Lebensmittel werden immer teurer

Selbstversorgung mit Obst und Gemüse: Wie es geht und was es kostet

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Lebensmittel im Geschäft werden immer teurer. In Rheinland-Pfalz gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich selbst mit Obst und Gemüse zu versorgen. Wäre das eine Alternative?

Als Hofgemeinschaft zusammenleben

Der Weiselhof steht an einer Landstraße nach Ingelheim in Rheinhessen. Auf dem ein Hektar großen Hof leben 17 Erwachsene und Kinder zusammen - mit dem Ziel, sich soweit es geht autark zu versorgen. Zu dem Hof gehören Hühner, Zwergschafe, die die Wiese kurz halten, und mehrere Bienenvölker. Alles Obst und Gemüse, das sie brauchen, wird selbst angebaut und auch für die Wintermonate eingekocht.

"Ursprünglich hatten wir gedacht, wir machen gemeinschaftlich Selbstversorgung. Das hat aber im zweiten Jahr, ohne freiwillige Helfer, nicht mehr so gut geklappt", erzählt Silke Steinbronn, die den Hof mit ihrem Mann gekauft und renoviert hat. Mittlerweile haben sich kleine Gruppen gebildet, die ihre einzelnen Gartenstücke bewirtschaften und das Gemüse untereinander tauschen.

"Sich selbst zu versorgen, sollte man sich nicht zu romantisch vorstellen", betont Steinbronn. "Es ist vor allem Arbeit und Verzicht. Morgens und abends müssen die Tiere versorgt werden. Die Beete müssen manchmal sogar mehrmals am Tag gegossen werden. Und im Sommer in Urlaub fahren, mitten in der Erntezeit - geht nicht."

Gemeinsam Landwirtschaft betreiben

Noch vor 200 Jahren war es ganz normal, dass Menschen die meiste Zeit ihres Lebens für die Herstellung ihrer Nahrungsmittel verwendeten. Heute machen das große landwirtschaftliche Betriebe und Lebensmittelkonzerne für uns. Aber immer mehr Menschen wollen sich aus ökologischen Gründen davon ein Stück unabhängig machen. Seit einigen Jahren schon boomt das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, in dem sich in ganz Deutschland viele kleine, lokale Gruppen zusammengeschlossen haben.

Die Solidarische Landwirtschaft Trier (SoLaWi) bebaut etwa 2.000 Quadratmeter Ackerflächen in Trier-Zewen. 65 Mitglieder holen sich in der Erntezeit wöchentlich Blattgemüse wie Mangold und Postelein oder Pflücksalat, Kartoffeln und Zwiebeln ab. Pro Ernteanteil zahlen die Mitglieder im Monat mindestens 95 Euro.

"Wer es sich leisten kann, zahlt mehr", sagte Mitbegründer Matthias Kronenberg, "andere dafür weniger". Es sei schwierig, Leute mit wenig Geld dazu zu bringen mitzumachen. "Sie denken, sie könnten sich das nicht leisten, aber die SoLaWi ist keineswegs nur etwas für Besserverdienende. In unserer Gruppe gibt es auch Hartz-IV-Empfänger." Allerdings hätten fast alle Gruppen lange Wartelisten.

Der Traum vom eigenen Schrebergarten

Das sieht bei den Kleingarten-Vereinen nicht anders aus. Mindestens 2.000 Schrebergärten gibt es in Rheinland-Pfalz. Und es könnten doppelt so viele sein, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Kleingärtner in Rheinland-Pfalz, Rüdiger Frank. Die Wartelisten für einen Garten seien sehr lang. "Seit der Corona-Pandemie ist das Interesse an Kleingärten extrem gestiegen, vor allem bei Familien mit Kindern und wenig Einkommen." Und wer sich dann dort sein Obst und Gemüse selbst anpflanze, könne tatsächlich Geld sparen. Ein Kleingarten mit etwa 300 Quadratmetern Fläche koste im Jahr etwa 200 Euro Pacht. "Das ist nicht viel für den Freizeitgenuss und noch dazu die Ernte", meint Frank.

Pflücken erlaubt - die Stadt Pirmasens verschenkt ihr Obst

Die Stadt Pirmasens hat in Sachen "Selbstversorgung" einen ganz neuen Weg eingeschlagen. Inspiriert von einem Projekt im baden-württembergischen Landkreis Esslingen markiert die Stadt in der Westpfalz seit 2020 ihre städtischen Obstbäume mit gelben Bändern. Von diesen rund 600 Bäumen in Parks, an Straßen und auf Wiesen darf so viel genascht und gepflückt werden, wie man will. Im Tourismusbüro am Strecktalpark kann man sich sogar Obstpflücker ausleihen,. "Wir haben gedacht: Es ist doch verrückt: Hier vergammeln unsre Äpfel an den Bäumen und gleichzeitig importieren wir welche aus Argentinien", erklärt Felicitas Lehr von der Stadt Pirmasens, die das Projekt betreut.

Und die Pirmasenser nutzen das kostenlose Obstangebot gern. "Nachdem Leute wissen wollten, ob wir auch Haselnusssträucher oder Mirabellenbäume haben, haben wir sogar eine Liste mit den verschiedenen Baumarten und ihren Standorten erstellt." Lehr lacht und freut sich, dass das Projekt so gut ankommt. Inzwischen sind viele andere Kommunen dem bundesweiten Projekt gefolgt.

Urban Farming - die essbare Stadt

Andernach bei Koblenz hat gleich die ganze Stadt in einen Obst- und Gemüsegarten umgewandelt. Seit 2009 werden in Parks und auf Grünflächen nicht mehr Beetrosen angepflanzt, sondern Tomaten, Bohnen, Zucchini, Salate, Kräuter und Beeren. Die Idee hinter dem Projekt aus England ist es, die Bürger dazu zu bringen, ihre Stadt anders wahrzunehmen und auch anders mit öffentlichen Plätzen und Ressourcen umzugehen. Eine Studie im Jahr 2019 ergab jedoch, dass 70 Prozent der Befragten nie etwas von den freigegebenen Flächen in Andernach ernten. Es wird vermutet, dass viele fürchten, die Früchte könnten durch Abgase oder Hunde-Urin ungenießbar sein.

Besser genutzt werden offenbar die urbanen Gemeinschaftsgärten, die in vielen Städten aus dem Boden sprießen. Selbsterntegärten, Stadtteilgärten, Nachbarschaftsgärten - das Projekt hat viele Namen. Gemeinsam ist allen: Es wird gemeinsam gepflanzt, Wissen ausgetauscht - und jeder nimmt etwas mit nach Hause.

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