Biberteich bei Freilingen (Foto: picture-alliance / dpa)

Immer mehr Nager in Rheinland-Pfalz Biber legen Teich im Westerwald an

Seit Jahren ist der Biber in Rheinland-Pfalz auf dem Vormarsch. Im Westerwald haben sich die Nager jetzt selbst einen Lebensraum geschaffen.

Stockenten und Zwergtaucher ziehen still ihre Bahn, unter den Zweigen einer Weide steckt eine scheue Bekassine den langen Schnabel ins Wasser. Ihren Teich verdanken sie einem Biber. Vor einem Jahr gab es oberhalb des Dorfs Freilingen im Westerwaldkreis nur eine Wiese am Saynbach. Als Anwohner den Staudamm entdeckten, dachten sie zuerst an Kinder. Aber Nagespuren an gefällten Weiden lassen keinen Zweifel daran, wer sich hier als Landschaftsarchitekt betätigt hat.

"Das ist eine kleine Sensation, dass wir den Biber jetzt auch im Westerwald haben", sagt der Bundesvorsitzende des Vereins Naturschutzinitiative (NI), Harry Neumann. Die nächstgelegenen Biberstandorte gebe es in der Eifel und in Hessen.

Biber sorgt für mehr Artenvielfalt

Lange Zeit vom Aussterben bedroht, breitet sich der Biber wieder aus - was sich auch für andere Tiere als Segen erweist. "Mit der Ankunft des Bibers ist die Artenvielfalt erheblich gestiegen", erklärt Neumann und nennt neben den Wasservögeln auch Amphibien und Libellen.

Auch diese Stockente profitiert vom Biberteich (Foto: picture-alliance / dpa)
Auch diese Stockente profitiert vom Biberteich

"Die Biber sind auf dem Vormarsch", sagt Stefanie Venske, die das Biberzentrum der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) leitet. "Wir haben jedes Jahr eine Zunahme von Revieren in Rheinland-Pfalz." Um das Jahr 1840 galt der Biber in Rheinland-Pfalz als ausgestorben. Etwa 1994 tauchte er am Eifel-Flüsschen Prüm wieder auf. Um das Jahr 2000 gab es erst zwei oder drei Standorte in der Eifel.

Bis zu 200 Biber in Rheinland-Pfalz

Aktuell wird der Biber-Bestand auf 160 bis 200 Tiere geschätzt. Ihr Verbreitungsschwerpunkt in Rheinland-Pfalz liegt in der Westeifel. Auch die Pfalz haben die Nager inzwischen erobert. Um den Schutz des Bibers kümmert sich seit 2005 das Biberzentrum an der Wappenschmiede im pfälzischen Fischbach, das in diesem Jahr mit 15.000 Euro vom Land gefördert wird.

Landesweit wurde ein Netz an Biberbetreuern aufgebaut und für die Arbeit vor Ort geschult. Zu Gesicht bekommt man den Biber aber nur selten. Deswegen weiß auch in Freilingen niemand genau, wie viele Tiere sich dort eingerichtet haben. Angesichts der umfangreichen Aktivitäten könne man von mehreren Tieren ausgehen, sagt Biber-Expertin Venske. "Es kann auch sein, dass sie im Mai schon Nachwuchs hatten."

Biber schwimmt in Teich (Foto: picture-alliance / dpa)
Biber lassen sich nur selten blicken

Im Herbst besonders aktiv

Von welcher Richtung die Tiere gekommen seien, lasse sich nicht sagen. "Sie wandern auch über Land und nicht zwingend an den Wasserläufen entlang." Jetzt werden die Biber besonders rege. "Im Herbst sind sie in der Regel aktiver, weil sie dann die Burgen winterfest machen", erklärt Venske. "Mehr als jedes andere Tier gestalten sie ihren Lebensraum selbst."

Bei den Unwettern Anfang Juni wurden in der Eifel mehrere Biberdämme weggerissen. Für die Reparaturen nutzen Biber am liebsten das weiche Holz von Weiden, Pappeln und Apfelbäumen. Wird sich der Biber weiter ausbreiten? Ja, antwortet Josephine Keller vom Umweltministerium. "Der Biber hat noch längst nicht alle Fluss- und Bachsysteme rückerobert."

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