Aussicht auf Bacharach am Rhein, Welterbe Oberes Mittelrheintal, (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / imageBROKER | Andreas Vitting)

Tal von Bingen/Rüdesheim bis Koblenz

20 Jahre UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal - Fünf Tops und Flops

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Das Welterbe Oberes Mittelrheintal feiert seinen 20. Geburtstag. Das UNESCO-Label ist ein besonderes Gütesiegel. Vieles läuft gut und sehr gut, aber manches auch nicht. Hier sind die fünf Tops und Flops.

Nur wenigen Orten, Natur- und Baudenkmalen auf der Welt ist die UNESCO-Auszeichnung vorbehalten. Seit 2002 nennt sich der Rheinabschnitt von Kilometer 526 bei Bingen und Rüdesheim bis zum Rheinkilometer 593 in Koblenz "UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal". Das Tal überzeugte vor 20 Jahren die UNESCO-Vollversammlung mit mehr als 40 Burgen, malerischen Weinbergen, dem Mythos der Loreley und der Rheinromantik.

Seitdem hat das Land Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben mehr als 800 Millionen Euro Fördergeld für das Welterbetal bewilligt: für Dorferneuerung, Erhaltung von Denkmälern wie die Burg Pfalzgrafenstein und auch für Stadtentwicklung. Dennoch führte Kritik aus der Landesregierung an der "versifften Loreley" 2015 zur Bewerbung um die Bundesgartenschau 2029.

Die fünf Tops und Flops im Mittelrheintal:

Die Talstation der Seilbahn in direkter Nachbarschaft zur Sankt Kastor Basilika in Koblenz (Foto: SWR)
Top: Die Seilbahn in Koblenz hat inzwischen zehn Millionen Fahrgäste befördert. Ihre Nachbarschaft zur Basilika Sankt Kastor war in der Vergangenheit ein Kritikpunkt des Internationalen Rats für Denkmalpflege, Icomos. Er ist das Beratergremium für die UNESCO. Wie Icomos zur Seilbahn steht, könnte für die künftige Betriebserlaubnis über 2026 hinaus eine große Rolle spielen. Für viele Menschen in der Region sind das Historische und das Moderne aber längst zu einer Einheit verschmolzen. Bild in Detailansicht öffnen
Top: Das Welterbe Oberes Mittelrheintal lässt sich seit vielen Jahren durch wunderbare Wanderwege erleben. Egal ob Kurz- oder Langstrecke: Der Premium-Fernwanderweg "Rheinsteig" mit sogar alpinen Etappen führt rechtsrheinisch entlang. Hier ist das Hotel- und Gastronomieangebot allerdings etwas dünner als linksrheinisch, wo es den "Rhein-Burgen-Weg" und einige Traumpfade/Traumpfädchen als Rundwege zu erkunden gibt, darunter preisgekrönte wie Boppards "Ehrbachklamm". picture alliance / Jochen Tack | Jochen Tack Bild in Detailansicht öffnen
Top: Die Jugendherberge in Kaub beherbergt nach eigenen Angaben jährlich rund 25.000 Gäste. Im kurpfälzischen Amtshaus aus dem 16. Jahrhundert an- und umgebaut, wurde sie 2009 eröffnet. Sie gilt als eine der modernsten Jugendherbergen in Deutschland. 11,5 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Die Landesregierung, der Landkreis und die Stadt Kaub erhoffen sich durch das Haus Impulse für den Tourismus im Welterbetal. Deshalb haben sie auch den Großteil der Baukosten getragen. Herbert Piel Bild in Detailansicht öffnen
Top: Den Rhein ganz nah und auf eine aufregendere Art erleben? Das geht beim Mittelrhein-Rafting in Kaub. Das Unternehmen bietet seit 2012 verschieden schwere Touren durchs Welterbetal an. Guide Svend Bernd ist immer mit an Bord und lenkt die Schlauchboote durch die Rheinfluten und Stromschnellen. Eine erfrischende Art, das Tal zu erleben, was sich laut Rafting-Chef inzwischen schon Tausende getraut haben - auf einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Pressestelle Sven Bernd Bild in Detailansicht öffnen
Top: Mit "Maria Ruh" hat sich gegenüber des Loreley-Felsens eine kleine Schwester der großen Loreley-Freilichtbühne etablliert. Andere Rheinseite, andere Besitzverhältnisse, offenbar kein Streit. "Maria Ruh" wird bei Weitem nicht die Besucherströme aufnehmen können wie ihre große Schwester mit circa 15.000 Besuchern. Aber sie ist eine kleine "Rhein-Perle." Pressestelle Gerd Ripp Bild in Detailansicht öffnen
Flop: Das Bild der menschenleeren Loreley-Freilichtbühne ist symbolträchtig für die verfahrene Situation im Rechtsstreit zwischen dem Pächter der Bühne und der Stadt Sankt Goarshausen. Zurzeit versucht die Stadt, den Pachtvertrag aufzulösen. Ob das gelingt, ist fraglich. Im schlimmsten Fall sind Pächter und Stadt auch zur BUGA 2029 zerstritten. Kaum vorstellbar, dass die Bühne dann als Aushängeschild des Loreley-Plateaus eine Rolle spielen wird - und das, obwohl das Plateau eine Hauptfläche ist. Bild in Detailansicht öffnen
Flop: Es ist eine wirklich lange Bauzeit. Seit fast 20 Jahren werden im Mittelrheintal Radwege gebaut. Bis zur BUGA 2029 sollen sie auf beiden Uferseiten fertig sein. Zu den Lücken zählen noch die Strecken von Rhens (Bild), Brey und Spay (links des Rheins) und von Lorch nach Rüdesheim und von Kestert nach Sankt Goarshausen (rechts des Rheins). Obwohl die Radwege durchs idyllische Welterbetal führen, sind sie beiderseits von Bahn und Bundesstraße gesäumt. Bild in Detailansicht öffnen
Flop: Die Entwicklungsagentur RLP hat 2018 gemeinsam mit der IHK Koblenz festgestellt, dass in den nächsten Jahren im Mittelrheintal rund 3.000 Gäste-Betten fehlen. Betriebsnachfolge und Leerstände sind auch ein Problem. Dann wäre da noch das umstrittene 700-Betten-Hotelprojekt auf dem Loreley-Plateau. Der Investor hat den Bauantrag zurückgezogen. Symbolhaft ist hier das seit Jahren unter morbidem Charme leidende und leer stehende Hotel Königstuhl gewählt, einst ein Aushängeschild in Rhens. Bild in Detailansicht öffnen
Flop: Einst waren sie der Inbegriff des Fortschritts: die Bahntrassen links und rechts des Rheins. Doch der donnernde und durchs Tal schallende Lärm der Güterzüge ist immens. So sehr, dass auch der Internationale Rat für Denkmalpflege, Icomos, 2014 den Bahnlärm anmahnte. Der Bahnlärm ist also nicht nur störend für Anwohner und Touristen, sondern auch fürs Welterbe-Label. Trotz Flüsterbremsen und Schallschutz ist der Lärm laut Bürgerinitiative immens. Sie fordern einen Tunnel als Alternative. Bild in Detailansicht öffnen
Flop: Seit etwa einem halben Jahrhundert gibt es Pläne, um die Distanz von etwa 300 Metern von der rechten zur linken Rheinseite zu überwinden. Inzwischen läuft das Raumordnungsverfahren zu einer sogenannten Rhein-Querung. Geprüft werden drei Brückenvarianten, sowie ein Tunnel und der Ausbau des Fährbetriebs vor Ort. Bislang können sich die Menschen auf beiden Rheinseiten schwer verbinden: Einen Job mit Arbeitszeiten außerhalb der Fährzeiten anzunehmen, ist für die meisten gar nicht denkbar. Bild in Detailansicht öffnen

Welterbe-Zweckverband hält Region zusammen

Den Antrag bei der Deutschen Bundesgartenschau Gesellschaft für eine BUGA im Welterbetal stellt damals der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal. Er gründete sich 2005. Alle im Welterbegebiet liegenden Orts- und Verbandsgemeinden, Städte, Landkreise und die involvierten Länder Rheinland-Pfalz und Hessen sind hier zusammengeschlossen, um die Belange des Tals weiterzuentwickeln.

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Zweckverband: Oberes Mittelrheintal fördern, beraten und organisieren

Dazu steht dem Zweckverband jährlich ein Budget von rund 750.000 Euro zur Verfügung. Dieses Geld kommt aus verschiedenen Töpfen: Unter anderem beteiligen sich die Kommunen mit einer Verbandsumlage daran, außerdem zahlen die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz eine Umlage, je nach Anteil des Welterbetals und den Einwohnern.



Den größten Posten aber zahlt die Mainzer Landesregierung. Mit dem Budget werden unter anderem verschiedene identitätsstiftende Projekte fürs Tal umgesetzt, wie zum Beispiel die Mittelrheinkirsche oder der Welterbe-Wein.

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Regionalparlament fürs Mittelrheintal?

Manche im Tal sagen, dass der Zweckverband nicht genug Beschlusskraft habe und zu wenig politisch gestaltet werden könne. Manche wünschen sich sogar eine Art Regionalparlament. So gibt es Stimmen, die sagen: "Wenn es eine Brücke gäbe, hätten wir schon längst einen gemeinsamen kommunalen Kreis für die Region - einen Mittelrhein-Kreis". Doch dafür müssten bestehende Gebietskörperschaften zweier Bundesländer umstrukturiert werden. Umso größer sind wohl die Erwartungen an die Bundesgartenschau 2029, dass mit ihr viel Neues gestaltet werden kann.

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