Windrad (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/imageBROKER)

Delegation aus Fukushima angereist Die Welt schaut auf den Rhein-Hunsrück-Kreis

Der Rhein-Hunsrück-Kreis gilt als die erste energieautonome Binnenregion Deutschlands. Das Interesse an seinen Ideen und Erfahrungen ist groß - auch im Ausland.

Die ersten Schritte in Richtung einer Energiewende gab es im Rhein-Hunsrück-Kreis bereits vor mehr als 20 Jahren, als in anderen Regionen Deutschlands noch gar keine Rede davon war. Die Gegend südlich der Mosel gilt als Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien, dabei ist der Kreis im Vergleich zu anderen eher strukturschwach.

Dauer

Eine Studie der Kreisverwaltung hatte ergeben, dass die Bürger hier jährlich 290 Millionen Euro an Heizölhändler und Stromkonzerne zahlten. Geld, das inzwischen komplett im Kreis bleibt. Alleine 800.000 Liter Heizöl sparen die findigen Hunsrücker mit Holzhackschnitzel-Heizungen in öffentlichen Gebäuden und Schulen. Sie haben erkannt, dass die heimischen Holzreste bares Geld sind.

Internationales Ansehen

Ein Viertel des rheinland-pfälzischen Stroms wird inzwischen hier produziert. Mehr als 4.000 Photovoltaikanlagen sind auf den Dächern und nirgendwo drehen sich so viele Windräder.

Japanischer Gast mit Handy (Foto: SWR)
Die japanische Delegation hält bei ihrem Besuch alles bildlich fest.

Die Konzepte sind mittlerweile nicht nur deutschlandweit bekannt, Gäste aus mehr als 50 Ländern sind schon da gewesen. Und auch aus dem fernen Japan schaut man auf den rheinland-pfälzischen Landkreis. Seit 2013 haben sie eine Freundschaft mit einer Gemeinde aus Fukushima. Zurzeit ist wieder eine Delegation zu Gast, um sich das "Energie-Eldorado", wie der Kreis oft genannt wird, anzuschauen. Darunter die Windräder, die Solaranlagen, aber auch das Biomasseheizkraftwerk in Simmern.

"Ich glaube, dass die Menschen in der Region Fukushima einen ganz anderen Druck verspüren, sich mit Themen rund um die Energiewende zu beschäftigen", sagt Landrat Marlon Bröhr. "Wir zeigen ihnen daher gerne die Schritte, die wir schon gegangen sind, auch wenn der Weg natürlich noch ein sehr weiter ist." Jeder Besuch aus dem Ausland sei dabei eine große Ehre.

"Seelenverwandte" in Sachen Energiewende

Stolz ist Bröhr auch auf den Klimamanager des Kreises, Frank-Michael Uhle, der weltweit vernetzt und angesehen ist. Uhle selbst ist ebenfalls viel unterwegs, machte sich auch in Japan ein Bild von den dortigen Bemühungen in Sachen Energiewende.

"Man fliegt 12.000 Kilometer und trifft Seelenverwandte", erzählt er. "Leute, die dieselben Herausforderungen wie beispielsweise den demografischen Wandel im ländlichen Raum haben und gleichzeitig die gleichen Ideen und Visionen."

Im Rhein-Hunsrück-Kreis ist der Umweltschutz und der nachhaltige Umgang mit Ressourcen inzwischen zu "Massenbewegung" geworden, wie Landrat Bröhr es nennt. Politik und Bürger arbeiteten dabei Hand in Hand, was man den japanischen Gästen bei ihrem Besuch immer wieder zeigt.

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