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Nach langer Corona-Pause heißt es in den Kinos und Theatern in Rheinland-Pfalz jetzt wieder "Film ab" und "Vorhang auf". Doch die Maskenpflicht sorgt bei den Betreibern für Unverständnis.

Wer die Hygieneauflagen erfüllt, darf öffnen. 1,5 Meter Abstand zwischen den Besuchern verschiedener Haushalte muss in den Sälen eingehalten werden. Dort gilt: Entweder alle zwanzig Minuten eine Viertelstunde lang lüften - was wohl in der Regel schwer umzusetzen sein dürfte - oder es muss eine dauernde mechanische Belüftung sichergestellt sein.

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Essen und Trinken am Sitzplatz sind verboten. Gerade für viele Kinobesucher dürfte das ärgerlich sein, bedeutet es doch: Kein Popcorn während des Films. Außerdem muss, sowohl im Kino als auch im Theater, während der Vorführung eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

"Kinobetrieb mit Maskenpflicht schwer möglich"

Die Kinobetreiber fühlen sich wie im falschen Film. Sie halten die Vorschrift für nicht angemessen: "Die Regelungen zur Maskenpflicht im Kinosaal in Rheinland-Pfalz machen einen Kinobetrieb nur schwer möglich", so Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Hauptverbands Deutscher Filmtheater (HDF), der Interessenvertretung der Kinos in Deutschland.

In anderen Bereichen wie der Gastronomie herrsche keine Maskenpflicht. "Dabei ist im Vergleich auch zu bedenken, dass im Kino relativ wenig miteinander interagiert und weder laut gesprochen oder gesungen wird." Die Kinobetreiber wollen die Maskenpflicht nicht einfach so hinnehmen. Man sei hierzu mit den zuständigen Behörden in Rheinland-Pfalz bereits im Gespräch, heißt es.

Landesregierung bleibt hart

Doch die Landesregierung verteidigt auf SWR-Anfrage die Vorschrift. Schriftlich teilt die Staatskanzlei mit: „Für das Infektionsrisiko macht es einen großen Unterschied, ob eine Unternehmung drinnen oder draußen stattfindet." Draußen sei die Gefahr, sich anzustecken, sehr viel geringer als in geschlossenen Räumen.

Markus Müller, Intendant des Staatstheaters Mainz, sitzt auf einem Sofa im Saal des kleinen Hauses. (Foto: SWR)
Markus Müller, Intendant des Staatstheaters Mainz, sitzt auf einem Sofa im Saal des kleinen Hauses.

Skepsis herrscht auch im Mainzer Staatstheater. Auch dort hält man es nicht für notwendig, dass am Platz im Zuschauerraum eine Maskenpflicht herrscht: "Der Raum wird permanent mit Frischluft durchlüftet, die nach oben abzieht. Die Besucher, die keiner Kontaktbeschränkung unterliegen, sitzen zusammen und sind im gebotenen Abstand von den anderen Zuschauern, von der Bühne und vom Theaterpersonal", teilte eine Sprecherin mit. Die Hygienevorschriften würden damit eingehalten.

Eine Mund-Nasen-Bedeckung sei sicher für manche Menschen ausgesprochen unangenehm, wenn sie über einen längeren Zeitraum getragen werden muss. Außerdem werde durch die Maske der "Genuss der Vorstellung beeinträchtigt". Im Staatstheater gibt es seit Samstag wieder Vorführungen. Die Nachfrage nach den Karten für den Sonderspielplan sei sehr groß - trotz Maskenpflicht.

Das Mainzer Unterhaus (Foto: SWR)
Die Belüftung im Mainzer Unterhaus ist schwierig.

Bis alle Kinos, Theater und sonstigen Kultureinrichtungen in Rheinland-Pfalz wieder geöffnet haben, wird es jedoch noch eine Weile dauern. Ein Grund dafür ist in vielen Fällen, dass es gar nicht so einfach ist, die Hygienevorschriften umzusetzen. Zum Beispiel im Mainzer Unterhaus mit seinem röhrenartigen Zuschauerraum, in dem die Menschen normalerweise dicht gedrängt sitzen. Nach den derzeitigen Plänen wird die Kleinkunstbühne erst nach der Sommerpause, im September, den Spielbetrieb wieder aufnehmen.

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