Die aus dem Rhein bei Neuwied geborgene und entschärfte Bombe liegt zum Abtransport bereit (Foto: SWR)

Nach der Bombenentschärfung Verfahren gegen Neuwieder Anwohner

Die Stadt Neuwied hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen drei Anwohner eingeleitet, weil sich wegen ihnen die Bombenentschärfung am Sonntag verzögert habe.

Nach Angaben von Bürgermeister Michael Mang werde die dreiköpfige Familie jetzt in einem formellen Schreiben um eine Stellungnahme gebeten. Theoretisch sei ein Bußgeld bis zu 5.000 Euro möglich. Bei einem abschließenden Hubschrauberrundflug kurz vor der Entschärfung der 1.000-Kilo-Bombe habe eine Wärmebildkamera die drei entdeckt. Deshalb musste nochmal ein Einsatzwagen in das Sperrgebiet geschickt werden, dadurch habe es Verzögerungen gegeben. Von dem Bußgeldverfahren erhoffe er sich eine Signalwirkung bei möglichen künftigen Bombenentschärfungen, so Mang.

Bombe wurde erfolgreich entschärft

Nach mehreren Stunden konnten die Menschen in Neuwied am Sonntagnachmittag endlich aufatmen. Der Einsatz war geglückt: Der Kampfmittelräumdienst hatte die 1.000-Kilo-Bombe im Stadtteil Irlich erfolgreich entschärft.

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Unmittelbar nach der Entschärfung wurden sämtliche Sperrungen in Neuwied und Andernach aufgehoben - das betraf insbesondere den kompletten Stadtteil Neuwied-Irlich, sowie Teile von Feldkirchen und der Innenstadt. Auch die B42, die Bahnlinie und der Rhein als Wasserstraße wurden wieder für den Verkehr freigegeben.

Die Evakuierungen der Häuser im betroffenen Gebiet hatte mehrere Stunden gedauert und sich mehrfach verzögert, weil mehr Menschen Hilfe brauchten, als geplant. Dadurch hatte sich auch die Entschärfung um rund zwei Stunden nach hinten verschoben. Nach der geglückten Mission konnten die 9.000 Menschen in Neuwied und Andernach unmittelbar in ihre vier Wände zurückkehren.

Rheinwasser war für Entschärfung hilfreich

Die Entschärfung dauerte keine halbe Stunde. Horst Lenz vom Kampfmittelräumdienst sagte, dass diese problemlos verlaufen sei. Das habe auch daran gelegen, dass die Bombe so lange im Rheinwasser gelegen hat. Dadurch habe sich ein natürlicher Schmierfilm um das Gewinde gebildet, so Lenz.

Die Bombe war von einem Spaziergänger in der vergangenen Woche entdeckt worden. Der Kampfmittelräumdienst hatte den Blindgänger zur Sicherheit an eine Kette gelegt, damit er nicht abtreibt.

Angekettete Bombe im Rhein (Foto: SWR, Sascha Ditscher)
Die Bombe wurde zur Sicherheit an eine Kette gelegt. Sascha Ditscher
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Insgesamt waren nach Angaben der Stadt mehr als 700 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Rotem Kreuz, Ordnungsamt und Polizei im Einsatz. Eine besondere Herausforderung war die Evakuierung eines Altenheims.

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Alliierte warfen 3.000 Bomben ab

Der Sprengsatz war nur wenige hundert Meter entfernt von der Stelle gefunden worden, wo der Kampfmittelräumdienst bereits am 6. September eine US-amerikanische 500-Kilogramm-Bombe im Rhein kontrolliert gesprengt hatte. "Im Zweiten Weltkrieg wurden fast 3.000 große Bomben abgeworfen, um die Eisenbahnbrücke von Neuwied-Irlich zu zerstören", berichtete Lenz.

Fotos vom Fundort in Wieder Bombe bei Neuwied-Irlich

Der Rhein bei Neuwied-Irlich (Foto: Stadt Neuwied/Marlies Becker)
Die Bombe wurde im Rhein bei Neuwied-Irlich gefunden Stadt Neuwied/Marlies Becker Bild in Detailansicht öffnen
Erst vor knapp zwei Monaten wurde ganz in der Nähe eine 500-Kilo-Bombe kontrolliert gesprengt Stadt Neuwied/Marlies Becker Bild in Detailansicht öffnen
Der Bereich rund um die Fundstelle der Bombe wurde abgesperrt Stadt Neuwied, Marlies Becker Bild in Detailansicht öffnen
Experten haben die Bombe begutachtet Stadt Neuwied/Marlies Becker Bild in Detailansicht öffnen
Der Blindgänger wurde vorsichtshalber mit einer Kette gesichert Stadt Neuwied/Marlies Becker Bild in Detailansicht öffnen
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