Hand an Baumstamm (Foto: SWR)

Forstamt Hachenburg schlägt Alarm Borkenkäfer greift Kroppacher Schweiz an

Viel mehr Bäume, als ohnehin schon befürchtet, sind vom Borkenkäfer befallen. Eine forstwirtschaftliche Katastrophe bahne sich an, so Forstamtsleiter Harald Hericks aus Hachenburg.

Mitarbeiter des Forstamtes Hachenburg verschafften sich mit einem Hubschrauber einen Überblick über die Lage. Nicht immer kann man vom Boden aus erkennen, ob ein Baum vom Borkenkäfer befallen ist oder nicht. Von oben ist der Blick anders, denn wenn ein Baum befallen ist, dann bekommt er eine lichte Krone. Genau das haben die Mitarbeiter des Forstamtes vom Hubschrauber aus sehen können: Vor allem Fichten sind vom Borkenkäfer befallen - und zwar stark. Diese Dimension sei neu, sagte ein ein Forstmitarbeiter dem SWR. Der Anblick von großen Flächen mit kaputten Bäumen aus der Luft sei sehr traurig – und ein großer Schock gewesen.

Große Trockenheit - große Borkenkäfer-Plage

Die derzeitige Trockenheit ist für den Borkenkäfer ideal, um sich zu vermehren. Die Böden sind speziell von den trockenen Sommern 2016 und 2018 so strapaziert, dass der Regen, der im Herbst, Winter und Frühjahr danach kam, nicht ausgereicht hat, um die Verluste auszugleichen, erklärt das Hachenburger Forstamt. Besonders schlimm ist es für Fichten, die als Flachwurzler sich kein Wasser aus tieferen Böden ziehen können.

Eine Waldlichtung mit kranken Bäumen und dramatischem Wolkenhimmel (Foto: Pressestelle, Verbandsgemeindeverwaltung Hachenburg)
Im Westerwald droht ein Baum-Drama Pressestelle Verbandsgemeindeverwaltung Hachenburg

Riesige Nadelwälder werden absterben

Das befürchtet das Forstamt Hachenburg mit besonderem Blick auf die Kroppacher Schweiz. Die Nadelbäume in der Region sind im Trockenstress und haben keine Chance mehr, ausreichend Harz zu produzieren, damit den Borkenkäfer abzuwehren und sich zu schützen. Schon jetzt würden wöchentlich hunderte von Kubikmetern Schadholz aus den Waldgebieten abtransportiert. Diese Katastrophe sei ungleich größer und besorgniserregender als die Windwürfe durch "Wiebke" und "Lothar" in den neunziger Jahren.

Appell an Politiker

Das Hachenburger Forstamt und die Verbandsgemeinde schätzen den Schaden auf etwa zehn Millionen Euro. Hinzu kämen noch mal mindestens drei Millionen Euro für das Anpflanzen neuer Bäume. Das könnten die kommunalen Forstbetriebe nicht alleine zahlen, sagt Verbandsbürgermeister Klöckner. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte Waldbesitzern vor ein paar Monaten Hilfen in Höhe von 25 Millionen Euro bundesweit zugesagt. Das sei aber zu wenig, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hachenburg, Peter Klöckner. Er hat jetzt Briefe an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ministerpräseidentin Malu Dreyer (SPD) und mehrere Angeordnete aus der Region geschrieben. Darin appelliert er, die Forstämter in den Kommunen finanziell mehr zu unterstützen.

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