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Vor 15 Jahren ist der Rheinsteig eröffnet worden, um den Tourismus in den Regionen entlang des Flusses zu fördern. Das ist offenbar gelungen - Touristiker, Urlauber und Gastronomen ziehen eine positive Bilanz.

Zwischen Bonn, Koblenz und Wiesbaden führt der 320 Kilometer lange Rheinsteig auf anspruchsvollen Steigen bergauf und bergab. Der Premiumwanderweg gilt als abwechslungsreich. Sein Markenzeichen: schmale Pfade, wilde Schluchten, ursprüngliche Natur.

Wandern auf dem Rheinsteig: "Es ist hier einfach toll!"

Wandern kann man in jedem Alter (Foto: SWR)
Familie Brösamle: "Wir waren noch nie am Rhein und sind wirklich begeistert. Die Loreley war das Highlight. Aber auch die Ausblicke auf den Rhein und auf die vielen Schlösser sind wunderschön." Bild in Detailansicht öffnen
"Ich bin mit einem Kollegen den kompletten Rheinsteig über mehrere Jahre gewandert. Das sind 320 Kilometer und ich kann es nur empfehlen." Bild in Detailansicht öffnen
Karin Merkl: "Es ist immer wieder schön, den Rhein zu sehen, und ein Genuss, über den Rheinsteig zu wandern. Die Region ist nicht umsonst Weltkulturerbe." Bild in Detailansicht öffnen
Jürgen Tölke: "Wir sind durch Zufall auf den Rheinsteig gekommen. Wir wollten mit dem Wohnmobil den Rhein entlangfahren, haben aber lange keinen Stellplatz gefunden. Jetzt stehen wir an der Loreley, das war ein glücklicher Zufall. Hier gefällt es uns sehr gut!" Bild in Detailansicht öffnen
Familie Kok vom Hotel Herrmanns Mühle in St. Goarshausen: "Etwa 75 Prozent unserer Besucher sind Wanderer. Die kommen immer ziemlich erschöpft an, aber auch glücklich und zufrieden. Die Wanderer schätzen die Ruhe bei uns, ab 19 Uhr hört man hier nur noch die Vögel und den Bach." Bild in Detailansicht öffnen
Bettina Klein vom Hotel Christian: "Die Leute hier sind begeistert von der Landschaft, von der Vielfalt. Man sieht immer den Fluss, geht durch den Wald und entlang der Burgen - das ist einfach schön." Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf den Rhein vom Loreleyfelsen. Wegen der gefährlichen Strömungen an der Loreley-Passage ranken sich schon seit dem Mittelalter Mythen um den Felsen. Bild in Detailansicht öffnen
Der Rheinsteig ist gut ausgeschildert. Auf den meist schmalen Wegen und Pfaden können sich Wanderer ohnehin nur schwer verlaufen. Bild in Detailansicht öffnen
Die Burg Katz bei St. Goarshausen. Sie ist eine der 40 Burgen, Schlösser und Festungen im oberen Mittelrheintal. Ihre direkten Nachbarn sind die Burg Maus und - auf der gegenüberliegenden Rheinseite - die Burg Rheinfels in St. Goar. Bild in Detailansicht öffnen
Auf den Spuren von William Turner: Der englische Maler ließ sich für seine romantischen Gemälde vom Rhein inspirieren. Heute können Wanderer die 'Turner-Route' auf dem Rheinsteig gehen und wichtige Stationen des Malers nachvollziehen. Bild in Detailansicht öffnen

Touristiker ziehen positive Bilanz

Diese Merkmale kommen bei vielen Wanderern offenbar gut an. Denn die Bilanz nach 15 Jahren Rheinsteig fällt in der Tourismus-Branche im nördlichen Rheinland-Pfalz positiv aus. Die Koblenz-Touristik erklärte auf SWR-Anfrage, der Rheinsteig habe eine enorme Anziehungskraft. "Mit der Eröffnung des Rheinsteigs ist die Präsenz von Wanderern in der Stadt deutlich gestiegen", sagt Verena Trappe der Koblenz-Touristik GmbH.

Außerdem habe sich in den vergangenen Monaten der Trend zu Outdooraktivitäten nochmal verstärkt - auch als Folge der Corona-Pandemie: "Das zeigt sich auch an den Abrufzahlen der Rheinsteig-Website. Während die Seite 2019 zwischen März und August knapp 230.000 mal geklickt wurde, liegt die Zahl in diesem Jahr im selben Zeitraum bei fast 690.000 und entspricht einem Plus von über 200 Prozent," freut sich Trappe.

"75 Prozent unserer Gäste sind Wanderer"

Carolin Gemein von der "Romantischer Rhein Tourismus GmbH" geht davon aus, dass der Rheinsteig den Wanderboom in Rheinland-Pfalz erst ausgelöst hat. "Er war Vorbild für Eifelsteig, Westerwaldsteig, Saar-Hunsrück-Steig usw. Jetzt sind wir eine richtige Wanderregion," sagt Gemein. Die Tourismus-Expertin schätzt, dass jährlich etwa 150.000 Wanderer den Rheinsteig besuchen. Am beliebtesten seien die Etappen zwischen Koblenz und Rüdesheim durch das Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Viele Hotels und Gaststätten sind auf die Urlauber und Tagestouristen vom Rheinsteig angewiesen. Familie Kok vom Hotel Herrmanns Mühle in St. Goarshausen zum Beispiel lebt von und für die Wanderer: "Etwa 75 Prozent unserer Besucher sind Wanderer. Die kommen immer ziemlich erschöpft an, aber auch glücklich und zufrieden. Die Wanderer schätzen die Ruhe bei uns, ab 19 Uhr hört man hier nur noch die Vögel und den Bach."

40 Burgen, Schlösser und Festungen im Oberen Mittelrheintal

Entlang der Strecke treffen Wanderer auch auf mitteleuropäische Kulturgeschichte, Rheinromantik und geschichtsträchtige Landschaften. Allein im Oberen Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz finden sich 40 Burgen, Schlösser und Festungen. Die Abwechselung zwischen Kultur und Natur gefällt zum Beispiel Karin Merkl besonders gut. Sie ist mit ihrem Mann häufiger auf dem Rheinstein unterwegs: "Die Region ist nicht umsonst Weltkulturerbe."

Der Rheinsteig hat durchaus alpinen Charakter, was den Wanderern Trittsicherheit und Kondition abverlangt. Wer beispielsweise von Braubach bis Assmanshausen und zurück läuft - das sind 200 Kilometer - legt dabei 8.800 Höhenmeter zurück. Das entspricht im Vergleich der Höhe des Mount Everest!

Für Aktive und Familien geeignet

Wanderer müssen nicht außergewöhnlich fit sein, um den Rheinsteig bewältigen zu können. Aber der Fernwanderweg ist eindeutig für aktive Menschen gedacht, die viel Abwechslung suchen. Die Etappen sind gut ausgeschildert und engmaschig vernetzt. Für Tagesausflügler sind entlang des Rheinsteigs zehn Rundwanderwege angelegt.

Rückblick auf 10 Jahre Rheinsteig

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