Eingänge Army Baumholder und Airforce Ramstein (Foto: SWR, Collage: SWR)

Zum 20. Jahrestag

Wie der 11. September die Pfalz veränderte

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Der 11. September 2001 hat die Welt verändert. In der Pfalz gehören die Amerikaner seit Jahrzehnten zum Straßenbild. Nach den Terroranschlägen veränderte sich das Zusammenleben - mit Auswirkungen bis heute.

Bernd Mai arbeitet seit über 30 Jahren in der Pressestelle der US-Armee auf dem Stützpunkt in Baumholder. Er sah damals im Büro auf einem Fernseher, wie die Flugzeuge in das World Trade Center flogen. "Das kann nicht echt sein", war sein erster Gedanke. Doch, es war echt - und es hatte unmittelbare Auswirkungen auf ihn, seinen Job und das Zusammenleben zwischen Deutschen und Amerikanern.

Denn bis zu diesem Tag war die US-Liegenschaft in Baumholder offen für alle. Die deutschen Nachbarn konnten dorthin fahren, sich mit amerikanischen Freunden treffen - einige Deutsche wohnten sogar auf dem Gelände. Das war mit dem 11. September vorbei, erzählt Mai.

Zaun um Kaserne in Baumholder gebaut

"Baumholder wurde in der Folge dicht gemacht", sagt er. Über 40 Kilometer Zaun wurden rund um die Kaserne gebaut. An den Eingängen wurde genauestens kontrolliert, wer rein und wer raus geht. In den ersten Tagen nach den Anschlägen so genau, dass Mai nur mit Hilfe des Kommandeurs zu seinem Arbeitsplatz gelangen konnte - die Soldaten am Eingang hätten ihn sonst nicht durchgelassen.

Eingang Air Base Ramstein (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Oliver Dietze)
Seit 09/11 wird am Eingang der Air Base in Ramstein noch genauer kontrolliert. Direkt nach den Terroranschlägen war der Flugplatz mehrere Tage geschlossen. Oliver Dietze

Um die Air Base in Ramstein gab es schon vor dem Jahr 2001 Zäune - eine Folge des RAF-Anschlags in den 80er-Jahren. Doch auch dort wurden in der Folge der Anschläge vom 11. September die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, erzählt der heutige Verbandsbürgermeister Ralf Hechler (CDU). Betonsperren wurden aufgebaut, weitere Zäune hochgezogen.

"Direkt nach den Anschlägen wurde alles dicht gemacht - auf dem Flughafen herrschte eine Totenstille", erinnert sich Hechler. Drei Tage später sollte in Ramstein die Kerwe stattfinden, sie wurde abgesagt. Die Gemeinde organisierte einen Trauermarsch, um die Solidarität mit den Amerikanern zu demonstrieren.

Flugzeug startet auf Air Base Ramstein (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Air Base in Ramstein war seit 09/11 in zahlreiche militärische und humanitäre Operationen eingebunden. Die Terroranschläge hatten somit direkte Auswirkungen auf die Einsätze der Soldaten. Picture Alliance

In der Folge war die Air Base in Ramstein in zahlreiche militärische und humanitäre Einsätze eingebunden - sei es im Afghanistan- oder Irak-Krieg oder zuletzt bei der Evakuierung von Amerikanern, Ortskräften und anderen Hilfsbedürftigen aus Afghanistan.

Direkte Auswirkungen auf das Zusammenleben von Deutschen und Amerikanern

Aber auch im Zusammenleben zwischen Amerikanern und Deutschen hat sich seit dem 11. September 2001 einiges verändert, erzählt Hechler. Zum Beispiel haben die Autos der Amerikaner seitdem keine eigenen Nummernschilder mehr - damit sie nicht so leicht zu identifizieren sind.

Außerdem wurde den US-Soldaten lange Zeit verboten, sich außerhalb der amerikanischen Einrichtungen in Uniform zu zeigen. Auch größere Menschenansammlungen sollten die Amerikaner meiden. Diese Anweisungen wurden je nach Sicherheitslage in den vergangenen Jahren mal verschärft und dann wieder gelockert.

Momentan wieder mehr Amerikaner rund um Ramstein unterwegs

Erst in den vergangenen Monaten sehe er wieder mehr Amerikaner im öffentlichen Leben, erzählt Ralf Hechler. Das liege daran, dass auch die Amerikaner nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie wieder ausgehen wollen - und deshalb auch wieder Feste in der Region besuchen.

Auch Bernd Mai hat in Baumholder beobachtet, dass sich das Zusammenleben zwischen Deutschen und Amerikanern im Laufe der Jahre nach dem 11. September 2001 in vielen Bereichen wieder normalisiert hat. Aber so wie vor den Terroranschlägen wird es wahrscheinlich nie mehr sein.

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SWR