Ein Spezialfahrzeug reinigt das Flugfeld in Wunstorf vor einem Transportflugzeug des Typs Airbus A400M. Von hier aus waren mehrere Transportmaschinen der Luftwaffe Richtung Afghanistan gestartet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Lino Mirgeler)

Lage in Afghanistan

Politiker aus Rheinland-Pfalz: Ortskräfte und Unterstützer rausholen

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Die Taliban haben in Afghanistan die Macht übernommen, erste deutsche Staatsbürger wurden ausgeflogen. Kritik am deutschen Vorgehen kommt unter anderem von Julia Klöckner.

Die rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende und Bundeslandwirtschaftsministerin richtet ihre Kritik an Außenminister Heiko Maas (SPD). Der Außenminister habe die Lage in Afghanistan auch falsch eingeschätzt, so Klöckner am Rande von Beratungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. Deshalb müsse nun sehr schnell gehandelt werden.

"Es wird auf die nächsten Stunden ankommen"

Und sie ergänzte, es werde jetzt darauf ankommen, "unsere Leute rauszuholen" und auch jene, die Deutschland vor Ort unterstützt hätten.

Maas räumte Fehler ein

Maas sagte: "Es gibt auch nichts zu beschönigen: Wir alle - die Bundesregierung, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft - wir haben die Lage falsch eingeschätzt". Die Bilder von verzweifelten Menschen am Flughafen der Hauptstadt Kabul bezeichnete er als außerordentlich schmerzhaft. Deutschland werde nichts unversucht lassen, so viele Menschen wie möglich aus der katastrophalen Lage zu retten.

Klöckner: "Dringend europäisch abstimmen"

Klöckner sagte weiter, sie sei auch enttäuscht über das Vorgehen etwa der USA oder Kanadas in Afghanistan. Auch deswegen müsse man sich dringend europäisch abstimmen.

Die militant-islamistischen Taliban haben im Eiltempo die Kontrolle in Afghanistan erlangt, nachdem die internationalen Truppen abgezogen waren. Klöckner warnt deshalb, Flüchtlingsbewegungen wie im Jahr 2015 dürften sich nicht wiederholen. Deshalb sei die Absprache in der Staatengemeinschaft so wichtig.

Taliban "bomben Afghanistan ins Mittelalter zurück"

Alle wüssten, was es vor allem für afghanische Frauen und Mädchen bedeute, dass die Taliban das Land "ins Mittelalter zurückbombten" - ohne großen Widerstand der dortigen Regierungstruppen. "Das heißt Vergewaltigung, das heißt Erniedrigung, das heißt am Ende: Keine Schule, kein Studienabschluss gerade für Frauen und Mädchen", sagte Klöckner.

Wissing: Menschen nicht Hilfe verweigern

FDP-Landeschef Volker Wissing äußerte sich auf Twitter. Wissing schrieb: "2015 im Sinne eines weitgehenden Organisationsversagens einer Bundesregierung darf sich nicht wiederholen. 2015 darf nicht zu einem Argument werden, Menschen die Hilfe zu verweigern, die um ihr Leben fürchten müssen."

Baldauf: "Darf uns nicht kalt lassen"

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag, Christian Baldauf, zeigte sich erschüttert von der rasanten Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan. Der Truppenabzug der westlichen Staatengemeinschaft sei erst wenige Wochen her. "Ich bin schockiert von den Nachrichten, die uns aus Afghanistan in den letzten Stunden erreichen. Was am Hindukusch gerade passiert, darf uns nicht kalt lassen!“ Oberstes Ziel müsse es sein, alle gefährdeten Unterstützer und Ortskräfte zügig und geordnet aus dem Land herauszuholen.

Rößner: "Viel Zeit wurde vertan"

Die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Bündnis 90/Die Grünen) schrieb auf Twitter, sie sei in den letzten Jahren mehrmals in Afghanistan gewesen und habe mit vielen Menschen gesprochen, die ihr Land aufbauen wollten. "Die Nachrichten aus Kabul sind erschütternd. Wir fordern schon lange die Evakuierung der Ortskräfte. Viel Zeit wurde vertan. Es macht einfach nur wütend."

Frisch: Ortskräfte nicht im Stich lassen

Michael Frisch, der Vorsitzende der AfD Rheinland-Pfalz, schrieb auf Twitter: "Wir dürfen die Ortskräfte in Afghanistan, die unsere Soldaten über viele Jahre hinweg unterstützt haben, jetzt nicht einfach im Stich lassen. Wenn keine andere Option besteht, müssen wir sie nach Deutschland holen. Das sollte für alle Staaten gelten, die dort engagiert waren."

Binz: Brauchen definitiven Abschiebestopp

Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Katharina Binz (Grüne) hat einen definitiven Stopp von Abschiebungen nach Afghanistan gefordert. Die Entscheidung der Bundesregierung, Abschiebungen nach Afghanistan vorläufig auszusetzen, reiche nicht aus, sagte Binz am Montag in Mainz.

Ein "richtiger Abschiebestopp" wäre "ein ganz wichtiges Signal an die in Deutschland lebenden Afghaninnen und Afghanen". Ihnen müsse der Weg zu einem Bleiberecht geebnet werden. Es sei klar, dass in absehbarer Zeit keine Rückkehr in das Land möglich sei. Allein in Rheinland-Pfalz gebe es mehr als 7.300 afghanische Staatsbürger, von denen 3.848 nur über eine sogenannte Duldung verfügten.

Ex-Soldat schockiert: "Man fühlt sich verarscht"

Und wie denken Bundeswehrsoldaten, die dort ihr Leben riskiert haben, über die aktuellen Ereignisse in Afghanistan? Ein Ehemaliger aus der Pfalz erzählt:

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