STAND

Das Landgericht Zweibrücken hat eine heute 70-jährige Mutter zu vier Jahren Haft verurteilt. Jahrelang hat die Frau ihre vier Kinder gequält und misshandelt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann die Kinder regelmäßig mit Stöcken oder Schaufeln geschlagen hat. Die Opfer seien dabei mehrfach so schwer verletzt worden, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Das Gericht sprach wörtlich von einem fortwährenden Klima der Demütigung und Gewalt im Elternhaus. Es gebe dennoch kein absolut gerechtes Urteil, weil kein Strafmaß die andauernden Leiden der Opfer wieder gut machen könnte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben die Frau und ihr Mann den Schlagstöcken Namen gegeben - "großer Bruder", "kleiner Bruder" und "Cousin" klingen im ersten Moment nach Familie. Doch für die vier Kinder der Angeklagten müssen sie mit unfassbaren Ängsten verbunden gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft berichtet von mehreren ausgeschlagenen Zähnen und einigen Fingerbrüchen.

Tatort Zweibrücken: Hammerschläge gegen den Kopf

In einem Fall soll die Frau ihrem damals minderjährigen Sohn ein Küchenbrett vor die Stirn gehalten haben. Dem Ehemann sei es dadurch möglich gewesen, mit einem Fleischhammer gegen den Kopf des Kindes zu schlagen. Dadurch sollte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft vermieden werden, dass die Schläge gegen die Stirn nachweisbar waren. Stattdessen hätte das Ehepaar die entstandene Gehirnerschütterung auf einen Unfall zurückgeführt. Aufgrund der notwendigen Behandlung der Verletzungen im Krankenhaus hätten sie dann eine Krankentagegeldauszahlung aus der Versicherung erhalten.

Landgericht und Staatsanwaltschaft Zweibrücken (Foto: SWR)
Die 2. Strafkammer des Landgerichtes Zweibrücken hat das Urteil gegen die Frau gesprochen.

Pflegegeld kassiert: Töchter müssen sich als schwerbehindert ausgeben

Der Frau wurde außerdem vorgeworfen, zwei ihrer Töchter dazu gezwungen zu haben, sich als schwerbehindert auszugeben. Damit habe das Paar die zuständigen Gutachter täuschen wollen, um Pflegegeld für die angeblich behinderten Kinder zu kassieren. Dabei sei einer Krankenkasse ein Schaden von insgesamt 50.000 Euro entstanden.

Vier Jahre Haft nach erstem Urteil

Die Angeklagte war bereits vom Landgericht Zweibrücken wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährlicher Körperverletzung und Betruges zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Gegen das Urteil hatte sie Revision eingelegt. Sie hatte ausgesagt, selbst Opfer ihres psychopathischen Ehemannes gewesen zu sein.

Vernachlässigt, missbraucht, verloren? – René Schmack

Vernachlässigung, Prügel und Misshandlung prägten René Schmacks Kindheit und Jugend. Mit 15 Jahren begann er ein neues Leben und versucht heute Kinder vor Ähnlichem zu schützen.  mehr...

Kaiserslautern

60-Jährige aus Kaiserslautern freigesprochen Misshandlungs-Prozess gegen vierfache Adoptivmutter eingestellt

Das Landgericht Tübingen hat den Prozess gegen eine 60-Jährige aus Kaiserslautern eingestellt. Sie wurde verdächtigt, ihre vier Adoptivkinder jahrelang misshandelt zu haben.  mehr...

STAND
AUTOR/IN