Öndar Kaygisiz - retete eine Frau und ihren Sohn aus einem brennenden Haus (Foto: SWR)

Lebensretter bei Brand in Neuwied "Habe versucht, mein Bestes zu geben"

So schnell kann es gehen. In einem Moment will man noch einen Kaffee trinken, im nächsten rettet man zwei Menschenleben. Einem Koblenzer ist es genau so ergangen.

Der Brand in einem Wohnhaus in der Neuwieder Innenstadt ist inzwischen schon eine Woche her - aber er beschäftigt Öndar Kaygisiz noch immer. Eine Mutter und ihr Kind verdanken ihm vermutlich ihr Leben. Der 43 Jahre alte Koblenzer kam gerade vom Bäcker, als er bemerkte, dass in der Nähe ein Haus in Flammen stand.

"Da war eine Dame mit ihrem Sohn auf dem Dach und hinter ihr waren die Flammen. Die anderen haben nur gegafft. Dann hab ich im Nebenhaus Sturm geklingelt. Eine Frau hat mir aufgemacht." Die Frau habe ihn davon abhalten wollen, das Haus zu betreten.

Kaygisiz stürmt einfach ins Nachbarhaus

Doch Öndar Kaygisiz ignoriert die Frau, stürmt an ihr vorbei in ihre Wohnung und schaut von oben, wo er den besten Zugang zum Dach des brennenden Hauses hat. Durch eines der Fenster kann er zuerst die Mutter, dann den Jungen in Sicherheit bringen. Beide hätten unter Schock gestanden, sagt Kaygisiz.

"Der Junge hatte nichts an außer eine Boxershorts. Ich habe ihm dann noch meine Jacke gegeben, damit er nicht friert", erzählt der Lebensretter im Gespräch mit dem SWR.

"Bin noch lange kein Held"

Nur zuschauen und nicht handeln kam für Öndar Kaygisiz nicht in Frage. Allerdings hätte ein unüberlegtes Handeln schnell auch für ihn übel ausgehen können. "In das brennende Haus wäre ich nicht mehr rein gekommen. Das wäre ein Eigentor gewesen. Da wäre ich vielleicht selbst nicht mehr raus gekommen." Die einzige Chance sei das Nachbarhaus gewesen und das habe zum Glück geklappt, berichtet der 43-Jährige. Deshalb sei er aber noch lange kein Held. Das sei ganz normal und menschlich gewesen. Jemand habe Hilfe gebraucht und er habe versucht, sein Bestes zu geben, so Öndar Kaygisiz.

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