Der Angeklagte im Bonner Landgericht (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Federico Gambarini/dpa)

Zehn Jahre Haft für Mann aus Sankt Augustin Höchststrafe für Mord an 17-Jähriger aus Unkel

Im Mordprozess um den Tod einer 17-Jährigen aus Unkel im Kreis Neuwied hat das Landgericht Bonn die Höchststrafe verhängt. Der Täter muss für zehn Jahre ins Gefängnis.

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Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der damals 17-jährige Deutsch-Kenianer die Schülerin in der Nacht zum 1. Dezember 2018 in seinem Zimmer in einer Unterkunft für Wohnungslose in Sankt Augustin bei Bonn ermordet hat. Ob er die Schülerin vor der Tat auch vergewaltigt hat, das konnte ein Gutachten nach Ansicht des Gerichts nicht eindeutig klären. Deshalb sei dieser Punkt im Urteil nicht berücksichtigt worden, sagte ein Gerichtssprecher.

Zehn Jahre Gefängnis stellen bei dem Fall das höchst mögliche Strafmaß dar, weil der Mann zur Tatzeit mit 17 Jahren noch minderjährig war und deshalb nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde.

Am Abend vor der Tat in Bonn kennengelernt

Mit dem Urteil folgte das Gericht den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklägern, auch sie hatten die Höchststrafe gefordert. Demnach hat der Angeklagte die junge Frau am Abend vor der Tat in Bonn kennengelernt und sie mit in seine Unterkunft für Wohnungslose in Sankt Augustin genommen, weil die 17-Jährige ihre letzte Bahn verpasst hatte.

Dort soll der Angeklagte versucht haben, die Schülerin zu vergewaltigen. Als die junge Frau drohte, ihn anzuzeigen, erstickte er sie. Anschließend soll er zwei Tage lang versucht haben, die Leiche aus dem Zimmer zu schaffen.

Die Ermittler kamen ihm auf die Spur, weil die junge Frau von ihrem Handy aus noch Nachrichten an Bekannte verschickt hatte.

Die Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft in Sankt Augustin (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Oliver Berg/dpa)
In dieser Obdachlosenunterkunft in Sankt Augustin wurde die 17-Jährige aus Unkel im Kreis Neuwied ermordet. picture alliance/Oliver Berg/dpa

Angeklagte bleibt vorerst in Untersuchungshaft

Die Angehörigen sollen das Urteil nach Aussage des Gerichtssprechers gefasst und ruhig aufgenommen haben. Der Angeklagte bleibt vorerst in Untersuchungshaft. Sein Anwalt hat laut Gericht nun eine Woche Zeit, in Revision zu gehen.

Verwirrung um Alter des Angeklagten

Der Prozess vor dem Bonner Jugendschwurgericht fand seit dem zweiten Verhandlungstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Ermittler waren zunächst davon ausgegangen, dass der Angeklagte zur Tatzeit 19 Jahre alt und somit heranwachsend war. Zum Prozessauftakt jedoch hatte der Angeklagte erklärt, dass er zwei Jahre jünger sei, was aus Sicht des Gerichts nicht zu widerlegen ist.

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