Das Gebäude des Kemperhofs in Koblenz (Foto: Pressestelle, Pressestelle Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein)

Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein benötigt dringend Gelder Auch Kreis Mayen-Koblenz sichert GKM finanzielle Hilfe zu

Nach dem Koblenzer Stadtrat hat nun auch der Kreis Mayen-Koblenz beschlossen, dem Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein (GKM) unter die Arme zu greifen. Das GKM befindet sich in finanziellen Nöten.

Am Freitagabend entschied der Kreistag in einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung, das Klinikum in seiner Eigenschaft als Gesellschafter mit einem Darlehen in Höhe von bis zu drei Millionen Euro zu unterstützen. "Die Bedeutung des Klinikums für die Menschen in unserer Region ist von überragendem Stellenwert und muss uneingeschränkt aufrechterhalten bleiben", wird der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth in einer Pressemitteilung zitiert.

Wie Nauroth dem SWR sagte, hätten auch die weiteren GKM-Gesellschafter - vier Stiftungen, die jeweils kleinere Anteile halten - bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Auch Stadt springt als Gesellschafter ein

Bereits am Donnerstagabend hatte der Koblenzer Stadtrat beschlossen, mit einem Darlehen helfen zu wollen. Die Stadt bekenne sich zu ihrer Verantwortung als Gesellschafter des GKM und zu dessen wichtigen Versorgungsaufgaben, teilte Oberbürgermeister David Langner (SPD) nach der Stadtratssitzung am Donnerstagabend mit.

Mit dem Darlehen soll die Zahlungsfähigkeit sichergestellt werden. Das Gemeinschaftsklinikum befindet sich nach eigenen Angaben in "einer schwierigen finanziellen Situation". Demnach musste das GKM kurzfristig einen Kredit aufnehmen und benötigt darüber hinaus weitere Mittel.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Über die zunehmend angespannte Situation wurden nach Auskunft einer Kliniksprecherin in der Wochenmitte der Aufsichtsrat und die Mitarbeiter informiert. Die Versorgung der Patienten und Bewohner an den fünf Standorten sei weiterhin uneingeschränkt sichergestellt.

Schlechte wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2019

Das Unternehmen sei vor allem aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Jahr in Schieflage geraten. Einzelne Standorte hätten in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres einen Leistungsrückgang im stationären Krankenhausbereich verzeichnet, andere ihr Leistungsspektrum nicht wie geplant erweitern können. Ein Grund dafür sei der Fachkräftemangel im Gesundheitssektor, heißt es vom Klinikum.

Nun gelte es, ein Sanierungskonzept umzusetzen. Dazu sei eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet worden, die gemeinsam mit dem Gemeinschaftsklinikum die aktuelle Lage analysiere.

Betriebsrat ist erfreut über Unterstützung der Stadt

Der Vorsitzende des Betriebsrats am Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, der Mediziner Christoph Bernhard, begrüßte gegenüber dem SWR die Bereitschaft zu einem Darlehen. Bei der Suche nach einer Lösung für die finanziellen Probleme wünsche er sich aber mehr Unterstützung vom Land. Etwa bei Verhandlungen mit den Krankenkassen. Nach Angaben von Christoph Bernhard verzögern sie oft die Zahlung der Rechnungen für die Behandlung der Patienten, auch wenn sie nicht beanstandet würden. Auch das verschärfe die finanzielle Notlage.

Dauer

Der Betriebsratsvorsitzende des Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein sagte weiter, Angst um den Klinikverbund habe er nicht. Es gebe viele Möglichkeiten. Die schlechteste sei aus seiner Sicht allerdings, wenn ein privater Krankenhausinvestor ins Boot geholt würde. Der bringe zunächst zwar Geld mit, ziehe später etwaige Gewinne aber für seine Aktionäre ab. Momentan könne der Klinikverbund aber Überschüsse wieder reinvestieren, etwa in einem besser Ausstattung oder die Mitarbeiter. Es sei wünschenswert, einen so großen Klinikverbund in öffentlicher Hand zu belassen.

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