Eine Regionalbahn fährt in den Kammerecktunnel der linksrheinischen Bahnstrecke (Foto: dpa Bildfunk, Thomas Frey)

Bürgerinitiative beklagt Mängel Sind die Bahntunnel im Mittelrheintal noch sicher?

Die drei Tunnel auf der linksrheinischen Bahnstrecke bei St. Goar sind rund 160 Jahre alt. Derzeit werden sie saniert. Das reicht Kritikern nicht. Sie sprechen von gravierenden Sicherheitsmängeln.

Die 1858 und 1859 erbauten Bahntunnel gegenüber dem Loreley-Felsen sehen aus wie kleine Ritterburgen mit ihren Zinnen und Türmchen. Von Oberwesel aus gesehen reihen sich der Kammereck-Tunnel (289 Meter), der Bett-Tunnel (236 Meter) und der Bank-Tunnel (367 Meter) im Mittelrheintal vor St. Goar aneinander.

Bürgerinitiative: Fluchtwege und Sammelplätze fehlen im Tunnel

Nach Ansicht der Bürgerinitiative "Oberwesel 22 - Zukunft trotz Bahn" haben die Tunnel gravierende Sicherheitsmängel. "Es gibt keine Fluchtwege, keinen Handlauf für die Orientierung bei Vernebelung, keine Sammelplätze für Evakuierungen und keinen Löschteich", kritisiert der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Harald Steppat. "Die Baustatik der Tunnel wäre heute gar nicht mehr zulässig", ergänzt der Ingenieur mit Blick auf die durch "brüchiges Schiefergestein" gebauten Röhren. Lokführer schrieben seiner Bürgerinitiative E-Mails mit dem Tenor: "Diese Tunnel sind die kritischsten weit und breit - setzen Sie sich bitte weiter für eine Lösung ein!"

Die Deutsche Bahn weist die Vorwürfe entschieden zurück. "Die Tunnel sind sicher", betont ein Bahnsprecher. Sie würden regelmäßig kontrolliert. Ein Stein könne sich immer mal lösen. Derzeit laufe dort auch eine turnusgemäße Instandsetzung.

Umgehungstunnel gewünscht, aber vom Tisch

Insgesamt mehr als 400 Züge täglich rattern hier an beiden Flussufern durch das Mittelrheintal. Der Bahnlärm vertreibt Anwohner, beeinträchtigt den Tourismus und drückt auf die Immobilienpreise. 2013 und 2014 hat ein Arbeitskreis mit Bahnexperten sechs Varianten einer Tunnelsanierung beleuchtet. Die Region befürwortete damals die Variante "Pink", einen sieben Kilometer langen neuen Umgehungstunnel von St. Goar bis hinter Oberwesel - gut für ruhe- und sicherheitsbedürftige Anwohner an einer Strecke, die in der Nähe auch schon Erdrutsche und Entgleisungen erlebt hat.

Die Bahn bevorzugte dem Vernehmen nach seinerzeit die preiswertere neue Tunnelvariante "Rot". Die bestehenden Tunnel mit ihren denkmalgeschützten und daher nicht zu vergrößernden Portalen hielt die Deutsche Bahn damals mit zwei Gleisen für nicht sanierungsfähig. Für den künftigen doppelgleisigen Betrieb gebe es nur zwei Möglichkeiten: "Die eingleisige Erneuerung der bestehenden Trasse und den Neubau einer weiteren Tunnelröhre" oder "den Neubau von zwei eingleisigen Tunnelröhren und den Rückbau der bestehenden Trasse", heißt es in einem Schreiben der damaligen Bahntochter DB Projektbau GmbH vom 1.11.2013, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Projekt der Alternativtrasse ins Stocken geraten

Inzwischen hat das Bundesverkehrsministerium entschieden, die drei Uralttunnel doch nicht durch einen Neubau zu ersetzen, weil eine rechtsrheinische Alternativtrasse "effektiver die Bedürfnisse nach Lärmschutz" erfülle. Doch auch für dieses milliardenschwere Tunnelprojekt für Güterzüge zwischen dem nordrhein-westfälischen Troisdorf und dem hessischen Bischofsheim stehen die Signale in dem Berliner Ministerium mittlerweile anscheinend auf rot. Die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) will daher am 11. März Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) treffen.

Tunnel gar nicht offiziell genehmigt?

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel, Thomas Bungert (CDU), hat sich beim Eisenbahn-Bundesamt und der Deutschen Bahn schon mehrmals vergeblich erkundigt, ob die Bahnstrecke zwischen Bingen und Koblenz mit den drei Uralttunneln überhaupt eine offizielle Genehmigung hat. Für nächste Woche sei ihm endlich eine Stellungnahme angekündigt worden. Wenn tatsächlich die Genehmigung fehlen sollte, will Bungert eine Klage prüfen. "Wenn etwas nicht genehmigt worden ist, gibt es auch keinen Bestandsschutz", so die Auskunft eines Rechtsanwalts.

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