwa 20 Jahren pflegt er Kopfweiden auf einer Wiese und schneidet sie regelmäßig. Doch jetzt sind nur noch wenige von ihnen übrig.

Ein vom Biber abgenagter und gefällter Baum mit der typisch markanten spitzen Form an beiden Enden. (Foto: SWR)
Saubere Arbeit - die spitzen Enden der gefällten Weide weisen auf die Biss-Spuren des Bibers.

"Bis auf wenige Exemplare sind die Kopfweiden schon alle durch den Bibermagen gegangen."

Roger Koch, Förster aus Freilingen

Doch der Förster sieht das gelassen. Kopfweiden gebe es jede Menge im Westerwald, sagt er, von den Bibern eben nur diesen einen. In den wenigen Monaten, die der Biber wieder im Westerwald zu Hause ist, haben sich auch viele weitere Tiere angesiedelt, freuen sich die Tierschützer. Frösche, Insekten und rund 100 Vogelarten haben sie schon gesichtet. Nicht gesehen, aber gehört haben möchten Vogelkundler auch schon das sehr seltene Tüpfelsumpfhuhn.

Ein Tüpfelsumpfhuhn steht im Wasser (Foto: Imago, McPhoto)
Mit dem Biber kommt die Artenvielfalt zurück in den Westerwald - offenbar auch ein Tüpfelsumpfhuhn. Imago McPhoto

Der Biber ist Landschaftsarchitekt

Der Biber und seine Teichanlage haben aber nicht nur Freunde. Der erste Biberdamm hat stolze zwei Meter Höhe erreicht. Trotz des trockenen Sommers sorgte er in der Zeit für eine Überflutung des Westerwaldsteigs. Vielen Anwohnern war das gar nicht recht. Wie der Freilinger Ortsbürgermeister Thomas Kloft berichtet, befürchteten sie, dass der Biber-Damm brechen könnte oder Teile abgeschwemmt werden. So könnten große Wassermassen durch das nahe Dorf fließen und für Überflutungen sorgen.

Zwei Rohre, die Wasser aus einem Biberteich ableiten (Foto: SWR)
Mit Hilfe der Rohre wurde der Wasserspiegel des Biberstaudamms um 30 Zentimeter gesenkt. Ursprünglich sollte es sogar ein halber Meter sein.

Deshalb wurde der Wasserspiegel des Biber-Teichs mit zwei Überlaufrohren gesenkt. Am Westerwaldsteig gibt es nun zusätzlich eine kleine Abflussrinne. Für die Naturschützer ist es ein Skandal, vor allem, weil die Baumaßnahmen während der vermuteten Brutzeit des Tüpfelsumpfhuhns durchgeführt wurden. So seien auch Niststätten der seltenen Vögel zerstört worden.

Obere Wasserschutzbehörde stimmte dem Absenken zu

Man habe der Absenkung von 30 Zentimetern zugestimmt, so Axel Schmidt von der zuständigen Naturschutzbehörde. Den Biber und das Tüpfelsumpfhuhn habe man damit nicht gefährdet. Naturschutz gehe nur gemeinsam mit den Menschen. Mit einem solchen Kompromiss sei es möglich, dass die örtliche Bevölkerung den Biber eher akzeptiere und er dann auch länger bleiben könne. Aktuell baut der Biber jedenfalls emsig weiter seine Dämme. Den Saynbach hat er weiter oben auch noch ein zweites und drittes Mal gestaut.

Die neue gestaute Biber-Seenlandschaft - im Hintergrund ist der Ort Freilingen zu sehen. (Foto: SWR)
Einer kleinen Seen-Platte gleich hat der Biber mit seinem Damm eine neue Landschaft gestaltet.

Heimischer Biber oder kanadischer Biber?

Inzwischen wird der Biber auf seine "Herkunft" untersucht. Davon hängt ab, ob er wirklich streng geschützt ist. Sollte der emsige Landschaftsarchitekt ein ausgesetzter oder entlaufener Kanadier sein, gilt er als Eindringling. Nur die europäischen Biber fallen unter den Artenschutz. Ein Gentest mittels einer Haarprobe soll nun Aufklärung bringen. Der kanadische steht in Konkurrenz zum europäischen Biber. Womöglich würde der kanadische Kollege lebend eingefangen und dann sterilisiert.

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