Eine Saatkrähe auf einem Feld in der Pfalz. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / blickwinkel/R. Sturm | R. Sturm)

Bauernverband fordert Änderung des Jagdrechts

Totalschaden im Maisfeld: Krähen werden in der Pfalz zur Plage

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In der Pfalz werden Krähen zu einem immer ernsteren Problem für Landwirte. Zum Teil machen sich die Vögel über komplette Felder her. Der Bauernverband fordert nun eine Änderung des Jagdrechts.

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Die Schäden durch Krähen in der Landwirtschaft haben nach Angaben des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd in diesem Jahr nochmals deutlich zugenommen. Die Betriebe würden zum Teil massive Ausfälle auf ihren Feldern melden. Betroffen sei nicht nur der Ackerbau, sondern auch der Obst- und Gemüsebau.

30.000 Euro Schaden durch die Krähen auf einem einzigen Feld

Christian Glahn gehört der Heilbachhof bei Zweibrücken. Er hat in den vergangenen zwei Wochen rund 60 Hektar Mais an die Saatkrähen verloren, seine gesamte Aussaat. "Man ist ohnmächtig, man kann nichts machen", so Glahn über den Moment, als er den Schaden festgestellt hat. Der Landwirt will sein leer gefressenes Feld nun wieder neu bestellen. Diesmal aber mit einer Mischung aus Hirse, Mais und Sonnenblumen. Glahn hofft, dass das Feld so für die Krähen uninteressanter wird. Er beziffert seinen Gesamtschaden auf rund 30.000 Euro.

Hartelt: Krähen müssen ganzjährig gejagt werden dürfen

Der Verband kritisiert in dem Zusammenhang die zuständigen Behörden. Die Landwirte hätten aufgrund der "überholten" Gesetzeslage keine Möglichkeit, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Auch fehlende Genehmigungen seitens der Behörden seien ein Problem. Die sogenannte Vergrämung durch Schussapparate oder Vogelscheuchen sei nicht wirklich erfolgreich gewesen. Verbandspräsident Eberhard Hartelt fordert daher, die Krähen gezielt abschießen zu dürfen.

Schutzstatus der Saatkrähe aus Sicht des BWV mittlerweile überholt

Die Jagdbehörden sollen es aus Sicht des Bauern- und Winzerverbands möglich machen, dass die Rabenkrähe das ganze Jahr über geschossen werden kann. Das sei derzeit aufgrund der Schonzeit nicht möglich. Die Saatkrähe hingegen dürfe grundsätzlich nicht bejagt werden. Ihr Schutzstatus ist nach Ansicht von Hartelt jedoch längst überholt, weil sich die Saatkrähen-Population in Deutschland stabilisiert habe. Er fordert daher, die Saatkrähe ebenfalls in das Jagdrecht aufzunehmen.

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Betroffene Landwirte müssten entschädigt werden

Die finanziellen Schäden bei den betroffenen Landwirten würden häufig mehrere zehntausend Euro betragen. Sollten die Behörden und das rheinland-pfälzische Umweltministerium die Jagdgesetze nicht ändern, müssten die Bauern nach Ansicht des Verbands entschädigt werden. Die Politik könne nicht tatenlos zuschauen, wie Krähen bei einigen Landwirten einen Großteil der Ernte zerstören.

NABU: Saatkrähen häufig nicht für Schäden verantwortlich

Die Naturschützer des NABU fordern, klar zwischen Saatkrähe und Rabenkrähe zu unterscheiden. Saatkrähen seien früher sogar bei den Landwirten beliebt gewesen, weil sie Bodenschädlinge gefressen hätten. Durch den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln würden die Vögel inzwischen aber anders ihre Nahrung suchen. Das Ausmaß der Schäden durch Saatkrähen ist nach Angaben des NABU noch nicht genügend erforscht. Die Naturschützer sind außerdem der Ansicht, dass sich die Krähen noch schneller vermehren würden, je höher die Abschussrate durch eine Bejagung wäre.

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