Ruine der Adenauervilla bei Duppach in der Vulkaneifel (Foto: SWR, Oliver Kring)

Für über 35.000 Euro Adenauer-Villa: Großunternehmer ersteigert Bauruine

Das sogenannte Adenauer-Haus in der Eifel ist versteigert - an einen Großunternehmer aus dem Großraum Köln. Er hatte das letzte Gebot von 35.000 Euro "leicht überboten".

Mit einem Euro Startgebot hatte die Versteigerung der als "Adenauer Villa" bekannt gewordenen Bauruine an Heiligabend begonnen. Jetzt endete die Versteigerung der in der Eifel gelegenen Immobilie. Ein Großunternehmer aus dem Großraum Köln habe das letzte Höchstgebot von 35.000 Euro "leicht überboten", sagte Vorbesitzerin L. Ilse Thurner am Dienstag im nordrhein-westfälischen Solingen. Es handelt sich um die Ruine eines Anwesens, das dem früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer mal als Wochenendhaus in einem Waldstück bei Duppach (Vulkaneifel) dienen sollte.

Käufer ist "ein großer Adenauer-Fan"

Der Käufer des insgesamt 2.000 Quadratmeter großen Grundstücks wolle namentlich nicht genannt werden, sagte Thurner nach Ende der privaten Versteigerung. Nur so viel: "Er ist ein großer Adenauer-Fan." Sie sei froh, dass das Grundstück in gute Hände komme. Seit Dezember waren rund 50 Gebote eingegangen. Thurner hatte das Objekt 2018 geerbt: Die Solinger Unternehmerin wollte es aber nicht behalten.

Ein "Freundschaftsgeschenk" vom Industriekapitän

Gebaut hatte die Riesen-Villa einst einer der großen Industriekapitäne der deutschen Nachkriegszeit, der Vorstandsvorsitzende des Elektrokonzerns AEG, Friedrich Spennrath - als "Freundschaftsgeschenk" für den damaligen CDU-Kanzler. Die Pläne zu der als "Gäste- und Jagdhaus" geplanten Villa stammten von dem Architekten Heribert Multhaupt. Dieser wiederum war ein Schwiegersohn Adenauers.

Nach dem Rohbau war Schluss

Die Arbeiten zu dem luxuriösen Flachdachbau mit der Größe von vier Einfamilienhäusern begannen 1955. Und der jungen Bundesrepublik drohte ihr erster handfester Korruptionsskandal. Adenauer lehnte schließlich ab, und die Arbeiten wurden 1956 eingestellt, gerade als der Rohbau fertig war. Seitdem gammelten Heizkörper, Lichtschalter und Steckdosen im feuchten Dickicht des Kammerwalds vor sich hin - als Denkmal für den Filz der frühen Jahre in der Bundesrepublik.

Bieter wollten Jagdhaus oder Platz zum Malen

Zuletzt waren noch sechs Bieter im Rennen gewesen. Thurner berichtete, es habe bei ihnen sehr unterschiedliche Vorstellungen zur Nutzung des Geländes gegeben: Vom Jagdhaus über einen Platz zum Malen bis hin zu einem Umbau für traumatisierte Feuerwehrleute und Polizisten. Die Pläne des Käufers seien ihr nicht bekannt.

Adenauer-Villa in der Eifel Ruine wird im Internet versteigert

Die Adenauervilla in der Vulkaneifel von innen  (Foto: SWR, Antje Neufing)
Die Adenauer-Villa in der Vulkaneifel (Archivbild 2016) Antje Neufing Bild in Detailansicht öffnen
Die Villa wollte angeblich der Chef eines damals großen deutschen Elektrokonzerns dem Altkanzler als Ruhesitz schenken. Antje Neufing Bild in Detailansicht öffnen
Die Bauarbeiten für die Villa gingen 1955 los. Antje Neufing Bild in Detailansicht öffnen
Im Dorf gab es die wildesten Spekulationen und als bekannt wurde, dass die Villa für die Familie Adenauer gedacht war, wurden die Arbeiten 1956 eingestellt. Antje Neufing Bild in Detailansicht öffnen
1956 war gerade der Rohbau der Villa fertig. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Zu diesem Zeitpunkt muss das Anwesen noch imposant ausgesehen haben. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Der Legende nach war für die Adenauer-Villa im Keller ein Bunker und ein Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach vorgesehen. Von Experten wird dies jedoch bezweifelt. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Das damals recht pompöse Anwesen bröselt inzwischen seit 62 Jahren vor sich hin Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Alles was wertvoll war, haben Diebe gestohlen: Baustoffe, Baumaterialien und die Heizung. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Übrig geblieben ist ein einsturzgefährdetes, marodes Gemäuer und ein Schild mit der Aufschrift: Lebensgefahr! Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Die Versteigerung im Internet begann mit einem Euro. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Einige Anwohner im Ort sahen die Versteigerung kritisch. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Ein Nachbar sagte dem SWR: "Ich würden das Gelände nicht mal für 5 Cent nehmen!" Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
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