Jubiläum: Einkaufszentrum Forum Mittelrhein in Koblenz wird zehn Jahre alt (Foto: Quelle: Forum Mittelrhein Koblenz)

Einkaufszentrum vor zehn Jahren eröffnet

Weniger Shopping, mehr Erlebnis - Forum Mittelrhein in Koblenz plant neues Konzept

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Zehn Jahre nach der Eröffnung hat das Einkaufszentrum Forum Mittelrhein angekündigt, sich strategisch neu auszurichten. In dem Shopping-Center sollen unter anderem mehr Freizeitangebote entstehen.

Der Einzelhandel und die Gastronomie werden laut Center-Management zwar weiter den Hauptteil der Fläche ausmachen, künftig soll das Einkaufszentrum aber mehr zum Erlebnisort werden - beispielsweise mit Kultur- oder Kunstveranstaltungen. Auch ein breiteres Freizeit-, Familien- oder Sportangebot sei denkbar. Zurzeit werde an einigen Konzepten gearbeitet, konkrete Pläne könnten aber noch nicht vorgestellt werden, sagt Managerin Kim Voges. Allerdings habe die ECE-Gruppe, zu der das Forum Mittelrhein gehört, bereits ähnliche Ideen in anderen Städten umgesetzt - zum Beispiel am Potsdamer Platz in Berlin.

Torte zu 10 Jahre Forum Mittelrhein wird angeschnitten (Foto: SWR)
Zum 10-jährigen Jubiläum gibt es einen Geburtstagskuchen und ein buntes Aktionsprogramm.

Leerstehende Geschäfte im Forum Mittelrhein

Hintergrund der Veränderungen: Das Forum Mittelrhein hat seit Jahren mit leerstehenden Geschäften zu kämpfen. Im Moment sind nach Angaben des Managements etwa zehn der 80 Ladenlokale nicht vermietet. "Es ist bei der jetzigen Wirtschaftslage nicht einfach, neue Mieter für das Einkaufszentrum zu finden", sagt Voges. Dennoch könne das Angebot in den kommenden Wochen mit einem Blumenladen und einem Kindermodengeschäft erweitert werden. Das Forum Mittelrhein richte sein Angebot insgesamt weiter an einer eher jüngeren Zielgruppe aus.

Einzelhandel bekommt Kaufzurückhaltung zu spüren

Nach Angaben der Center-Managerin sei es nach zehn Jahren wichtig, sich der neuen Marktsituation zu stellen und sich strategisch neu aufzustellen. Voges sieht das Problem vor allem auch in einer anhaltenden Kaufzurückhaltung der Kunden.

Nach der Corona-Pandemie habe der Einzelhandel in den Innenstädten bis jetzt kaum Gelegenheit gehabt, sich zu erholen, sagt Voges. Denn die hohen Energiepreise und die allgemeinen Preissteigerungen als Folge des Krieges in der Ukraine führten zu einer Unsicherheit bei den Menschen. Diese Entwicklung wirke sich negativ auf die Kauflaune aus, darunter habe besonders der Einzelhandel zu leiden.

Professor: Spezialisierte Shoppingmalls durchaus zeitgemäß

Andreas Hesse, BWL-Professor an der Hochschule Koblenz, hat in seiner Studie "Gen Y&Z and the City" etwa 250 junge Menschen zu ihren Erwartungen an Innenstädte befragt. Seinen Erkenntnissen nach sind Shoppingsmalls durchaus zeitgemäß, müssen sich aber spezialisieren. Das Forum Mittelrhein in Koblenz sei ein gutes, zusätzliches Angebot neben dem Löhr-Center und den Geschäften in den Einkaufsstraßen, aber es müsse sich mehr vom restlichen Angebot unterscheiden. Eine Möglichkeit könne sein, sich mehr auf ein bestimmte Zielgruppe oder auch bestimmte Themen wie Nachhaltigkeit oder Digitalisierung zu spezialisieren, so Hesse.

Porträt von Professor Andreas Hesse von der Hochschule Koblenz mit Halbglatze, Bart und Brille (Foto: Joanna Sionkowski)
Die Studie "Gen Y&Z and the City" von Professor Andreas Hesse zeigt unter anderem Erwartungen an Innenstädte aus der Perspektive junger Menschen. Joanna Sionkowski

Stadt Koblenz plant "Zukunftskonferenz Innenstadt"

Der Wirtschaftsförderer der Stadt Koblenz, Thomas Hamann, begrüßt das Engagement des Forums Mittelrhein. Die jetzige Situation - mit einigen leerstehenden Geschäften - biete dem Center die Möglichkeit, schneller auf Veränderungen reagieren zu können. Die ECE-Gruppe sei nah dran an ihren Kunden und habe dafür die nötige Expertise.

Insgesamt stehe der Einzelhandel in der Koblenzer Innenstadt noch gut da, sagt Hamann. Vor allem im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe würden die Menschen in Koblenz überdurchschnittlich viel Geld ausgeben. Das belegen nach Angaben der Stadt auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2020.

Dennoch werde sich die Funktion der Innenstädte in naher Zukunft verändern, sagt Wirtschaftsförderer Hamann. Der Fashion-Bereich verliere immer mehr an Bedeutung. Aus Sicht der Stadt sei es deshalb jetzt wichtig, die richtigen Weichen zu stellen. Dafür sei in Koblenz eine "Zukunftskonferenz Innenstadt" geplant.

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