Prozessbeginn am Landgericht Bonn Mann versteckt Gesicht  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Prozess jetzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit Mutmaßlicher Täter im Mordfall Unkel minderjährig

Spektakuläre Wende im Mordprozess gegen einen jungen Mann, der eine 17-jährige Schülerin aus Unkel im Kreis Neuwied getötet haben soll. Der Richter hat die Öffentlichkeit von dem Prozess ausgeschlossen, weil der Angeklagte offenbar minderjährig ist.

Dem Angeklagten sei nicht zu widerlegen, dass er tatsächlich zwei Jahre jünger sei als bislang angegeben, befand das Landgericht Bonn am Dienstag. Demnach sei er zur Tatzeit noch keine 18 Jahre alt, also noch Jugendlicher gewesen.

Die angebliche Schwester ist die Mutter

Hintergrund sind neue Erkenntnisse zur Familiengeschichte des mutmaßlichen Täters: Der Angeklagte war als kleines Kind nach Deutschland eingereist, offiziell in Begleitung seiner Mutter und seiner Schwester. In Wirklichkeit ist die angebliche Schwester des Angeklagten allerdings seine Mutter, sie war bei der Geburt gerade einmal 13 Jahre alt. Die angebliche Mutter ist in Wirklichkeit seine Großmutter, das hatte ein DNA-Test einwandfrei ergeben.

Lüge über Alter sollte womöglich Einreise erleichtern

Der Angeklagte erklärte auf Fragen des Vorsitzenden Richters, er habe keine Erklärung dafür, warum er zwei Jahre älter gemacht worden sei. Da der Angeklagte jetzt als Jugendlicher gilt, ändert sich die Strafzumessung: Sollte er, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, wegen Mordes zur Verdeckung einer Straftat verurteilt werden, müsste er für höchstens zehn Jahre ins Gefängnis. Als Heranwachsendem hätten ihm bis zu 15 Jahre gedroht.

Prozessbeobachter gehen davon aus, dass die Lüge über die Familienverhältnisse dazu dienen sollte, dem Angeklagten überhaupt eine Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. Sein Alter wurde vermutlich falsch angegeben, um die Familiengeschichte glaubhafter zu machen. Bis zum Urteil wird nun nichts über den Prozess an die Öffentlichkeit dringen.

Angeklagte lernte Schülerin wenige Stunden vor der Tat kennen

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll die Schülerin den mutmaßlichen Täter am Abend ihres Todes Ende vergangenen Jahres in Bonn kennengelernt haben. Nachdem sie mit Freunden durch Kneipen gezogen waren und die junge Frau ihren Zug nach Hause verpasste, habe ihr der junge Mann angeboten, in dessen Unterkunft für Wohnungslose in St. Augustin zu übernachten.

Mutmaßlicher Täter wollte Leiche wegschaffen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vergewaltigte der Mann dort die 17-Jährige. Als sie anschließend drohte, ihn anzuzeigen, habe er sie erstickt. Zwei Tage lang soll er anschließend versucht haben, die Leiche aus dem Zimmer zu schaffen. Der mutmaßliche Täter war nach Angaben der Stadt in einer der Wohnungen als Obdachloser untergebracht.

Der Angeklagte soll nach seiner Festnahme zugegeben haben, Gewalt gegen die Jugendliche angewandt zu haben. Die Vergewaltigung bestreitet der Mann allerdings. Die Ermittler kamen ihm auf die Spur, weil die junge Frau von ihrem Handy aus noch Nachrichten an Bekannte verschickt hatte.

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