Der EU-Abgeordnete Werner Langen im Parlament mit Akten. Er tritt bei der EU-Wahl nicht wieder an. (Foto: SWR)

Von der Mosel ins Herz von Europa EU-Urgestein Langen verabschiedet sich aus Straßburg

Nach einem Vierteljahrhundert räumt Werner Langen (CDU) seinen Sessel im Europaparlament. Er tritt bei der EU-Wahl nicht mehr an. Für ihn ist der Brexit ein Unfall - aber einer mit Potenzial.

Dauer

Werner Langen, der seit 1994 rheinland-pfälzische Interessen im EU-Parlament vertritt, hört auf. Der CDU-Politiker kandidiert nicht mehr für die bevorstehende Europawahl am 26. Mai. Seinen letzten Plenartag in Straßburg hat er schon hinter sich. Auch sein Büro musste er schon leer räumen. Langen verlässt die europäische Bühne zu einer Zeit, die mit dem Ringen um den Brexit kaum turbulenter sein könnte.

"Ohne Europa hat Deutschland keine ausreichende Gestaltungskraft in der Welt und die Jugend keine weiteren Chancen."

Werner Langen, EU-Abgeordneter

Langen: Brexit sorgt für mehr Interesse an Europa

"Der voraussichtliche Brexit ist ein Unfall", sagt er. Das habe niemand gewollt. Aber er sieht eine positive Seite: Der Brexit schweiße die anderen Länder stärker zusammen als jemals zuvor. Auch in Deutschland steige in seiner Wahrnehmung das Interesse und die Zustimmung für Europa. Er hofft, dass sich das auch in der Wahlbeteiligung wiederspiegeln wird. Eine Mehrheit der Briten hatte im Juni 2016 für den Austritt aus der EU gestimmt. Noch ist unklar, ob und wenn ja, wann es zu dem Austritt kommt.

Trotz aller nationalistischer Tendenzen in den einzelnen Mitgliedsstaaten dürfe die Lösung nicht weniger, sondern mehr Europa sein, sagt Langen. Er war seit 1994 Mitglied im Wirtschafts- und Währungsausschuss und seit 1999 zudem Mitglied im Energie- und Industrieausschuss. In dieser Zeit begleitete er die Einführung des Euros mit und die Finanzkrise in der EU. Auch für die letztmalige Verlängerung des Branntweinmonopols bis Ende 2017 hatte er sich eingesetzt.

In dieser Woche tagt das Europäische Parlament in Straßburg.  (Foto: SWR)
In dieser Woche tagt das Europäische Parlament in Straßburg.

Angefangen im Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz

Langen wurde 1949 als Sohn eines Winzers im Moselort Müden im Kreis Cochem-Zell geboren. Der Vater gab den hauptberuflichen Weinbau aber auf, als er die Familie damit nicht mehr habe ernähren können, erzählt Langen. Die Weinberge wurden verkauft.

Sein Abitur legte er am Aufbaugymnasium ab und studierte Volkswirtschaftslehre. Nach seiner Promotion über Mittelstandspolitik in der Bundesrepublik arbeitete er im Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Rheinland-Pfalz. Parallel dazu übernahm Langen Verantwortung als CDU-Politiker auf kommunaler Ebene.

Er zog 1979 in den Gemeinderat von Müden und in den Kreistag von Cochem-Zell ein. Am 18. Mai 1983 folgte erstmals der Einzug in den Mainzer Landtag. Alle drei Mandate übte er bis 1994 aus.

Krach im CDU-Tandem Wilhelm und Langen

Kurzzeitig war er Landesagrarminister, doch mit der Wahlniederlage der CDU bei den Landtagswahlen 1991 verlor er das Amt nach nicht einmal einem Jahr. Die Christdemokraten wählten ihn 1992 zum Landesvorsitzenden. Nach teils langwierigen Auseinandersetzungen mit dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Otto Wilhelm beschloss die Partei im September 1993 einen Wechsel an der Führungsspitze. Für Langen begann kurz danach seine Zeit als EU-Parlamentarier.

Langen, der seit 1992 verwitwet ist, zeigt sich fest davon überzeugt, dass Deutschland die EU braucht. "Europa ist die Mindestbetriebsgröße, in der wir deutsche Interessen durchsetzen können", sagt er. Das werde in Deutschland allzu häufig vergessen. Die Deutschen seien sich nur einig über Kritik.

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