Die evangelische Kirche möchte jünger werden - Präses Manfred Rekowski bei der 71. Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (Foto: SWR)

Evangelische Kirche im Rheinland beendet Synode Zwölf Millionen Euro für Jugendarbeit und neue Pfarrstellen

Die evangelische Kirche im Rheinland will zwölf Millionen Euro in Gemeindereformen investieren. Die Kirche könne nicht mehr warten, bis die Menschen zu ihr kämen, hieß es zum Ende der Synode.

Es lag so etwas wie Aufbruchstimmung in der Luft auf der 71. Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr. Nach sechstägigen Beratungen sind am Freitag die diesjährigen Beratungen zu Ende gegangen.

Das Kirchenparlament der rund 2,5 Millionen rheinischen Protestanten legte fest, junge Leute künftig stärker zu beteiligen. So soll aus der ersten Jugendsynode 2019 ein regelmäßiges Treffen werden.

Außerdem möchte die Evangelische Kirche im Rheinland neue Wege finden, um Kirche in neuen Formen zu den Menschen zu bringen. Dafür stellt sie in den nächsten zehn Jahren insgesamt zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Die über 200 Delegierten beschlossen, mit dem Geld auch fünf neue Pfarrstellen zu finanzieren, die Kirchenangebote der Ortsgemeinden ergänzen sollen. Zudem sollen Projekte unterstützt werden, die neue Gemeindeformen ausprobieren.

Kirche möchte jünger werden

Zur Verjüngung der Kirchengremien werde eine Quotenregelung in bestimmten Gremien getestet. Die Modelle sollen in fünf Kirchenkreisen erprobt werden. Die stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Jugend im Rheinland, Fiona Paulus (21), erklärte, es sei ein großer Erfolg, dass die Landessynode Beschlüsse der Jugendsynode übernommen habe, um diese Vorschläge gleichwertig zu den eigenen Punkten weiter zu entwickeln.

Zu den von der Jugendsynode erarbeiteten Themen zählen unter anderem die Armut in Familien und die EU-Außengrenzen. Hier hat die Evangelische Kirche im Rheinland beschlossen, sich dem Bündnis Seebrücke anzuschließen. Das Bündnis setzt sich für sichere Fluchtwege ein, für eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und die menschenwürdige Aufnahme derjenigen, die auf der Flucht sind.

Ein weiteres Thema der Jugendsynode war die Frage, wie Kinder und Jugendliche früher in die Kirche eingebunden werden können. Präses Manfred Rekowski erklärte, die Zeit in der die Menschen einfach in die Gotteshäuser kämen, sei vorbei. Jetzt müsse die Kirche überlegen, wo sie neu und unkonventionell auf die Menschen zugehen und sie unterstützen könne. Etwa 100 junge Menschen waren zur Jugendsynode 2019 nach Bad Neuenahr Ahrweiler gekommen, um zu zeigen, dass die Ideen der Kirche jünger werden sollten.

Finanzen in Ordnung

Nach großen Einsparungen in der Vergangenheit wurde nun zum dritten Mal in Folge ein positiver Haushalt vorgelegt. Der Etat hat ein Volumen von 616,5 Millionen Euro, der Überschuss beträgt 8,1 Millionen Euro. Aus Kirchensteuern werden brutto 948 Millionen Euro erwartet. Als Netto-Verteilbetrag werden im Haushalt 744 Millionen Euro angesetzt. Die Kirchensteuereinnahmen sollen künftig sozial gerechter verteilt werden: Kirchenkreise mit höherem Aufkommen zahlen mehr Geld als bislang in den Finanzausgleich für ärmere Kirchenkreise.

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