Nur weniger Busse fuhren das Schulzentrum Simmern an (Foto: SWR)

Wer hat Schuld im Hunsrück? Land sieht in Bus-Chaos unhaltbare Situation

Genervte Berufspendler und Eltern, Kinder, die nicht in die Kita oder die Schule kommen: Rund um die Verbandsgemeinde Kirchberg fährt momentan fast kein Bus. Das führt auch zu politischem Streit.

"Die derzeitige Situation ist in unseren Augen nicht haltbar und der verantwortliche Landkreis ist aufgerufen, hier schnellstmöglich eine Lösung zu finden", teilte ein Sprecher des Bildungsministeriums dem SWR mit. Die Lösung "des vom Kreis verursachten Problems" könne auch nur der Kreis herbeiführen, so der Sprecher weiter.

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Der Rhein-Hunsrück-Kreis ist dafür zuständig, dass alle Schulkinder pünktlich in die Schule kommen. Doch am Mittwoch musste Landrat Marlon Bröhr (CDU) die Eltern bitten, sich zunächst selbst darum zu kümmern. Bei den Eltern liegen die Nerven blank.

Hintergrund für die Bus-Misere ist, dass die Konzessionen für die Buslinien ausgelaufen waren und europaweit neu ausgeschrieben werden mussten. Das Linienbündel in der Verbandsgemeinde Kirchberg ging an eine Bietergemeinschaft aus zwei Busunternehmen, das Unternehmen DeinBus aus Offenbach am Main und die VBN Nagoldtal GmbH aus Calw.

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Insolvenz am ersten Schultag

Noch vor Einführung des neuen Fahrplanes am 1. August meldete das Busunternehmen aus Calw Insolvenz an. Der Kreis fragte daraufhin bei dem zweiten Partner der Bietergemeinschaft, der Firma DeinBus, nach, ob sie alleine alle Busfahrten stemmen könne - und erhielt nach Angaben von Landrat Bröhr eine positive Antwort. Doch auch DeinBus meldete kurzfristig Insolvenz an - am ersten Schultag in Rheinland-Pfalz.

VRM und LBM für Vergabe zuständig

Eigentlich sollten im südlichen Teil des Rhein-Hunsrück-Kreises 35 Busse unterwegs sein. Momentan sind es nur noch eine Handvoll. An den ersten drei Tagen nach Schulbeginn war ein örtlicher Busunternehmer eingesprungen, der viele Fahrten übernahm. Er könne aber nicht mehr aushelfen, heißt es vom Kreis.

VRM weist Verantwortung von sich

Das Bus-Chaos im Rhein-Hunsrück-Kreis sei nach Angaben des zuständigen Verkehrsverbunds Rhein-Mosel nicht vorhersehbar gewesen - auch nicht bei der Vergabe der Buslinien im Dezember vergangenen Jahres. Das teilte der VRM schriftlich mit. Die Finanzen seien überprüft worden, es habe keine Bedenken gegeben.

Der Rhein-Hunsrück-Kreis hat kein eigenes, kommunales Busunternehmen. Deshalb müssen die Strecken an private Busunternehmen vergeben werden. Das übernimmt die Kreisverwaltung aber nicht selbst. Die europaweite Ausschreibung und die Erstellung des neuen Busfahrplanes hätten der Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) übernommen, betont Landrat Bröhr.

Krisen-Sitzung am Freitagnachmittag

Der Landrat sagte, man suche händeringend nach einem privaten Busunternehmen, das einspringen könne. Offenbar gibt es aber keinen möglichen Anbieter aus dem Hunsrück. Es fehlen überall Busse und vor allem Fahrer.

Am Freitagnachmittag kommt der Kreistag zu einer Sondersitzung zusammen. Dort könnte entschieden werden, dass die betroffenen Buslinien in einer beschleunigten Notvergabe neu ausgeschrieben werden. Selbst wenn schnell Ersatz gefunden wird, kann es nach Angaben des Kreises noch bis zu sechs Wochen dauern, bis der Busverkehr in der Verbandsgemeinde Kirchberg wieder normal läuft.

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