Güterzug fährt durch Bararch (Foto: picture-alliance / Reportdienste, fotograf David Davies / imageBROKER)

Kaum Chancen für neue Güterzugstrecke außerhalb des Mittelrheintals Wissing will sich weiter für Alternativtrasse einsetzen

Eine alternative Trasse für das bahnlärmgeplagte Mittelrheintal lohnt sich laut einem Brief des Bundes erst bei einer Verzehnfachung des Bahnverkehrs. Sowohl Verkehrsminister Wissing (FDP) als auch Bürgerinitiativen sind verärgert.

Die Hoffnung der vom Bahnlärm geplagten Bewohner des Mittelrheintals auf eine alternative Güterzugstrecke sind deutlich kleiner geworden. "Um den Bau einer Neubaustrecke für den Güterverkehr wirtschaftlich begründen zu können, müsste sich das Verkehrsaufkommen des Personen- und Güterverkehrs auf der Schiene im Mittelrheintal deutlich, etwa um den Faktor 10, über die bis 2030 prognostizierten Zugzahlen hinaus erhöhen", heißt es in einem Brief des Bundesverkehrsministeriums an den CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Schnieder. Das Schreiben liegt dem SWR vor.

Dauer

Kritik am Bundesverkehrsministerium

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) kritisierte das Schreiben. Weder das Mittelrheintal noch die Zuleitungsstrecken im Norden und Süden könnten "ohne massive Investitionen in die Erweiterung der Infrastruktur eine Verzehnfachung des Verkehrs überhaupt aufnehmen." Offenbar wolle der Bund die alternative Bahnstrecke nicht. Wissing machte deutlich, er werde einen Brief an das Bundesverkehrsministerium zurückschreiben und klar machen, dass die Menschen im Mittelrheintal ohne Alternativtrasse vom Bahnlärm krank würden. 

Der Eifler Bundestagsabgeordnete Schnieder hatte zuvor kritisiert, dass die Alternativstrecke durch den Westerwald nicht in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrwegeplans aufgenommen wurde.

Harald Steppat von der Bürgerinitiative Oberwesel 22 sagte, das Problem der Güterzüge im Mittelrheintal auf die Wirtschaftlichkeit herunterzubrechen bedeute, ein Faktum heranzuziehen, das an den Menschen und am Weltkulturerbe gänzlich vorbeiginge. "Ich habe den Eindruck, dass der Bund die alternative Güterverkehrsstrecke nicht will. Wenn dem so ist, dann soll der Bund das auch klar sagen", so Steppat.

"Alle 15 Sekunden ein Güterzug"

Nach Zahlen des Mainzer Verkehrsministeriums fahren schon jetzt jeden Tag durchschnittlich mehr als 400 Personen- und Güterzüge auf den Bahnstrecken aus dem 19. Jahrhundert links und rechts des Rheins durch das Obere Mittelrheintal. Laut der Bürgerinitiative "Oberwesel 22 - Zukunft trotz Bahn" werden für 2030 sogar 500 bis 600 Züge täglich vorausgesagt. Laut dem Bundesverkehrsministerium wäre somit ein wirtschaftlicher Handlungsbedarf erst bei 5.000 bis 6.000 Zügen pro Tag erreicht, rechnet Bürgerinitiative-Chef Harald Steppat vor: "Das heißt alle 15 Sekunden ein Zug im Mittelrheintal - rund um die Uhr!"

Bei seinen Berechnungen beruft sich das Bundesverkehrsministerium auf ein noch unveröffentlichtes Gutachten. Die Alternativtrasse für Güterzüge soll rechtsrheinisch zwischen dem nordrhein-westfälischen Troisdorf und dem hessischen Bischofsheim verlaufen und damit das Mittelrheintal entlasten. Nach ersten Plänen des milliardenschweren Projekts sind dafür mehr als 100 Kilometer Bahntunnel vorgesehen - ein gewaltiges Bauprojekt.

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