Corona-Auflagen für Religionsgemeinschaften. Impfstatus von Gottesdienstbesuchern muss geprüft werden. (Foto: SWR)

Kritik am Umgang mit Corona-Ungeimpften

Impfung als Christenpflicht: Warum sich eine Pfarrerin aus Weilerbach kritisch über die Kirche äußert

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Ungeimpfte Menschen werden moralisch unter Druck gesetzt - das werfen Gläubige der evangelischen Landeskirche in der Pfalz vor. Die hält nun dagegen.

Impfungen seien Christenpflicht und Impfskeptiker seien Egoisten – diese Aussagen sind der evangelischen Pfarrerin Clara Glade aus Weilerbach bitter aufgestoßen. Die evangelische Landeskirche und andere führende Kirchenvertreterinnen und -vertreter hätten das in den vergangenen Wochen in der Corona-Pandemie mehrfach geäußert. Die Pfarrerin hat deshalb kurz vor Weihnachten einen offenen Brief an die evangelische Landeskirche in der Pfalz geschrieben.

Kritik: Gottesdienste nur für Geimpfte und Genesene

Darin kritisieren die Verfasserinnen und Verfasser konkret, dass die Kirchenregierung unter Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst den Gemeinden Gottesdienste unter 2G-Bedingungen ermöglichte, also Zugang nur für Geimpfte und Genesene. Pfarrerin Clara Glade sagt: "Es ist nicht mit dem Evangelium vereinbar, Menschen aus dem Gottesdienst auszuschließen, nur weil sie in Gesundheitsfragen eine andere Haltung als Regierung und Kirchenleitung haben."

Es ist nicht mit dem Evangelium vereinbar, Menschen aus dem Gottesdienst auszuschließen, nur, weil sie in Gesundheitsfragen eine andere Haltung als Regierung und Kirchenleitung haben.

Die evangelische Pfarrerin in Weilerbach Clara Glade (Foto: Frank Glade)
Clara Glade, evangelische Pfarrerin aus Weilerbach, kritisiert die Kirche gemeinsam mit ihren Unterstützern für Corona-Beschränkungen bei Gottesdiensten. Frank Glade

Gemeinsam mit ihrem Mann teilt sich Glade seit 2013 die evangelische Pfarrstelle in Weilerbach mit rund 2.700 Mitgliedern. Neben dem Ehepaar haben auch Menschen aus anderen Gemeinden, sowohl evangelisch als auch katholisch, den offenen Brief an die Kirchenregierung unterschrieben.

Wüst sei stets kritisch gegenüber 2G gewesen

Aus Kreisen der evangelischen Kirche in der Pfalz heißt es, die Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst habe den 2G-Regeln für Gottesdienste stets kritisch gegenübergestanden. Wüst, geboren in Pirmasens, war selbst Pfarrerin in Kaiserslautern und Weilerbach, bevor sie 2021 ihr Amt als evangelische Kirchenpräsidentin der Pfalz antrat.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst (Foto: Evangelische Kirche der Pfalz)
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst wünscht sich die 3G-Regel für Gottesdienste. Sie habe nie vorgehabt, Menschen von den Messen auszuschließen. Evangelische Kirche der Pfalz

Es sei mitnichten Wüsts Anliegen, Menschen von Gottesdiensten auszuschließen, so eine Sprecherin der evangelischen Kirche in der Pfalz. In ihrem Antwortschreiben auf den offenen Brief geht Wüst auf die Möglichkeit, Gottesdienste unter 2G-Bedingungen abzuhalten, nicht ein. Sie wirbt darin stattdessen für die 3G-Regel. Nach der können neben Geimpften und Genesenen auch Ungeimpfte mit einem negativen Testnachweis Gottesdienste besuchen.

Enttäuschung über Antwort der Kirche

Von dem Antwortschreiben ist Pfarrerin Clara Glade enttäuscht. Es sei ihr wichtig, nicht als Impfskeptikerin "in eine Ecke gestellt zu werden". Unter den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern seien ebenso ungeimpfte wie geimpfte Menschen. Und auch die Geimpften würden das Verhalten der Kirche in der Pandemie kritisch sehen. Gerade die Kirche sei doch ein Ort, an dem Toleranz für verschiedene Meinungen geübt werden müsse, sagt Glade.

Kirche hätte in der Pandemie präsenter sein müssen

Im Verlauf der Pandemie war die Kirche schon einmal in Kritik geraten. Führende Kirchenvertreterinnen und -vertreter hatten den Vorwurf erhoben, die Kirche sei zu zurückhaltend bei der Betreuung alter, kranker und sterbender Menschen gewesen.

Wüst räumte im Februar 2021 auf die Kritik hin ein, dass die Kirche tatsächlich im ersten Lockdown hätte hartnäckiger und vor allem präsenter in der Seelsorge sein müssen. "Daraus haben wir gelernt. Das passiert uns nicht noch einmal", sagte sie.

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