Ausstellung "Starke Frauen" im Stadtmuseum Zweibrücken zeigt 23 pfälzische Frauen (Foto: SWR)

Ausstellung im Stadtmuseum Zweibrücken

Starke Frauen aus 1000 Jahren Pfälzer Geschichte

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"Aus dem Schatten ins Licht", so heißt eine neue Ausstellung im Stadtmuseum in Zweibrücken. Gezeigt werden starke Frauen aus der Pfalz.

Die Historikerin und Museumsleiterin Charlotte Glück hat 23 Pfälzerinnen ausgewählt, die in den vergangenen 1000 Jahren in Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Alltag Großes geleistet haben, was jedoch in den Geschichtsbüchern meist nur selten oder sehr kurz erwähnt wird.

Der Museumsraum "Kindbett und Thron" zeigt Fürstinnen als Mütter  (Foto: SWR)
Kindbett und Thron - Fürstinnen waren Mütter und gleichzeitig Regentinnen

Frauen stehen selten in Geschichtsbüchern

Auf großen Plakatbahnen wird jede einzelne starke Pfälzerin vorgestellt. Mit Erklärtexten und soweit möglich mit Quellen, Zitaten und Bildern, ergänzt mit jeweils zeitgenössischen Kostümen aus dem Nationaltheater Mannheim. Denn leider ist nicht viel Historisches überliefert. Charlotte Glück vom Stadtmuseum Zweibrücken und Regina Heilmann vom Stadtmuseum Ludwigshafen mussten intensiv in alten Büchern und Forschungsberichten stöbern, um Informationen zu finden. Charlotte Glück erklärt:

"Die Geschichtsschreiber waren immer Männer. Frauen waren leider den Männern immer rechtlich untergeordnet, und dadurch hat man ganz oft die Dinge, die die Frauen geleistet haben, ihren Männern zugeschrieben. Es ist gar nicht so leicht herauszufinden, was Frauen geleistet haben, einfach, weil nie oder nur ganz selten etwas darüber geschrieben worden ist. Und da ging es uns jetzt einfach darum, einmal auf Spurensuche zu gehen. Oft muss man aus den kleinsten Kleinigkeiten auf ein ganzes Frauenleben schließen."

Frau in Männerkleidern

Charlotte Glück und Regina Heilmann haben spannende Frauen und interessante historische Aspekte entdeckt. Einer der Museumsräume ist zum Beispiel transidenten Frauen gewidmet, eine davon lebte um das Jahr 1700. "Philippine Christin, eine Frau, die in Speyer gelebt hat und die sich ein Leben lang als Mann ausgegeben hat. Die als Soldatin im Krieg war, immer in Männerkleidern herumlief. Wir wissen jetzt nicht, war sie ein im falschen Körper geborener Mensch, hat sie sich wirklich als Mann gefühlt, oder hat sie sich nur kostümiert, um bestimmte Dinge zu tun, die ihr als Frau unmöglich gewesen wären. Das ist auch eine Frage, die wir niemals lösen werden können, aber wir können sie darstellen. Sie ist sogar gemalt worden und man würde das Bild eindeutig als Mann identifizieren."

Die Frau Kaiser Heinrichs IV. ging mit nach Canossa

Im Museumsraum der Fürstinnen begegnen wir Bertha von Savoyen. Über sie ist sehr wenig bekannt, man weiß immerhin: Sie war die Frau von Kaiser Heinrich IV., der im Speyerer Dom begraben liegt. "Jeder weiß, dass Heinrich der Vierte nach Canossa gegangen ist und dort im Schnee gestanden und sich fast die Füße erfroren hat. Dass seine Frau diese Reise mit ihm gemacht hat und genau so lang wie er im Schnee gestanden hat, sogar mit dem kleinen Sohn, darüber schweigen die Geschichtsbücher, das erfährt man nur, wenn man sich näher damit befasst."  

Im Museumsraum der Künstlerinnen werden die Lyrikerinnen Lina Staab und Martha Saalfeld vorgestellt (Foto: SWR)
Lina Staab und Martha Saalfeld waren bedeutende pfälzische Lyrikerinnen

Ikone des Pfälzischen Aufstands aus Kirchheimbolanden

Anna Mathilde Hitzfeld aus Kirchheimbolanden war maßgeblich am Pfälzischen Aufstand von 1849 beteiligt. Sie war Mitbegründerin des "Frauen-Comites" in Kirchheimbolanden, das die Freischärler mit Kleider- und Nahrungsspenden versorgte. Im Juni 1849 war sie an den Kämpfen in Kirchheimbolanden beteiligt. Sie hatte, auf dem Kirchturm stehend, das Anrücken der preußischen Truppen beobachtet und die im Ort lagernden rheinhessischen Truppen vor dem Feind gewarnt. So rettete sie vielen rheinhessischen Freischärlern das Leben. Eine Tat, weswegen sie revolutionärer Tätigkeit angeklagt wurde. Nachdem die Revolution 1849 gescheitert war, ging sie nach Heidelberg und schrieb sich dort für ein Medizinstudium ein. Liberaler Machenschaften verdächtigt, wurde ihr das Studium erschwert und sie wanderte nach Amerika aus.

Unternehmerin aus Kaiserslautern

Lina Pfaff leitete Anfang des 20. Jahrhunderts in Kaiserslautern ein Unternehmen mit knapp zehntausend Mitarbeitern. Nach dem Tod ihres Bruders Georg 1917 übernahm Lina Pfaff die Firma, die 1910 schon eine Million Nähmaschinen in 64 Länder auf den fünf Kontinenten exportiert hatte.

Stadtmuseum Zweibrücken zeigt Frauen aus der Berufswelt und Arbeitskleidung (Foto: SWR)
Pfälzische Frauen leiteten große Unternehmen und waren politisch aktiv

Die Leistungen der Namenlosen

Neben den Frauen aus bekannten Familien ist ein Museumsraum den Frauen gewidmet, deren Namen keiner kennt. Wir wissen wenig Konkretes über die, die jahrhundertelang die Last des Alltags getragen haben, bedauert Charlotte Glück. Diese Frauen liegen der Historikerin besonders am Herzen. "Ihre Leistung hat man einfach als ganz selbstverständlich genommen. Ich denke jetzt an die Bäuerinnen mit Kindern, die den Hof zu versorgen hatten, an die Arbeiterinnen, das Dienstmädchen, das ausgebeutet wurde in irgendeinem bürgerlichen Haushalt. Das sich nicht mal wehren konnte, wenn der Hausherr übergriffig wurde, die dann, wenn sie schwanger geworden ist, ihre Dienststelle verloren hat."

Die namenlosen Heldinnen des Alltags werden in einem eigenen Museumsraum gewürdigt (Foto: SWR)
Die namenlosen Heldinnen des Alltags werden in einem eigenen Museumsraum gewürdigt

Keine Frauen aus der Gegenwart

Die älteste Frau in der Ausstellung ist Hildegard von Bingen, die jüngste ist die Bäuerin Auguste Bader, die sich für die Landfrauenbewegung engagiert hat. Sie wurde um 1900 in Steinwenden in der Westpfalz geboren. Frauen aus unserer Gegenwart fehlen in dieser Reihe, und das ist volle Absicht, sagt Charlotte Glück. "Das ist ja Geschichtswissenschaft. Wir legen Wert auf eine gewisse Distanz, damit wir mit einer gewissen Objektivität draufschauen können. Geschichtswissenschaftler schauen immer mindestens 50 Jahre zurück, sonst wird es zur Politik."

Ausstellung soll mit weiteren Frauen ergänzt werden

Die gründliche Recherche der beiden Historikerinnen hat Ergebnisse ans Licht gebracht, die die Besucher der Ausstellung verwundern, verblüffen und nachdenklich machen. Charlotte Glück lädt dazu ein, die Ausstellung mit weiteren Frauenportraits zu ergänzen. Die Schau ist als Wanderausstellung konzipiert und soll künftig auch an anderen Orten gezeigt werden. Man muss keine Feministin sein, um sich von den Schicksalen der dargestellten Frauen berühren zu lassen, und auch männliche Besucher werden diese Ausstellung sicherlich mit Gewinn betrachten können.

Die Ausstellung "Aus dem Schatten ins Licht. Starke Frauen 1000 Jahren Pfälzer Geschichte" ist bis zum 16. Januar im Stadtmuseum in Zweibrücken zu sehen.

 

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