Abschaffung der Todesstrafe Wie das letzte Todesurteil in Rheinland-Pfalz gestoppt wurde

Vor 70 Jahren trat das Grundgesetz in Kraft. Bei der Ausarbeitung ging es auch darum, ob es weiter die Todesstrafe geben sollte. In Rheinland-Pfalz wartete damals eine Verurteilte auf die Vollstreckung.

Rheinland-Pfalz 1949: Im Gefängnis in Diez (Rhein-Lahn-Kreis) wartet eine Frau als verurteilte Mörderin darauf, dass sie sterben wird. Irma K. soll mit der Guillotine hingerichtet werden.

Die rheinland-pfälzische Guillotine (Foto: GDKE, Michael Jordan)
Die rheinland-pfälzische Guillotine ist heute eingelagert GDKE, Michael Jordan

Neben ihr sind sieben weitere Menschen im Land zum Tode verurteilt. Weil es in Rheinland-Pfalz zu der Zeit keine Guillotine gibt, muss damals zunächst der Bau in Auftrag gegeben und ein Fallmesser geschmiedet werden, heißt es vom Landeshauptarchiv in Rheinland-Pfalz. Die Vollstreckung des Urteils verzögert sich deshalb.

Zur gleichen Zeit tagt der Parlamentarische Rat in Bonn. Seine Aufgabe ist es, ein Grundgesetz für Westdeutschland zu schaffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Nazi-Zeit sollte die neue Verfassung ein klarer Gegenentwurf sein zum Unrechtsstaat im Dritten Reich.

Dauer

Anhänger und Gegner der Todesstrafe

Die 61 Männer und vier Frauen diskutieren auch darüber, ob es die Todesstrafe weiter geben sollte. Der damalige Justizminister aus Rheinland-Pfalz, Adolf Süsterhenn, spricht sich dafür aus. Demjenigen mit Mordgedanken werde so der Wert des menschlichen Lebens und damit die Verwerflichkeit des Mordes vor Augen geführt, so die Haltung des Juristen aus Koblenz.

Ein anderer Rheinland-Pfälzer argumentiert dagegen: Der Ludwigshafener Anwalt Friedrich-Willhelm Wagner ist ein entschiedener Gegner der Todesstrafe. Als Widerstandskämpfer drohte ihm unter den Nazis selbst die Todesstrafe. Er konnte aber fliehen und kam mit dem Leben davon.

Irma K. wird nicht hingerichtet

Die Gegner der Todesstrafe im parlamentarischen Rat setzen sich schließlich durch: Die Todesstrafe wird abgeschafft. Fünf Tage später ist die Guillotine betriebsbereit, heißt es aus den Unterlagen des Landeshauptarchivs. Sie kommt niemals zum Einsatz.

Irma K. sitzt bis 1970 in Rheinland-Pfalz im Gefängnis. Dann begnadigt sie der damalige Ministerpräsident Helmut Kohl. Im Jahr 2000 stirbt sie an den Folgen einer Lungenentzündung.

Die Todesstrafe ist abgeschafft.

Artikel 102 Grundgesetz

Die Guillotine des Landes Rheinland-Pfalz ist anschließend lange im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen. Heute ist sie in einem Depot des Landesmuseums Koblenz eingelagert und ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

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