Silberschale (Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Peter Haag-Kirchner)

Ausstellung im Museum auf der Festung Ehrenbreitstein Spätantike Prunkstücke werden in Koblenz gezeigt

Im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein wird zurzeit der "Schatz von Rülzheim" gezeigt: Ein weltweit einzigartiger archäologischer Fund mit hochspannender Geschichte.

Ein absolutes Highlight der Ausstelllung auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz ist ein spätantiker Klappstuhl. Er ist absolut einzigartig, heißt es von der Generaldirektion Kulturelles Erbe. Auf der ganzen Welt sei kein weiterer Stuhl dieser Art erhalten und bislang waren solche Möbel nur von antiken Abbildungen bekannt.

Rülzheimer Klappstuhl mit Rückenlehne aus der Römerzeit, mit Silberblech ummantelt. Auf der oberen Lehne Büsten und Figuren als Zierelemente, Füße in Form von Löwentatzen.  (Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Carolin Breckle)
Und so sieht der "Rülzheimer Klappstuhl" aus der Römzerzeit in echt aus: Die Rückenlehne ist mit Silberblech ummantelt. Auf der oberen Lehne Büsten und Figuren als Zierelemente, Füße in Form von Löwentatzen. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Carolin Breckle

Zum "Schatz von Rülzheim" gehören aber auch eine außergewöhnliche Silberschale und viele weitere Objekte aus Silber und Gold. Einige stammen aus römischer Produktion, andere gehören in den hunnisch-ostgermanischen Kulturkreis.

Illegale Ausgrabung durch Sondengänger

Genau so spannend wie die einzelnen Stücke ist aber auch die Geschichte des Schatzes aus der späten Römischen Kaiserzeit. Er kam 2013 in Rülzheim in der Pfalz zu Tage. Ein Hobby-Schatzsucher mit einer Sonde hatte ihn entdeckt und heimlich selbst ausgegraben.

Ausstellung auf der Festung Ehrenbreitstein Antikes Silber und ein römischer Prachtstuhl

94 rauten- und trapezförmige Goldappliken mit Traubenanhängern. Ursprünglich waren diese Zierelemente Teil eines Gewandes oder einer Kopfbedeckung, ostgermanisch. (Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Peter Haag-Kirchner)
94 rauten- und trapezförmige Goldappliken mit Traubenanhängern. Ursprünglich waren diese Zierelemente Teil eines Gewandes oder einer Kopfbedeckung, ostgermanisch. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Peter Haag-Kirchner Bild in Detailansicht öffnen
Erstmals wurde der Schatz nach umfangreicher Restaurierung 2018 im Rahmen der bundesweiten Ausstellung "Bewegte Zeiten" in Berlin gezeigt. Nun verbleibt er bis auf weiteres im Landesmuseum Koblenz. Generaldirektion Kulturelles Erbe/Peter Haag-Kirchner Bild in Detailansicht öffnen
Ostgermanische Silberschale mit Gold und Edelsteinen und einer sogenannten Kaiser-Fibel, die nachträglich als zentrales Zierelement eingearbeitet wurde. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Peter Haag-Kirchner Bild in Detailansicht öffnen
Rekonstruktionszeichnung des weltweit einzigartigen Rülzheimer Prachtstuhls aus der Spätantike nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Wolfgang Himmelmann Bild in Detailansicht öffnen
Und so sieht der "Rülzheimer Klappstuhl" aus der Römzerzeit in echt aus: Die Rückenlehne ist mit Silberblech ummantelt. Auf der oberen Lehne Büsten und Figuren als Zierelemente, Füße in Form von Löwentatzen. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Carolin Breckle Bild in Detailansicht öffnen
Silberblech mit Darstellung eines jagenden Löwen in antiker Zeit, ausgeschnitten aus einem größeren Objekt, ostgermanisch. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Peter Haag-Kirchner Bild in Detailansicht öffnen
Rückseite eines Spiegels aus der Römerzeit aus Silber und Bronze, es sind zwei Grazien dargestellt. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Peter Haag-Kirchner Bild in Detailansicht öffnen
Große Silberplatte aus der Römerzeit, in der Mitte ein vergoldetes Medallion mit Frauenkopf, die Platte wurde in drei Teile zerhackt. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalzh, Peter Haag-Kirchner Bild in Detailansicht öffnen

Bei seiner illegalen Ausgrabung hatte der Sondengänger nicht wieder gut zu machende Schäden an den Objekten verursacht und auch viele Spuren an der Fundstelle zerstört, die den Archäologen wichtige Hinweise hätten geben können. Etwa darauf, wem der Schatz ursprünglich gehörte. Auch die unsachgemäße Lagerung der Objekte durch den Raubgräber verursachte weitere Schäden.

Detaiaufnahme von mehreren Fundstücken des Schatzes von Rülzheim (Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe/Peter Haag-Kirchner)
Erstmals wurde der Schatz nach umfangreicher Restaurierung 2018 im Rahmen der bundesweiten Ausstellung "Bewegte Zeiten" in Berlin gezeigt. Nun verbleibt er bis auf weiteres im Landesmuseum Koblenz. Generaldirektion Kulturelles Erbe/Peter Haag-Kirchner

Erst im Zuge polizeilicher Ermittlungen wurden die spektakulären Funde 2014 an die Landesarchäologie übergeben. Kurze Zeit später wurden Teile des Schatzfundes im Landesmuseum Mainz und im Historischen Museum der Pfalz in Speyer der Öffentlichkeit präsentiert.

Archäologen untersuchen den Schatz weiter

Der "Schatz von Rülzheim" gibt den Archäolgen noch immer Rätsel auf. Sie möchten etwa herausfinden, warum er sowohl Stücke aus dem römischen, als auch dem hunnisch-ostgermanischen Kulturkreis enthält. Und klären, warum die wertvollen Gegenstände überhaupt vergraben wurden.

Der Fund wurde nach einer umfangreichen Restaurierung erstmals im vergangenen Jahr im Rahmen der bundesweiten Ausstellung "Bewegte Zeiten" in Berlin gezeigt. Jetzt bleibt er bis auf weiteres im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein.

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