STAND

Die medizinische Versorgung krebskranker Kinder steht auf wackeligen Füßen. Die Kinderonkologie in Trier ist derzeit geschlossen. Auch bei den übrigen Einrichtungen in Rheinland-Pfalz herrscht Unterfinanzierung.

Um dem zu begegnen, springen in Koblenz und Mainz Eltern-Fördervereine in die Bresche und finanzieren das, was durch Krankenkassen nicht abgedeckt ist. Mit den gesammelten Spenden werden beispielsweise in Mainz zwei Pflegerinnen, eine Erzieherin, eine Kunsttherapeutin und eine Musikpädagogin bezahlt.

Für Eltern wie Regina Kienatz eine unschätzbare Hilfe. "Ohne den Förderverein wären wir in vielen Situationen sehr hilflos", sagt Kienatz. Ihr Sohn Johannes leidet an Krebs. Die Kunsttherapie hilft ihm dabei, die auch emotional anstrengende Chemobehandlung zu bewältigen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Mutter: "Es passiert etwas Gutes mit dem Kind"

"Für ihn ist es eine gute Möglichkeit, in Kontakt zu kommen, ohne - wie bei einem Psychologen - ständig etwas gefragt zu werden. Bei der Kunsttherapie gehen so manchmal Stunden schweigend vorbei - trotzdem passiert etwas Gutes mit dem Kind", berichtet Regina Kienatz.

Und auch Geschwisterkinder sollen profitieren. Sie leiden oft im Verborgenen. "Die Therapie schafft einen Rahmen, wo auch sie mal im Mittelpunkt stehen können. Hier dreht sich ausnahmsweise mal nicht alles nur um das kranke Kind", so Kienatz.

Über die Kunst- und Musiktherapie hinaus bieten Fördervereine auch einfach nur Gespräche an, geben Hilfestellungen bei Formularen oder liefern wichtige Kontakte.

Förderverein: Fehlende Pflegestellen nicht nachvollziehbar

"Für uns ist es sogar ein Stück weit nachvollziehbar, dass die psychosozialen Bereiche für Kliniken und Gesetzgeber nicht von so hoher Bedeutung sind wie für uns als Elternverein", berichtet Kai Leimig, Vorsitzender des Mainzer Fördervereins für Tumor- und Leukämiekranke Kinder.

"Was ich schwieriger nachzuvollziehen finde, ist, dass hier auch Pflegestellen fehlen", so Leimig. "Wir finanzieren seit 2003 zwei zusätzliche Pflegestellen auf der Kinderkrebsstation und bekommen trotzdem noch regelmäßig Hilferufe, dass die Personaldecke zu dünn ist und eine gute Versorgung der Patienten nicht möglich ist."

Ersatzkassen: Fallpauschalen werden aktualisiert

Widerspruch kommt vom Verband der Ersatzkassen in Rheinland-Pfalz: Die kinderonkologische Behandlung sei ein wichtiger und sehr sensibler Bereich, und es sei genau gesetzlich und vertraglich geregelt, was die Krankenkassen hier leisten können und dürfen.

Krankenhäuser hätten die Möglichkeit, die Fallpauschalen für stationäre Behandlungen überprüfen zu lassen, sagt Martin Schneider, Leiter der Landesvertretung Rheinland-Pfalz: "Der Katalog wird jährlich aktualisiert und weiterentwickelt und es fließen auch neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden mit ein." Hinsichtlich der ambulanten Behandlung seien Einzelfallentscheidungen zur Übernahme von Therapiekosten durchaus möglich.

Bundesweiter Mangel an Fachpersonal

Ungeachtet von Finanzierungsfragen mangelt es auf dem Gebiet der Kinderonkologie aber offenbar generell an qualifiziertem Personal - wie das Beispiel des Trierer Mutterhaus-Klinikums zeigt, das seit über einem Jahr keine krebskranken Kinder mehr aufnehmen kann.

Dass rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium verweist auf SWR-Anfrage auf die gesetzliche Vorgabe, dass mindestens drei in Hämato-Onkologie spezialisierte Ärzte erforderlich sind. Das sei in Trier nach wie vor nicht gegeben. Bundesweit herrsche ein Mangel an Ärzten mit diesem Fachgebiet. Die wenigen vorhandenen seien somit sehr gefragt, Krankenhäuser stünden bei der Suche nach geeignetem Personal in starker Konkurrenz.

Man arbeite allerdings gemeinsam mit dem Krankenhausträger und den Kassen an einer Lösung, heißt es weiter. Bleibt für die betroffenen Kinder und Eltern nur zu hoffen, dass sich die auch schnell finden lässt.

Dauer
STAND
AUTOR/IN