Brennender ICE fährt durch den Westerwald (Foto: picture-alliance / dpa)

Viele Anfragen nach Zugbrand Dierdorfer Feuerwehr teilt Erfahrungen zu ICE-Brand

Der Brand eines ICE im Westerwald vor rund drei Monaten beschäftigt noch immer die Feuerwehren in der Region. Die Feuerwehr Dierdorf berichtet anderen Wehren von ihren Erfahrungen.

In einem solchen Ausmaß hat noch nie ein ICE gebrannt, die Erfahrungen aus diesem Ereignis sind deswegen sehr wichtig. Bei der Dienstversammlung der Feuerwehren im Westerwaldkreis hat die Feuerwehr aus Dierdorf jetzt anderen Wehren ausführlich von dem Ereignis berichtet.

Großes Interesse - sogar aus Japan

Es geht um Einsatzpläne, Anfahrtswege und -zeiten - für Feuerwehrleute wichtige Daten. Die Erfahrungen daraus gibt der Dierdorfer Wehrleiter Andreas Schmidt an andere Feuerwehrmänner weiter. Er sagt, die Feuerwehr Dierdorf sei seit dem Brand im Westerwald bundesweit gefragt. Beispielsweise hätte es eine Anfrage aus Stuttgart zum Projekt Stuttgart 21 gegeben. Die Feuerwehr dort habe wissen wollen, wie das Brandverhalten war. Es habe sogar eine Anfrage aus Japan gegeben, wo auch Höchstgeschwindigkeitszüge unterwegs sind.

Ein ICE ist auf dem Weg von Köln nach München im Westerwald bei Dierdorf in Brand geraten.  (Foto: SWR)
Rettungskräfte wünschen sich eine bessere und schnellere Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn.

Was tun, wenn ein 300 Stundenkilometer schnelles Geschoss unter Hochspannung plötzlich anfängt zu brennen? Viele Feuerwehrleute sind überrascht, dass es dazu überhaupt kommen konnte, sagt der Feuerwehrinspekteur des Kreises Neuwied, Werner Böcking, denn bislang galt die Devise: "In dem Zug kann nichts brennen. Wir sind jetzt wirklich eines besseren belehrt worden", so Böcking.

"Es war viel Glück dabei."

Hätte der ICE im Tunnel gestanden, hätten die Fahrgäste nicht so besonnen reagiert, wäre das Wetter anders gewesen - die Fahrt wäre in der Katastrophe geendet, sind sich die Feuerwehrleute sicher. Deswegen gibt es regen Austausch mit der Bahn. "Es ist bei der Deutschen Bahn oft schwierig für bestimmte Themen den zuständigen Ansprechpartner zu finden", sagt Böcking. Die Problematik im Westerwald war, dass Zufahrten aus dem Waldbereich nicht benutzbar waren. Die Feuerwehr Dierdorf habe Glück gehabt, dass sie den brennenden ICE über die A3 leicht erreichen konnte. Das sei nicht überall so.

Ziel: Aus Unglück lernen

Jetzt hoffen die Feuerwehren aus diesem Unglück zu lernen, damit beim nächsten Mal wieder alles glimpflich ausgeht - wenn die Bedingungen nicht so optimal sind, wie im Oktober vergangenen Jahres.

ZUM HINTERGRUND

In einem fahrenden ICE war am 12. Oktober ein Feuer ausgebrochen. Nach Angaben der Deutschen Bahn hat sich ausgetretenes Transformatoröl in dem Zug entzündet. Der Zug mit 510 Passagieren wurde evakuiert und die Strecke im Westerwald schwer beschädigt. Lange liefen dort Reparaturarbeiten. Inzwischen rollen die Züge auf der Schnellstrecke Frankfurt-Köln wieder planmäßig. Die Transformatoren und Nebenaggregate würden seit dem Ereignis genauer untersucht. Generell werden Trafos bei Zügen der Deutschen Bahn künftig häufiger überprüft - und auch die Brandschutzkonzepte kämen auf den Prüfstand.

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