Eichhörnchen im Wald.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Lebensräume und Nahrung werden immer knapper

Waldtiere leiden unter massiver Hitze und Trockenheit im Pfälzerwald

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Nadine Lindacher
Bild von Nadine Lindacher, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Die Tiere im Pfälzerwald leiden massiv unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit. Feuchtbiotope verschwinden und das Nahrungsangebot wird langsam knapp.

Besonders hart trifft es die Insekten, Libellen, Nachtfalter oder die Tiere, die in Bächen leben, sagt Jürgen Reincke vom NABU Kaiserslautern. Viele kleinere Tierarten seien auf Feuchtbiotope angewiesen. Die aber werden immer knapper. Zum einen spiele die Hitze und die anhaltende Trockenheit eine große Rolle. Zum anderen sei aber auch der Mensch nicht ganz unschuldig an der Situation. Diese Tiere bräuchten dringend altes Holz und Geäst, das auf dem Waldboden einfach verrotten kann. Das Holz liefere wichtige Nährstoffe, Schatten und eben auch Wasser. Weil der Wald aber oft zu "aufgeräumt" sei, vor allem dort, wo Menschen spazieren und wandern gehen, gingen immer mehr Lebensräume für Insekten verloren, betont Jürgen Reincke.

"Unordnung im Wald bedeutet Feuchtigkeit und Vielfalt."

Auch Hirschhornkäfer oder Feuersalamander seien auf diese Verstecke zum Überleben angewiesen. Schon seit Jahren sei ein massiver Rückgang an Insekten zu beobachten. Die aktuelle Hitze und Trockenheit hat das Potential, sagt Jürgen Reincke, dass es zu einem Aussterben von ganzen Populationen kommen könnte.

Was dann wiederum Auswirkungen auf die Vögel hat. Denn die sind auf alle Arten von Insekten und Würmern als Hauptnahrungsquelle angewiesen. Wenn Vögel nicht genügend Nahrung finden, gebe es auch weniger Nachwuchs. Der Wald und die Natur seien ein Kreislauf. Alles sei miteinander verbunden und beeinflusse sich gegenseitig.

Auch der Storch leidet unter der Hitze.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Wenn es zu heiß und trocken ist, wird auch für den Storch die Nahrung knapp. Kein Wasser, weniger Frösche und somit weniger Beute. Picture Alliance

Warme Bäche machen Tieren zu schaffen

Wenn viel Wasser aus den Bächen beispielsweise verdunste, steige auch die Wassertemperatur und es gibt weniger Sauerstoff für Fische und andere Lebewesen. Zudem gibt es bei großer Hitze immer wieder Probleme mit Algen, weil die sich unter diesen klimatischen Bedingungen explosionsartig vermehren. Wenig Wasser führt auch dazu, erklärt Jürgen Reincke, dass es weniger Kaulquappen und somit auch weniger Frösche gibt. Das wiederum betrifft zum Beispiel auch die Störche. Denn der Frosch ist Bestandteil ihrer Ernährung. Genau wie Regenwürmer, die in ausgetrocknetem Boden auch schwer zu finden seien.

Wenig Nahrung für Rehe, Wildschweine und Co schlimmer als wenig Wasser

Der zunehmende Nahrungsmangel bereitet den größeren Waldtieren wie Wildschweinen, Rehen, Hirschen oder auch Hasen stärkere Probleme als wenig Wasser. Diese Tiere könnten, so Jürgen Reicke, nämlich problemlos auch längere Strecken zurücklegen, bis sie wieder auf Wasser stoßen. Dass es aber, gerade in sehr heißen Jahren, kaum Früchte oder Nüsse gibt, sei ein großes Problem. Die Bäume, die unter dem Wassermangel leiden, werfen ihre Früchte wie Obst, Nüsse oder Bucheckern viel zu früh ab, lange bevor sie reif sind. Das machen die Bäume, um die wenig vorhandene Feuchtigkeit speichern zu können, um selbst zu überleben.

Ein Reh auf einem Feld in der Nähe des Waldes.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Größere Waldtiere wie Rehe, Wildschweine oder Hasen finden noch Wasserquellen, weil sie auch größere Strecken zurücklegen können. Aber auch bei ihnen wird langsam das Futterangebot knapp. Picture Alliance

Wasser sparen hilft dem Wald und den Tieren

Wasserschalen für Tiere in den Wald zu stellen schade zwar nicht, aber es helfe auch kaum, erklärt Jügen Reincke vom NABU Kaiserslautern. Davon profitierten nur wenige Tiere. Besser wäre es, wenn jeder auf seinen Wasserverbrauch achte. Wasser sparen helfe dem Wald am meisten. Denn je weniger verbraucht werde, umso weniger müsse gefördert werden. Das heißt: Der Grundwasserspiegel sinke nicht so schnell und der Wald profitiere davon.

Im Privatbereich sei es aber dennoch sinnvoll, Wasserschalen aufzustellen. Im eigenen Garten helfe das Wasser neben Vögeln auch beispielsweise Igeln oder Insekten. Dazu am besten immer einen Stein mit in die Schale legen, damit kleinere Vögel oder Insekten Halt haben und nicht in der Schale ertrinken.

Durch den fehlenden Regen finden Tauben in den Städten nicht mehr genügend Wasser.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Tauben finden in den Städten kaum noch Wasser. Viele dehydrierte Tiere werden bei der Taubenhilfe Kaiserslautern wieder aufgepäppelt. Picture Alliance

Auch Stadttauben leiden

Den Tauben in den Städten geht es bei diesen Temperaturen auch nicht gut. Das sagt Sandra Labenski von der Taubenhilfe Kaiserslautern. Die Tauben litten wegen des Fütterungsverbotes ohnehin schon enorm. Jetzt werde auch noch das Wasser knapp. Es gebe beispielsweise in der Innenstadt von Kaiserslautern nur wenige Brunnen. Und diese seien für Tauben oft ungeeignet, weil sie zu tief seien und die Tiere darin ertrinken können. Aktuell bekommt Sandra Labenski viele Tauben, die völlig dehydriert sind und wieder aufgepäppelt werden müssen.

Auch sie empfiehlt, Wasserschalen aufzustellen für die Vögel. Wer keinen Garten habe, könne auch eine flache Schale auf die Fensterbank stellen. Das helfe den durstigen Vögeln enorm.

Jungvögel verlassen wegen der Hitze ihre Nester

Die Menschen brächten ihr jetzt viele junge Vögel. Tauben, aber auch andere Vogelarten wie Schwalben beispielsweise, brüten oft unter Dächern. Dort werde es aktuell so heiß, dass viele Jungvögel aus den Nestern springen, um sich vor der Hitze zu schützen. Die Jungen sitzen dann meistens verletzt am Boden und weil sie noch nicht fliegen können, schaffen sie es auch nicht mehr zurück ins Nest, erklärt Sandra Labenski. Neben kranken und fast verdursteten ausgewachsenen Tauben, habe sie momentan alle Hände voll zu tun, die Küken am Leben zu halten, gesund zu pflegen und aufzupäppeln, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden könnten.

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