Ein Baum mit einem Messring (Foto: SWR)

Auswirkungen des Klimawandels

Böden im Pfälzerwald brauchen mehr Wasser

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AUTOR/IN
Janina Schreiber
Bild von Janina Schreiber, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: Annkatrin Gentges)

Trockenheit und Dürre - die vergangenen drei Jahre mussten die Bäume im Pfälzerwald mit wenig Wasser auskommen. Ein Forscher erklärt, wie das den Wald verändert.

Es ist ein kleines, unscheinbares Holzhaus, das Bodenforscher Gebhard Schüler mitten im Pfälzerwald zwischen Leimen und Merzalben gerade aufschließt. Dieses Holzhaus ist eine der wichtigsten Forschungsstationen für Bodenwasser im Pfälzerwald.

Viele grau-schwarze Sonden, die im Waldboden drumherum stecken, sammeln wichtige Informationen. Schüler, der für die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) Rheinland-Pfalz arbeitet, erklärt: "Wasser ist Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt Wald haben, denn die Bäume brauchen Wasser. Und klar ist: Die Temperatur wird ansteigen. Die Böden werden trockener."

Eine Holzhütte in der Forschungsstation zwischen Leimen und Merzalben (Foto: SWR)
Eine unscheinbare Holzhütte zwischen Leimen und Merzalben: Hier messen die Forschenden aus Trippstadt, wie viel Bodenwasser hier vorkommt und welche Nährstoffe darin gebunden sind.

Die FAWF sitzt gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Trippstadt. Die Forschenden arbeiten eng zusammen und betreuen von hier aus die Messstation für Bodenwasser im Pfälzerwald zwischen Leimen und Merzalben.

Prof. Dr. Gebhard Schüler (Foto: SWR)
Prof. Dr. Gebhard Schüler arbeitet an der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) Rheinland-Pfalz und unterrichtet an der Universität Trier am Lehrstuhl für Bodenkunde.

Hier zeigt Bodenkundler Schüler auf eine große Eiche. Sie trägt – wie alle anderen umliegenden Bäume auch – eine Nummer. Um den Stamm ist ein Maßband gespannt. Damit messen die Forschenden die Verdunstung der Bäume. Schüler erklärt: "Das ist eine 200 Jahre alte Eiche. Am Tag verdunstet der Baum Wasser. Also wird er ein bisschen dünner. Nachts nimmt er Wasser auf, dann quillt er an. Wenn das ausbleibt, ist das ein Zeichen für Trockenheit."

Gestiegene Verdunstung versetzt die Bäume im Pfälzerwald in Stress

Diese Verdunstung sei in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Das versetze die Bäume im Pfälzerwald in Stress. Leiden würden dabei vor allem ältere Bäume, sagt Schüler. Deshalb müsse und werde sich der Wald, wie wir ihn kennen, verändern: "Ich kann mir vorstellen, dass junge Buchen sich ans neue Klima anpassen werden. Vielleicht werden sich dann die Bäume durchsetzen, die nur 25 und nicht 40 Meter hoch werden, weil die das Wasser nicht so hochziehen müssen."

Auch lohne sich ein Blick in Klimazonen wie der im Balkan, um herauszufinden, welche Bäume sich auch im Pfälzerwald in 50 oder 100 Jahren durchsetzen könnten, weil sie mit den neuen klimatischen Bedingungen klarkommen. Um die zu berechnen, geht Schüler von zwei Szenarien aus, die eintreffen könnten: "Im schlimmsten Fall nimmt die Grundwasserversorgung weiter ab, weil die Verdunstung dann auch im Winter über das Maß ansteigt, was der Niederschlag uns an Regen bringt. Im besten Fall erleben wir eine Verlagerung von Sommerniederschlägen in die Wintermonate, sodass dann mehr Winterniederschläge kommen und die Grundwasserneubildung ausgleichen."

Wasserrückhaltung wichtig sonst Sturzfluten wie im Ahrtal

Ein anderes wichtiges Thema sei die Wasserrückhaltung im Pfälzerwald. Je mehr Wasser im Wald gehalten werde, desto mehr Bodenwasser könne ins Grundwasser versickern. Schüler sagt: "Wir haben jahrelang aktiv das Wasser aus dem Pfälzerwald herausgeleitet. Das ist ein großes Problem. Je mehr Wasser rasch aus dem Wald fließen kann, umso schneller haben wir Sturzfluten wie im Ahrtal." Heute, so schätzt der Forscher, seien zehn bis 20 Prozent der Waldfläche verschlossen. Die Ursache dafür: begradigte, mit schweren Maschinen befahrene Waldwege, die teils links und rechts mit betonierten Gräben ausgestattet sind. Dadurch soll das Regenwasser schneller ablaufen könne, um die Waldwege möglichst trocken zu halten. "Ich habe schon vor 20 Jahren propagiert, dass wir möglichst keine Gräben mehr bauen", sagt Schüler

"Je mehr Wasser rasch aus dem Wald fließen kann, umso schneller haben wir Sturzfluten wie im Ahrtal."

Mit Blick auf die alten Eichen und Buchen rund um die Messstation zeigt sich Schüler dennoch zuversichtlich: "Wir müssen einsehen, dass wir den Wald nicht nur bewirtschaften, sondern auch schützen müssen, und die Veränderung der Waldgesellschaft in Kauf nehmen. Dann werden hier – trotz Trockenheit – weiterhin Bäume stehen."

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