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Das Landesjugendamt hat es abgelehnt, Kindertagespflege-Einrichtungen im Land wegen der Sorge vor Corona zu schließen: Das Bundesland könne auf die Tagespflegestellen für Kleinkinder im Moment nicht verzichten.

Der Präsident der Behörde, Detlef Placzek, sagte dem Politikmagazin "Zur Sache Rheinland-Pfalz", bei einer Schließung der Einrichtungen wären 5.000 Kinder betroffen, für die es keine geeignete Betreuungsalternative gebe. Zudem seien die Gruppen in Kindertagespflege-Einrichtungen in Rheinland-Pfalz mit fünf Kinder sehr klein - anders als in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Jede Kindertagespflege-Einrichtung könne aber selbst entscheiden, ob sie weiter geöffnet haben wolle.

"Social Distancing" für Tagespflegepersonen nicht praktikabel

Die Landesregierung hatte Anfang der Woche Kitas und Schulen geschlossen - die Kindertagespflege war ausdrücklich ausgenommen worden. Die Interessengemeinschaft der Kindertagespflege Rheinland-Pfalz kritisiert das. "Die Tagespflegepersonen in Rheinland-Pfalz sind durch die Corona-Krise extrem existenzgefährdet. Der so wichtige Baustein in der frühkindlichen Förderung und Betreuung wird in Zukunft erheblich schrumpfen, da die Tagespflegepersonen in der jetzigen Situation von den Ministerien in Rheinland-Pfalz völlig vergessen werden", erklärt Petra Spengler, Mitglied der Interessengemeinschaft, dem SWR.

Außerdem seien Betreuerinnen und Betreuer ohnehin einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, da sie keinen Abstand zu ihren Tageskindern halten könnten und zudem beständig in Kontakt mit deren Angehörigen kämen: "Bei fünf zu betreuenden Kindern plus einer bringenden und einer abholenden Person - eventuell noch mit Geschwisterkindern - kommen da täglich schnell 15 oder mehr Personen zusammen." Leider seien die Regelungen in Bezug auf die Förderung von Tagespflegepersonen im Fall einer Schließung von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich.

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In Mainz-Bingen sei es den Tagesmüttern beispielsweise freigestellt worden, Tagespflegestellen geöffnet zu lassen oder zu schließen. In einem Schreiben heißt es, "Personen, die zur Risikogruppe gehören, empfehlen wir zur eigenen Sicherheit, die Betreuung zu reduzieren bzw, einzustellen. Aber auch hier: dies entscheiden Sie selbst!" Entscheide sich eine Tagespflegeperson aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, ihre Betreuung auszusetzen, falle das Fördergeld komplett weg.

Kommunen sollen Verdienstausfälle übernehmen

Die Entscheidung, mögliche Verdienstausfälle zu übernehmen liegt bei den Kommunen. Zur Zeit gilt: Am Ende muss sich jeder Betreuer selbst und auf eigenes finanzielles und gesundheitliches Risiko dazu entschließen, seine Tätigkeit weiterzuführen - oder aufzugeben. Detlef Placzek vom Landesjugendamt erklärt, er halte es für richtig, dass die Kommunen selbständige Tagesmütter und -väter in Zukunft auch bezahlen würden, wenn ein Kind nicht in die Pflegestelle gegeben werde.

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Kindertagespflege Rheinland-Pfalz fürchten, dass der schon bestehende Betreuungsnotstand sich nach der Krise drastisch erhöhen werde: Viele Tagespflegepersonen könnten etwa insolvent werden. Sie erhoffen sich deshalb, dass die Landesregierung ihre Haltung in Bezug auf ihre Situation überdenkt - und die Kindertagespflege bei den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus anderen Einrichtungen gleichstellt.

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