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Das nach eigenen Angaben bundesweit größte Krematorium im Rhein-Lahn-Kreis ist in seinen Ursprüngen 25 Jahre alt - und hat mittlerweile viele Veränderungen bei Bestattungen erlebt.

So werden längst mehr Tote verbrannt als traditionell begraben. Das steigert den Umsatz von Krematorien. Die Corona-Pandemie brachte die Betriebe zudem teilweise an ihre Grenzen.

Am 15. Mai 1996 ist die Rhein-Taunus-Krematorium GmbH als eines der ersten privaten Unternehmen der Branche gegründet worden. Fünf Jahre später ist die erste Einäscherungsanlage in Betrieb gegangen. Heute hat das Rhein-Taunus-Krematorium bei Dachsenhausen in der Verbandsgemeinde Loreley acht Anlagen.

Mit Tobias Klein (links) und Karl-Heinz Könsgen sind zwei Generationen in der Geschäftsführung von Deutschlands größtem Krematorium tätig. Das nach eigenen Angaben bundesweit größte Krematorium im Rhein-Lahn-Kreis ist in seinen Ursprüngen 25 Jahre alt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
Mit Tobias Klein (links) und Karl-Heinz Könsgen sind zwei Generationen in der Geschäftsführung von Deutschlands größtem Krematorium tätig. picture alliance/dpa | Thomas Frey

Hier entzünden auf 680 Grad erhitzte Steine und genügend Luft Holzsärge unverzüglich. Anfangs habe es pro Tag nur vier bis fünf Feuerbestattungen gegeben, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Könsgen. Heute könnten es täglich bis zu 160 sein. "Allerdings wurden solche Größenordnungen bisher nur im Januar dieses Jahres während der Corona-Pandemie erreicht", sagt der frühere Bauunternehmer.

Wegen der Seuche haben Krematorien mehr Arbeit. Von Dezember 2019 bis Dezember 2020 beispielsweise ist im Rhein-Taunus-Krematorium die Zahl der Einäscherungen um etwa 20 Prozent auf 4.142 gestiegen.

Kommunale und private Krematorien konkurrieren

Angaben zu Gewinn und Erlösen macht das von Könsgen und dem inzwischen verstorbenen Unternehmer Toni Klein aufgebaute Familienunternehmen nicht. In den vergangenen 25 Jahren ist es auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der Bundeswehr stark gewachsen. Krematoriumschef Könsgen sagt: "Angefangen haben wir mit drei Mitarbeitern. Heute sind 60 Menschen fest bei uns angestellt."

Die Liberalisierung der Branche Ende der 90er Jahre hat zu mehr Wettbewerb geführt - heute konkurrieren kommunale und private Krematorien miteinander. Der Anteil der Feuerbestattungen hat dabei laut dem Unternehmenssprecher Willi Brandt im Jahr 2000 bundesweit noch schätzungsweise lediglich 40 Prozent erreicht. "Heute hat sich das Verhältnis fast umgekehrt und liegt laut Umfragen bei über 75 Prozent."

Traditionen schwinden, neue Beerdigungsformen entstehen

Die Trauergemeinden sind derweil geschrumpft. Dafür gibt es Könsgen zufolge mehrere Gründe: "Viele Menschen werden immer älter und damit wird auch der Kreis der Freunde und näheren Angehörigen meist kleiner." Der Wegfall des Sterbegeldes der gesetzlichen Krankenkassen 2004 habe ein Nachdenken über günstigere Alternativen beflügelt. Feuerbestattungen seien meist preiswerter als traditionelle Beisetzungen - und ermöglichten mehr Zeit für Entscheidungen.

Traditionen wie Trauerkaffee und Leichenschmaus schwinden vielerorts. Könsgen erklärt: "Früher kam fast das ganze Dorf zur Beisetzung, heute sind Menschen nicht mehr an einem Ort lange verwurzelt und somit kommen weniger Menschen." Die soziale Kontrolle verringere sich: "Die Teilnahme an der Beerdigung, die Grabpflege und ähnliche Dinge wurden noch vor 20 Jahren von Nachbarn und dem Umfeld stark beobachtet." Heute zählen laut Krematoriumschef Könsgen "eher die individuellen und persönlichen Wünsche wie naturnahe Beerdigungen".

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