Krimi-Autoren sitzen um Tisch (Foto: SWR)

Dichtercamp in Kamp-Bornhofen Acht Autoren, sieben Tage, ein Theaterstück

Kann das gutgehen? Acht deutsche Kriminalschriftsteller schreiben gemeinsam eine Kriminalkomödie - und das in einer Woche? In Kamp-Bornhofen hoch über dem Rhein haben sich die acht quasi in einem Dichtercamp verbarrikadiert.

Der ambitionierte Plan der vier Männer und vier Frauen: Sie wollen eine Krimikomödie verfassen, die deutsche Theaterbühnen im Sturm erobern soll. Ein Anspruch, der wohl nicht so leicht zu erfüllen sein wird.

Eine schattige Weinlaube und viele Morde

In einer schattigen Weinlaube mit furiosem Blick über den Rhein sitzen die acht Autoren rund um einen riesigen Tisch - eigentlich wirkt alles recht friedlich. Doch ihr Geschäft ist mörderisch. Autorin Sandra Lüpkes ist zufrieden mit ihrer Figur in dem Stück, obwohl die Frau das große Finale nicht erleben wird: "Ich sterbe tatsächlich unbemerkt, obwohl alle im Raum sind. Ich kippe einfach langsam vom Sofa."

Das ist nur der erste Todesfall in dem Stück, aber auch die anderen Morde sind schon eingetütet. Gerade deshalb ist die Stimmung im Dichtercamp gut, die Krimikomödie liegt in den letzten Zügen, das Drehbuch ist nach einer Woche so gut wie fertig.

Worum geht es eigentlich?

Der Kölner Krimi-Autor Carsten Sebastian Henn skizziert das Szenario so: "Fünf Menschen sind in einer Selbsthilfegruppe, um mit dem Morden aufzuhören. Sie gründen gemeinsam eine Pension, dort wollen sie sich gegenseitig davon abzuhalten, andere umzubringen."

Spielbrett Handlungsstrang (Foto: SWR)
Die Handlung muss passen: Die zeilichen Abläufe in der Krimikomödie werden auf einer Art Spielbrett genau skizziert und aufeinander abgestimmt

Spielbrett bringt Klarheit

Alle Morde in einem 90 Minuten langen Bühnenstück plausibel aufeinander folgen zu lassen, ist anspruchsvoll. Deshalb liegt auf dem Tisch vor den acht Autoren ein langes Stück Papier. Sieht aus wie ein Spielbrett. Man denkt sofort an Cluedo - ein Brettspiel, bei dem man durch geschicktes Fragen, den Mörder ermitteln muss.

Das Papier dient tatsächlich zur Visualisierung der einzelnen Morde. Mit Mensch-Ärger-Dich nicht Figuren spielen die Autoren wie auf einer Minibühne den zeitlichen Ablauf der Handlung nach. "Es ist wichtig zu sehen, wann ist welche Person mit wem in welchen Raum", erklärt Verleger und Autor Ralf Kramp die Methode.

Aus Schnapsidee wird Dichtercamp

Entstanden ist das ungewöhnliche Dichtercamp eigentlich aus einer spontanen Laune heraus, sagt Krimiautor Jürgen Kehrer. Er ist bundesweit bekannt als Autor der ZDF-Fernsehserie Wilsberg : "Es fing an mit einer Schnapsidee. Ich saß mit Ralf Kramp zusammen und wir haben uns einfach überelegt, wir schreiben mit acht Leuten mal einen Roman. Wichtig war, die richtigen Autoren dafür zu finden. Es muss ja auch passen, man muss ja auch recht lange miteinander auskommen."

Und es hat geklappt, sogar sehr gut. Wenn sich die acht Autoren hoch oben über dem Rhein einmal nicht einigen konnten, stimmten sie einfach ab und kamen nach eigener Aussage so immer schnell zu einer guten Lösung. Das Projekt war also ein Erfolg: Innerhalb einer Woche ist in Kamp-Bornhofen eine Krimikomödie entstanden, die womöglich bald in deutschen Theatern zu sehen sein wird.

STAND