Der Yellow Crane Pavilion und die Yangtze River Brücke in Wuhan. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Photoshot / Xing Qi)

Coronavirus in Wuhan/China Koblenzerin erzählt vom Leben unter Quarantäne

Die Koblenzerin Sarah Heintze lebt in Wuhan, das seit Tagen unter Quarantäne steht. "Alles was Spaß macht, ist gerade nicht möglich" sagt sie im Interview mit SWR1.

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SWR1: Und wie fühlt sich das an – so lange unter Quarantäne?

Sarah Heintze: Langsam kriege ich das – wie sagt man so schön im Englischen? "Cabin Fever" (deutsch: Lagerkoller). Ich muss doch einmal pro Tag spazieren gehen.

SWR1: Was dürfen Sie denn alles nicht machen unter Quarantäne?

Sarah Heintze: Ich darf nur nicht aus der Stadt raus. Aber es gibt ja auch keine Möglichkeit aus der Stadt rauszukommen. Es gibt ja auch keinen öffentlichen Transport, also Busse und U-Bahnen fahren nicht. Die U-Bahn-Stationen sind abgeriegelt, zum Flughafen kommt man deshalb gar nicht. Auch wenn man ein Auto hätte, würde man nicht hinkommen. Die Straßen sind ja auch abgeriegelt. Und alles andere ist zu. Nichts, was ich nicht dürfte, sondern eher was ich nicht kann, weil es nicht zur Verfügung steht. Alles was Spaß macht: Kino, einkaufen, Kaffee trinken oder mal ins Museum gehen - das ist gerade nicht möglich.

SWR1: Wenn Sie jetzt rausgehen, ein bisschen spazieren gehen, wie erleben sie da die Stadt?

Sarah Heintze: Im Moment ist es ein bisschen tot. Sagen wir mal so: Wie bei uns in Deutschland am Sonntagnachmittag. Wenn wir mit dem Kaffee trinken fertig sind und das Stückchen Kuchen gegessen haben. Man sieht vielleicht ein bis zwei Leute, die spazieren gehen, aber die meisten sind dann doch eher zuhause oder vielleicht im Garten. So ungefähr sieht es dann auf den Straßen aus. Man sieht fast keine Autos, vielleicht zwei bis drei hier und da mal. Und zwei bis drei Leute, die eventuell mal um den Block laufen oder auf dem Weg zum Supermarkt sind oder vom Supermarkt wieder zurückkommen, aber das war’s dann auch.

SWR1: Wie sieht es in den Krankenhäusern aus? Man könnte sich ja vorstellen, dass jeder, der einen Schnupfen bekommt gleich in die Notaufnahme läuft, weil er Angst bekommen hat?

Sarah Heintze: Nehme ich an. Ich habe mich bis jetzt vom Krankenhaus ferngehalten. Ich bin vollkommen gesund. Vom Krankenhaus bleibe ich fern, weil ich denke, da wäre es am einfachsten, sich etwas einzufangen. Alleine schon wegen der Tatsache, dass da die ganzen Leute sind, die sich überprüfen lassen wollen und auch die Leute, die den Virus haben. Und noch ein paar Krankenschwestern und Ärzte, die vielleicht schon angesteckt sind, aber das noch gar nicht wissen, weil diese Inkubationszeit ja angeblich so ein paar Wochen lang ist. Ich habe überhaupt keinen Bedarf mich in die Nähe eines Krankenhauses zu bewegen.

SWR1: Ist jemand aus Ihrem Umfeld betroffen?

Sarah Heintze: Nein. Zum Glück. Von meinen chinesischen Kollegen ist keiner betroffen, soweit ich weiß. Die sind alle brav zuhause.

SWR1: Rund 90 Deutsche halten sich zur Zeit ja in Wuhan auf. Die alle will die Bundesregierung ja nach Deutschland ausfliegen, haben sie denn schon was gehört?

Sarah Heintze: Ich habe eine E-Mail vom Auswärtigen Amt bekommen, dass da wohl etwas in der Planung ist. Aber etwas genaues weiß ich nicht, kein Datum, nichts. Es wurde in der E-Mail geschrieben, dass sie uns auf dem Laufenden halten. Mal sehen was da kommt und ob ich das Angebot annehme oder nicht.

SWR1: Sie haben eine E-Mail vom Auswärtigen Amt bekommen, in der angekündigt wird, dass sie ausgeflogen werden sollen, ohne das etwas genaues klar ist. Möchten Sie denn gerne ausreisen oder sind sie entspannt und würden lieber vor Ort bleiben?

Sarah Heintze: Ich würde es vorziehen hierzubleiben, da meine Freundin im Moment zu Besuch ist und ich auch eine Katze habe. Ich nehme an, ich kann die Katze nicht mit in den Flieger nehmen. Und es ist sonst keiner da, der auf die Katze aufpassen kann. Das sind kleine Sachen, aber mein Leben ist eben hier und nicht in Deutschland. Ich wüsste jetzt nicht, was ich in Deutschland machen sollte, außer meine Familie zu besuchen.

SWR1: Vor einer Woche hat die chinesische Regierung ja noch gesagt "Das Virus ist kontrollierbar." Machen denn diese radikalen Maßnahmen der Behörden auf sie jetzt immer noch einen kontrollierten Eindruck?

Sarah Heintze: Für mich ist das nicht panisch. Für mich ist das eigentlich eher etwas, was mein Land oder was die Länder aller Leute, die sich im Ausland befinden, unternehmen sollten. Das ist ein Angebot, was die deutschen Behörden zur Verfügung stellen, dass sie sich um die Leute im Ausland kümmern, die die deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Die Fragen stellte Michael Lueg.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP
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