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Die Familie hockt seit Monaten aufeinander, Schulfreunde und Nachbarskinder sind nur via Phone oder Internet zu erreichen. Corona belastet Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz in vielen Bereichen - es gibt aber Hilfsangebote.

Die häusliche Isolation während der Corona-Pandemie ist eine riesige Herausforderung für Familien, Kinder und Jugendliche. Wenn der Streit der Eltern übers Geld oder die Angst vorm Jobverlust Dauerthema wird und Mädchen und Jungs den Frust am Ende sogar tätlich abkriegen, fühlen sich viele allein gelassen.

Kinder, die sich nach Schule und Kita sehnen, leiden. Auch für die Jugend sind es schwierige Zeiten. Homeschooling ohne Ende, keine Partys, keine Freunde und Freundinnen treffen. In der Krise kommen sie oft zu kurz, vor allem für Kinder aus sozial schwächeren Familien ist es gerade schwer. Die psychische Gesundheit hat sich bei vielen während der Corona-Pandemie verschlechtert.

Corona verschlechtert psychische Gesundheit von Kindern

Zu dem nicht überraschenden Ergebnis kommt auch die Copsy-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Danach war für mehr als die Hälfte der 16- bis 25-Jährigen der erste Lockdown im Frühjahr deutlich oder schwer psychisch belastend. Befragt wurden dazu 1.040 Jungen und Mädchen im Alter von 11 bis 17 Jahren sowie 1.586 Eltern. Laut Studie leiden Jugendliche seit Beginn der Pandemie deutlich öfter unter psychosomatischen Beschwerden wie Gereiztheit, Nervosität, Bauch- und Kopfschmerzen und Einschlafproblemen.

"Nummer gegen Kummer"

Es gibt Hilfe. Bei der "Nummer gegen Kummer" werden die Kinder und Jugendlichen mit ihren Problemen ernst genommen. Der Kinderschutzbund Rheinland-Pfalz verweist auf seiner Internetseite auf dieses Kinder- und Jugend-Sorgen-Telefon. Hier können Betroffene anrufen, mailen oder chatten, wenn sie nicht mehr weiter wissen oder jemanden brauchen, mit dem sie über ihre Sorgen reden können. Außerdem gibt es nützliche Tipps gegen Einsamkeit in Zeiten von Corona.

Laut Kinderschutzbund nutzen Kinder und Jugendliche die Beratungsangebote bundesweit intensiv, um mit der für sie ungewohnten Situation umzugehen: Sie hätten stärker über psychische Probleme, Einsamkeit und Konflikte innerhalb der Familie und auch über Gewalterfahrungen gesprochen. Das spiegele die veränderten Bedingungen unter Corona deutlich wider.

Auch über 18-Jährige wählen Kummer-Nummer

Die meisten Anrufe am Kinder- und Jugendtelefon stammen bundesweit laut Kinderschutzbund von 9- bis 20 -jährigen Mädchen und Jungen. Dabei liege der Schwerpunkt auf der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen. In der Online-Beratung kämen die meisten Anfragen von 11- bis 18-jährigen Mädchen und Jungen. Obwohl sich das Angebot der "Nummer gegen Kummer" an Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren richte, suchten auch junge Erwachsene über 18 das Beratungsangebot häufiger auf.

Die ehrenamtlichen Telefonberater nehmen sich so viel Zeit, wie der oder die Anrufende braucht. Wenn nötig, verweisen sie an Beratungsstellen und Hilfen am Wohnort oder in der Nähe und entwickeln gemeinsam mit dem anrufenden Kind oder Jugendlichen eine Lösungsmöglichkeit.

"Jugendliche beraten Jugendliche"

In Neuwied unterhält der Kinderschutzbund die größte Beratungsstelle in Rheinland-Pfalz. Das Samstags-Angebot "Jugendliche beraten Jugendliche" wird hier gut angenommen. 500 junge Menschen riefen 2019 an, 2020 waren es coronabedingt bis Oktober 840 Anrufende, die sich von Jugendlichen beraten ließen. Diese werden von Sozialpädagogen ausgebildet und hospitieren zunächst bei erwachsenen Kollegen und Kolleginnen, bevor sie sich allein an den Apparat trauen. Die Ausbildung ist offen für Jugendliche ab 16 Jahren.

Online-Beratung legte bundesweit um 31 Prozent zu

Bundesweit nahmen im vergangenen Jahr laut Kinderschutzbund mehr als 461.000 Kinder und Jugendliche die Telefon- und Onlineberatung der "Nummer gegen Kummer" in Anspruch. Das unterstreiche den aktuellen Bedarf nach den anonymen Hilfsangeboten. Das Anrufaufkommen am Kinder- und Jugendtelefon (KJT) sowie die Anzahl der Beratungen lagen 2020 ungefähr auf dem hohen Vorjahresniveau. Deutlich zugenommen habe die Online-Beratung für Kinder und Jugendliche. Hier seien von Januar bis Ende Dezember 2020 insgesamt 13.698 Beratungen geführt, 31 Prozent mehr als im Vorjahr (10.428 Beratungen).

Hier gibt es weitere Hilfe für Kinder und Jugendliche:

Der von der Bundesregierung geförderte Verein seitenstark e.V. hat eine Corona-Homepage speziell für Kinder erstellt. Außerdem gibt die Deutsche Gesellschaft für Psychologie in einem Video Tipps, wie Kinder und Jugendliche mit der Situation in der Corona-Pandemie zurechtkommen können. Tipps gegen Lagerkoller und was man Sinnvolles im Corona-Lockdown machen kann, gibt's auch auf der Seite von Unicef.

In Rheinland-Pfalz bietet die Stadt Mainz zum Beispiel digitale Angebote der Jugendzentren in Zeiten der Corona-Krise. Ähnliches gibt es in Sinzig. Hier lautet das Motto: "Jugend hilft - Gemeinsam gegen Covid-19".

Bundesweites Elterntelefon

Manchmal sind auch die Eltern und Erziehende bei Problemen ihrer Kinder überfordert. Deshalb bietet der Kinderschutzbund auch ein Elterntelefon an. Aber auch andere Verwandte und Bezugspersonen können sich an die Nummer wenden.

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