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Neben den Schulen sollen auch die Kitas in den nächsten Corona-Monaten geöffnet bleiben - mit Folgen für die pädagogische Arbeit.

Vor allem Eltern hatten hoffnungsvoll auf den 1. August geblickt. In den Kitas begann nach dem Corona-Frühjahr wieder der uneingeschränkte Regelbetrieb. Die vorigen Betreuungskonzepte durften wieder umgesetzt werden, mit Hilfe von Hygienekonzepten. Nun gilt wieder ein Teil-Lockdown. Die Kitas bleiben zwar geöffnet, doch die pädagogischen Konzepte stehen auf dem Prüfstand. Denn in einem Rundschreiben empfiehlt das Land den Einrichtungen dringend, auf geschlossene Gruppen zu setzen und auf offene Konzepte zu verzichten. Das ist das Ergebnis einer Telefonkonferenz der Kita-Spitzen, bestehend aus Vertretern von Verbänden und Organisationen.

"Pädagogik nicht über Gesundheitsschutz"

Beim neugegründeten Verband KiTa-Fachkräfte Rheinland-Pfalz, der nicht zu den Kita-Spitzen gehört, sieht man die Empfehlung mit gemischten Gefühlen. "Aus virologischer Sicht sind geschlossene Gruppen sinnvoll", sagt die Vorsitzende Claudia Theobald. Sie ist selbst Erzieherin in einer katholischen Einrichtung im Bistum Speyer. "Ich kann Pädagogik nicht über den Gesundheitsschutz stellen", sagt Theobald. Bei offenen Gruppen müssten im Infektionsfall alle in Quarantäne. "Auch Erzieher, weil die ja auch switchen." Das Problem gebe es bei geschlossenen Gruppen so nicht. Auch im Rundschreiben des Landes heißt es: "Zur Eingrenzung des Infektionsgeschehens und zur Erleichterung der Nachverfolgung von Infektionen müssen größere Durchmischungen vermieden werden."

"Wünschen uns nichts mehr als Regelbetrieb"

Doch in Theobalds Brust schlagen zwei Herzen. "Denn als Pädagogen wünschen wir uns nichts mehr als den normalen Regelbetrieb." In vielen Kitas fänden pädagogische Angebote in verschiedenen Räumen statt: Bauzimmer und Kreativzimmer zum Beispiel. Für solche Häuser sei es ganz schwierig, von diesem offenen Betrieb wegzugehen und nur in einer Gruppe zu bleiben. Auch dürften Kinder sich bei geschlossenen Gruppen nicht im Außengelände treffen. In großen Kitas bleibe dann nicht viel Zeit zum Rausgehen für jede Gruppe übrig. "Das ist sehr einschränkend für die pädagogische Arbeit", sagt Theobald.

"Die wütenden Eltern wenden sich an uns"

Zudem sehen Erzieherinnen einen Widerspruch zwischen dem Wunsch nach festen Gruppen und regulären Öffnungszeiten. "Beides geht nicht!", heißt es in einem Brief des Verbandes KiTa-Fachkräfte an Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Die derzeitigen Personalschlüssel würden feste Gruppen mit festem Personal und den gängigen Öffnungszeiten nicht zulassen. Die Erzieherinnen benötigten ihre Pausen, Zeit für Planung und Absprache und es gebe eine Aufsichtspflicht. Auch werde in den nächsten Wochen wieder Personal wegen Krankheit und Urlaub ausfallen. Theobald: "Wenn Frau Dreyer sagt: Die Kitas bleiben geöffnet, dann verstehen die Eltern darunter Regelbetrieb." Würden dann aber wegen fester Gruppen Öffnungszeiten und pädagogische Betreuung eingeschränkt, "dann wenden sich die wütenden Eltern wieder an uns."

Verdi-Vertreter: Notfalls Öffnungszeiten reduzieren

Volker Euskirchen hat als Verdi-Fachbereichsleiter an der Konferenz der Kita-Spitzen teilgenommen. Er ist mit dem Ergebnis zufrieden, weil in dem aktuellen Rundschreiben geschlossene Gruppen klarer bevorzugt werden als noch im Sommer. "Wenn es nicht genug Personal gibt, dann sollten die Träger die Öffnungszeiten auf das gesetzliche Maß von sieben Stunden reduzieren", erklärt er. In vielen Einrichtungen würden neun bis zehn Stunden angeboten.

Zwar hat das Land zugesagt, für Vertretungspersonal seinen Kostenanteil wie bisher zu übernehmen. "Ich sehe aber eher das Problem darin, dieses Personal überhaupt zu finden", sagt Euskirchen.

Erneute Konferenz am 20. November

Wie stark der neue Teil-Lockdown die Arbeit in den Kitas trifft, wird womöglich am 20. November deutlicher. Dann wollen die Kita-Spitzen wieder zusammenkommen, und dann dürfte auch die Diskussion um geschlossene oder offene Gruppen wieder auf der Tagesordnung stehen.

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