Kartoffelbauern in Rheinland-Pfalz leiden unter hohen Kosten und niedrigen Preisen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Carmen Jaspersen)

Hohe Ausgaben, sinkende Preise

Kartoffelbauern in RLP stecken in der Klemme

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Hohe Kosten, niedrige Preise - diese Kombination setzt den Kartoffelbauern in Rheinland-Pfalz zu. Und dabei konkurrieren sie oftmals noch mit Billig-Herstellern aus dem Ausland.

"Da sind teilweise die Nerven am Ende", sagt Andrea Adams, Geschäftsführerin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd. Das liegt aber nicht an sinkender Nachfrage: Während die Kartoffeln in der Pfalz oder Rheinhessen erntereif wurden, hätten Einzelhändler oftmals deutlich günstigere Kartoffeln aus dem Ausland angeboten - "teils zu Dumpingpreisen", berichtet sie. Außerdem seien für die Bauern die Kosten gestiegen, die Einnahmen aber gesunken, heißt es bei der Erzeugergemeinschaft "Pfälzer Grumbeere".

Pfalz und Rheinhessen größte Kartoffel-Anbaugebiete

Die Pfalz und Rheinhessen sind den Angaben zufolge die größten zusammenhängenden Anbaugebiete für Frühkartoffeln in Deutschland. Mit rund 4.000 Hektar ist die Anbaufläche 2022 etwa genauso groß wie im Jahr davor. Die Erntemenge von 2.000 Tonnen an Spitzentagen liege dagegen deutlich unter dem Standard einer normalen Saison, in denen über Wochen täglich bis zu 3.000 Tonnen Frühkartoffeln geerntet würden.

Die Kartoffelbauern in Rheinland-Pfalz seien in Vorleistung gegangen, so die Erzeugergemeinschaft. "In Erwartung fairer Preise und einer verlässlichen Ernteabnahme haben die Erzeuger von 'Pfälzer Grumbeere' inflationsbedingte Kostensteigerungen von rund 30 Prozent vorfinanziert", sagt der Vorsitzende Hartmut Magin. Und während die Verbraucher 2022 etwa genauso viel für Kartoffeln zahlen müssen wie im Vorjahr, bekommen die Bauern weniger. Für 100 Kilo Kartoffeln bekomme der Bauer in diesem Jahr fünf Euro weniger als im Jahr 2021.

Die Herstellungskosten hätten einen "Riesensprung" nach oben gemacht, sagt auch Johannes Zehfuß von der Erzeugergemeinschaft. Die Düngemittelkosten hätten sich verfünffacht. Man könne das im Verkaufspreis aber nicht abbilden und das sei langfristig gesehen ruinös, so der CDU-Landtagsabgeordnete.

Ausländische Kartoffeln zu Dumpingpreisen

Höhere Kosten, geringere Einnahmen, weniger Ernte - dazu komme aber noch ein weiteres Problem. Parallel zur Frühkartoffelernte seien große Mengen ausländischer Kartoffeln auf den Markt gekommen, wodurch für Kartoffelbauern in Rheinland-Pfalz ein Preisdruck entstanden sei. Anders als in den Vorjahren hätten nicht alle Anbieter im Lebensmitteleinzelhandel von ausländischer Ware auf die traditionell ersten Frühkartoffeln aus deutschem Anbau umgestellt.

Der Handelsverband Rheinland-Pfalz rechtfertigt sich. "Wir haben gesehen, dass viele Kunden auf günstige Produkte gesetzt haben", erklärt Verbandssprecher Thomas Scherer. Dies hänge auch mit gestiegenen Energiepreisen, Inflation und dem Krieg in der Ukraine zusammen.

Kartoffelbauern in Rheinland-Pfalz appellieren an Einzelhändler

In einem Brief appelliert die Erzeugergemeinschaft an Marktpartner und warnt vor einer "Abhängigkeit vom Ausland", falls Anbauer in Deutschland ihre Produktion einstellen müssten. Dabei sei auch die Frage nach Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz zu stellen, "wenn Kartoffeln aus Asien und Afrika Tausende Kilometer zu uns transportiert werden, während die Erzeuger vor Ort auf ihrer Ernte sitzen bleiben".

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