Leergut wird gerade im Sommer von den Getränkehändlern schnell zurück benötigt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Teilweise leere Regale

Mangel an Leergut - weniger Auswahl bei Getränken im Westen der Pfalz

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AUTOR/IN
Nadine Lindacher
Bild von Nadine Lindacher, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

In vielen Getränkeabteilungen in Supermärkten oder auch beim Getränkehändler ist die Auswahl an Wasser oder Limonaden zurzeit begrenzt. Die Gründe dafür: fehlendes und unsortiertes Leergut.

Fehlendes Leergut ist gerade im Sommer, bei sehr heißen Temperaturen, ein riesiges Problem, sagt Marc Fehrentz. Er betreibt den größten Getränkefachhandel im Raum Zweibrücken.

Kein Leergut, keine neue Ware

Viele Menschen kaufen Getränke, wenn sie irgendwo im Angebot sind. Und das ist laut Marc Fehrentz immer irgendwo der Fall. Dann würde nicht nur ein Kasten gekauft, sondern gleich mehrere auf einmal. Diese Flaschen würden dann zu Hause gelagert und das Leergut sei erst einmal weg vom Markt. Gerade im Sommer, wo viel Wasser und Limonade getrunken wird, ist das ein großes Problem, sagt er. Denn wenn er kein Leergut zum Wiederbefüllen an die Lieferanten und Mineralbrunnen zurückgeben kann, bekommt er dafür auch keine neue Ware im Austausch.

Mann belädt sein Auto mit Wasserkisten.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Zu wenig Leergut sorgt für weniger Auswahl an Getränken in der Westpfalz. Picture Alliance

Krieg in der Ukraine verschärft die Situation weiter

Gerade die Mineralbrunnen, die die Getränke abfüllen, sind auf Leergut angewiesen. Ohne Leergut keine neuen Abfüllungen. Die Situation hätte sich seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sogar noch weiter verschärft, sagt Marc Fehrentz. Wegen des Rohstoffmangels könnten deutlich weniger neue Getränkeflaschen oder Verschlüsse gefertigt und geliefert werden, die den Mangel ausgleichen könnten.

Mineralbrunnen konzentrieren sich auf Hauptmarken

Wenn den Mineralbrunnen kaum Leergut zur Verfügung steht, dann konzentrierten sie sich auf die Hauptmarken, erklärt Marc Fehrentz. Das heißt: Nur die Getränke, die am häufigsten gekauft werden, würden dann noch abgefüllt. Produkte, die nicht zu den Verkaufsschlagern zählen, seien dann kaum noch erhältlich. An diesem Punkt befinde er sich aktuell mit seiner Firma. Er kann nicht die Auswahl bieten, die sich seine Kunden wünschen.

"Mit dem Problem stehe ich nicht alleine. Das betrifft alle Händler, die Getränke verkaufen."

Unsortiertes Leergut stellt Logisitk vor Herausforderungen

Neben fehlendem Leergut ist auch unsortiertes Leergut ein großes Problem. Das sagt Sabine Brämer, sie arbeitet für Groß+Klein Getränke-Logistik in Neunkirchen im Saarland. Groß+Klein ist einer der größten Getränke-Logistiker in der Region. Neben dem Saarland beliefert die Firma unter anderem auch die Globusmärkte, Kaufland, Wasgau oder auch Rewe in der Westpfalz.

Es komme wenig Leergut zurück. Das sei das eine Problem, sagt Sabine Brämer. Das Leergut, das nicht sortiert werden könne, sei das andere große Problem, das den Getränke-Logistiker vor große Herausforderungen stelle. Rund 2.200 verschiedene Getränkesorten und -flaschen stehen auf dem Gelände. Meist seien die Kästen nicht komplett oder durcheinander.

"Das Problem zieht sich durch das gesamte Angebot. Egal ob Mineralwasser, Limo, Bier oder Cola."

Zu wenig Personal, das Leergut sortiert

Es gebe zu wenig Personal momentan, das Leergut sortieren könnte. Das Problem, erklärt Sabine Brämer: Das sind Jobs im Niedriglohnsektor. Die Firma finde eigenen Angaben nach auch über die Arbeitsagenturen nicht genügend Personal. Das verschärfe das Problem weiter. Denn auch unsortierte Flaschen können nicht an die Mineralbrunnen geliefert werden zum Wiederbefüllen.

Keine geeigneten Fahrer in den Speditionen

Dann komme auch noch hinzu, dass es seit Jahren immer weniger Lkw-Fahrer gebe, die Leergut abholen und Getränke an Märkte ausliefern könnten, sagt Sabine Brämer weiter. Die Bezahlung der Kraftfahrer sei zwar gut, allerdings würden die Anforderungen seit Jahren immer höher.

"Viele ältere Fahrer haben ihren Lkw-Führerschein noch bei der Bundeswehr gemacht. Privat können sich das viele Menschen gar nicht leisten."

Der Führerschein, der damals von vielen Fahrern noch bei der Bundeswehr gemacht worden sei, kostet, wenn man ihn privat mache, zwischen 5.000 und 7.000 Euro. Das könnten sich viele Menschen nicht leisten. Auch brauche es Zusatzqualifikationen, wie beispielsweise den Staplerführerschein, den viele Fahrer nicht hätten.

Gabelstapler transportiert Palette mit Getränken.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Gerade jetzt im Sommer, bei den heißen Temperaturen, ist es wichtig, dass Leergut schnell zurückgegeben wird. Picture Alliance

Situation könnte noch schlimmer werden

Der Sommer ist bisher überdurchschnittlich heiß und trocken. Dementsprechend würde auch mehr Wasser und Limonade konsumiert, sagt Brämer. Und es ist noch kein Ende in Sicht. Wenn die Hitze weiter anhalte, dann könnte sich das Leergutproblem noch weiter verschärfen. Für den Kunden würde das bedeuten, dass die Auswahl an Getränkesorten immer kleiner wird.

16. März 2022 | ARD Event #unserWasser

Schwindende Wasservorräte, zunehmende Trockenheit: Auch in Deutschland wird Wasser knapper. Verteilungskämpfe stehen im Mittelpunkt des ARD Events "#unserWasser".

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Heute werden schätzungsweise 3 Prozent der Einweg-Flaschen nicht zurückgegeben . Früher war es noch viel mehr. Die Getränkewirtschaft spricht hier vom „Pfandschlupf“. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Eine Frau, ein Wort: Leergut

Die deutschen Bierbrauer sorgen sich, dass es wegen der gestiegenen Energie-Preise im Sommer nicht genügend Bierflaschen gibt.
Deshalb sollen Verbraucher ihr Leergut möglichst schnell zurückbringen.
Unsere Kolumnistin Katharina Krüger hat da schon ein konkretes Bild vor Augen.