Ein Jahr nach dem Tod von George Floyd

Zwei junge Schwarze aus Kaiserslautern sprechen über Rassismus

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Vor einem Jahr starb in den USA der Schwarze George Floyd - wegen Polizeigewalt und Rassismus. Doch was hat sich seitdem geändert? Nicci Appiah und Junior Kidane aus Kaiserslautern berichten.

"Geh' doch zurück zu deinem Stamm in Afrika, du N****." Solch heftige, rassistische Aussagen haben Nicci Appiah und Junior Kidane aus Kaiserslautern schon sehr oft in ihrem Leben zu hören bekommen. Beide sind in Deutschland geboren, haben die deutsche Staatsbürgerschaft und sprechen fließend Deutsch - akzentfrei. Beide sprachen schon kurz nach dem Tod von George Floyd im vergangenen Jahr über ihre Erfahrungen, die sie mit Rassismus gemacht haben.

Junior und Nicci: Rassismus ist Alltag

Junior berichtete damals über einen Vorfall, den er in einem vollen Bus hatte. Eine Frau saß ihm gegenüber und habe ihn böse angeschaut. "Ich war an meinem Handy. Dann hat die Frau mich angesprochen und gefragt, wieso ich sie filme. Ich sei ein Flüchtling, wir seien alle gleich: Wir vergewaltigen deutsche Frauen. Im Bus gab es nur komische Blicke von anderen Leuten und keine Unterstützung."

Ähnliche Erfahrungen hatte auch Nicci gemacht. Der 18-jährige Musiker lebt gerne in Deutschland, in seiner Heimatstadt Kaiserslautern. Vor ein paar Jahren spielte er mit seiner Band in Katzweiler. In der Pause sprach eine deutsche Familie seine Bandkollegen an und fragte, ob Nicci zu ihnen gehöre. Als sie das bejahten, ging die Familie weiter und rief: "Mit dem wollen wir nichts zu tun haben."

Nicci Appiah mit seinem Schlagzeug. (Foto: Herzenssache)
Nicci Appiah mit seinem Schlagzeug. Herzenssache

Rassismus - ein Thema, das Nicci und Junior bereits ihr ganzes Leben beschäftigt. Kurz nach dem Tod George Floyds in den USA vor knapp einem Jahr war Rassismus auch wieder ein großes Thema in der Öffentlichkeit. Vor allem durch die zahlreichen Proteste der "Black Lives Matter"-Bewegung (zu Deutsch: Schwarze Leben zählen), die auf der ganzen Welt stattgefunden haben.

"Ich habe großen Respekt vor allen, die auf die Straße gegangen sind und sich gegen Rassimus eingesetzt haben", berichtet Nicci. Und: Seit dem Tod von George Floyd habe sich etwas verändert, berichten beide - Junior und Nicci.

George Floyd und "Black Lives Matter" haben vieles geändert

Junior und Nicci wissen beide, dass der Kampf gegen Rassismus noch ein langer sein wird. "Es gibt viele Menschen, die sagen, sie wüssten gar nicht, dass Rassismus noch so stark existiert", sagt Nicci.

Rassismus existiert nach wie vor

"Ich glaube, der Großteil der Menschen, hat bereits gelernt und verstanden, dass wir so nicht mehr weitermachen können." - Junior Kidane

Letzte Generation mit Rassismus?

Nicci und Junior werden sich weiter gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Auch wenn es Opfer, wie George Floyd, auch in Zukunft geben wird, hofft Nicci, dass "alle Menschen irgendwann in Harmonie miteinander leben. Egal, welche Hautfarbe oder Herkunft sie haben. Egal, welche Sexualität oder Geschlecht sie haben. Jedes Leben ist wertvoll."

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