Ein ICE ist auf dem Weg von Köln nach München im Westerwald bei Dierdorf in Brand geraten.  (Foto: SWR)

Unglück bei Dierdorf ICE fängt während der Fahrt Feuer

In einem fahrenden ICE ist auf dem Weg von Köln nach München bei Dierdorf (Kreis Neuwied) ein Feuer ausgebrochen. Fünf Menschen wurden leicht verletzt. Die wichtige Schnellstrecke bleibt noch bis mindestens Sonntag gesperrt.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Alle etwa 500 Fahrgäste und das Bahnpersonal des ICE 511 konnten sich ins Freie retten. Nach Angaben der Polizei verletzte sich ein Passagier beim Sprung aus dem Zug am Fuß, vier weitere Reisende klagten über Kreislaufprobleme wegen der Aufregung. Alle Zuginsassen wurden in einem nahegelegenen Gemeindehaus betreut und anschließend mit Bussen zum ICE-Bahnhof in Montabaur gebracht. Insgesamt waren nach Polizeiangaben etwa 250 Einsatzkräfte vor Ort, zudem 50 Männer und Frauen aus dem Sanitätsdienst.

Bei der Rettung seien die Leute sehr diszipliniert und ruhig gewesen, sagte einer der Retter. Außerdem habe man Glück gehabt mit dem Wetter - trocken und verhältnismäßig warm.

Brandursache technischer Defekt

Am Samstagmorgen teilte die Bundespolizei mit, dass die Ursache für das Feuer ein technsicher Defekt gewesen sei. Ausgebrochen war der Brand im ersten Waggon nach dem hinteren Triebwagen. Dann war das Feuer auf das Zugende übergesprungen. Zur Klärung der Brandursache wurde der ICE vorübergehend beschlagnahmt.

Vollsperrung der A3

Betroffen von dem Großeinsatz war auch die parallel zur Bahnstrecke verlaufende viel befahrene Autobahn 3. Sie musste zeitweise zwischen Ransbach-Baumbach und Dierdorf in beiden Richtungen voll gesperrt werden. Inzwischen ist die Strecke Richtung Köln wieder freigegeben. Am Mittag waren auch zwei von drei Fahrstreifen in Richtung Frankfurt wieder frei.

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Verspätungen und Umleitungen bei der Bahn

Die Deutsche Bahn hat inzwischen einen Teil der Schnellfahrstrecke wieder in Betrieb genommen. Die Bahnhöfe Montabaur und Limburg Süd werden wieder angefahren, allerdings nur von Frankfurt aus. Damit haben zumindest Pendler aus dem Rhein-Main-Gebiet die Möglichkeit, zurück in den Westerwald zu kommen.

Wann die gesamte Strecke zwischen Frankfurt und Köln wieder freigegeben werden kann, ist laut Bahn noch unklar. Die Sperrung werde aber noch mindestens bis Sonntagabend bestehen bleiben, sagte ein Sprecher. Der Verkehr wird über die Rheinschiene umgeleitet, die Fahrt von Frankfurt nach Köln dauert deshalb bis zu 80 Minuten länger.

Zugbindungen sind für alle Reisenden auf der Strecke Köln-Frankfurt/Main aufgehoben. "Darüber hinaus können Reisende, die ein Ticket für eine Fahrt mit Geltungstag bis einschließlich 19. Oktober 2018 auf dem betroffenen Streckenabschnitt erworben haben, dieses kostenlos zurückgeben", heißt es von der Bahn. Den Reisenden des in Brand geratenen ICE 511 werde der Ticketpreis komplett erstattet. Außerdem werde die Bahn für beschädigtes Gepäck aufkommen.

Oberleitung stark beschädigt

Derzeit wird das Wrack des ICEs von Ermittlern untersucht. Für den Abtransport stehen nach Bahn-Angaben bereits Hilfsloks und Kranzüge bereit. Erst danach dürften die Schäden an der Strecke komplett sichtbar werden. Ein Feuerwehrsprecher sagte dem SWR, die Oberleitung sei stark beschädigt worden. Laut Bundespolizei hat aber womöglich auch das Gleisbett Schaden genommen.

Böschungsbrand sorgte im August für Behinderungen

Erst Anfang August war es zu einer Sperrung auf der ICE Strecke Köln-Frankfurt gekommen. Damals war zwischen Hennef (Sieg) und Troisdorf in Nordrhein-Westfalen ein Böschungsbrand ausgebrochen. Wegen der Dürre hatte er sich schnell ausgebreitet und hatte sogar auf Häuser übergegriffen. Erst am Morgen des Folgetages konnte die Strecke zumindest für den Fernverkehr wieder freigegeben werden.

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