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Der Kranhersteller Tadano in Zweibrücken baut rund 400 Stellen ab. Die betroffenen Beschäftigten können aber noch keine rechtlichen Schritte einlegen, sondern müssen abwarten, was das Unternehmen als nächstes tut.

Rein juristisch gesehen hat noch niemand der 400 Tadano-Beschäftigte die Kündigung erhalten - sondern lediglich angeboten bekommen, das Zweibrücker Unternehmen freiwillig zu verlassen und in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Rechtliche Schritte wären also erst möglich, wenn Tadano – wie angekündigt - Ende des Monats Kündigungen an die Beschäftigten verschickt, die sich gegen die Transfergesellschaft entschieden haben.

Die IG Metall bietet den Betroffenen bereits Beratungstermine an. Um erfolgreich gegen die Kündigung vorzugehen, müssten Betroffene nachweisen, dass Tadano den Sozialplan nicht berücksichtigt hat. Diesen Vorwurf machen aber einige Beschäftigte dem Unternehmen.

Arbeitsagentur fordert Flexibilität von Mitarbeitern

Unterdessen hat die Agentur für Arbeit Hilfe angeboten. Der Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, Peter Weißler, sagte, er habe die Nachrichten von Tadano mit Sorge aufgenommen. Die Mitarbeiter würden erst einmal in einer Transfergesellschaft aufgefangen. Zusammen mit dieser Gesellschaft wolle die Arbeitsagentur die Chancen für die Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt nutzen.

Abstriche bei Arbeitsort und Gehalt

Allerdings würden die Mitarbeiter eventuell keinen Job in Zweibrücken finden, sondern in Kaiserslautern und der weiteren Umgebung, sagte Weißler. Da sei Flexibilität von den Menschen gefordert - auch, was die Art der Arbeit und das Gehalt angehe.

Wosnitza: Stadt Zweibrücken hat wenig Handlungsspielraum

Der Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) sagte dem SWR, man habe es mit 400 Einzelschicksalen zu tun. "Das ist eine Sache, die unglaublich belastet. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie man den Mitarbeitern unterstützend unter die Arme greifen kann."

Allerdings sei der Handlungsspielraum der Stadt im Moment gering, sagte Wosnitza. Man sei mit der Landesregierung im Austausch, außerdem wolle er Gespräche mit der Geschäftsführung von Tadano führen. Und mit anderen Unternehmen sprechen, ob diese Mitarbeiter von Tadano übernehmen könnten. Er kenne das Sanierungskonzept bis jetzt noch nicht. Es hätten sich einige betroffene Mitarbeiter schon persönlich bei ihm gemeldet, so der Oberbürgermeister. Am Freitag will er mit diesen Gespräche führen.

Stellenabbau "harter Schlag für Zweibrücken"

Die Ankündigung des Stellenabbaus beim größten Arbeitgeber in Zweibrücken sei ein harter Schlag für die Stadt, sagte Wosnitza. Im vergangenen Jahren habe es einen Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt der Stadt gegeben. "Wir hatten durch die Konversion eine hohe Arbeitslosigkeit und uns langsam dort herunter gearbeitet", sagte der Oberbürgermeister. Der Stellenabbau bei Tadano werde sich massiv bemerkbar machen.

In der Vergangenheit sei es so gewesen, dass andere Firmen Arbeitskräfte übernehmen konnten, wenn es einem Unternehmen in Zweibrücken schlecht ging. Im Moment sei die Situation aber insgesamt schwierig.

Der Kranhersteller Tadano ist mit 1.600 Mitarbeitern in zwei Werken der größte Arbeitgeber in Zweibrücken. Gestern hatte die Firma rund 400 Mitarbeitern mitgeteilt, dasx ihre Stellen wegfallen sollen.

Mitarbeiter: "Gang zur Schlachtbank"

Es habe sich angefühlt wie der Gang zur Schlachtbank, sagte ein Tadano-Mitarbeiter aus Zweibrücken, der anonym bleiben möchte. Coronakonform bekamen die Mitarbeiter in Einzelgesprächen oder in kleinen Gruppen das Angebot, in eine Transfergesellschaft zu wechseln oder auf ihre Kündigung zu warten.

Das Unternehmen befindet sich zurzeit in einem Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung. Es begründete den Stellenabbau mit der schwierigen Lage beim Absatz, die sich durch die Corona-Pandemie noch verstärkt habe.

Am Dienstagvormittag wurden alle 400 Mitarbeiter, deren Jobs wegfallen sollen, ins Werk bestellt.

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