Ein Windrad steht umringt von Nadelbäumen im Wald (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Nicolas Armer)

Land schreibt an Verbandsgemeinde Hauenstein

Vorerst keine Windräder im Biosphärenreservat Pfälzerwald

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Jan Jaworski
Bild von Jan Jaworski, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Seit Monaten wird in Rheinland-Pfalz darüber diskutiert, ob man im Biosphärenreservat Pfälzerwald Windräder bauen sollte. Das Land spricht darüber schon lange mit dem UNESCO-Komitee. Jetzt gibt es eine Entscheidung - eine vorläufige.

"Die Landesregierung sieht einerseits die klare Notwendigkeit eines beschleunigten Ausbaus der Erneuerbaren Energien, möchte aber im Pfälzerwald durch entsprechende Aktivitäten keinesfalls den Status des UNESCO-Biosphärenreservates gefährden“, schreibt das Umweltministerium an den Verbandsbürgermeister von Hauenstein, Patrick Weißler. Soll somit heißen: Im Biosphärenreservat Pfälzerwald werden vorerst keine Windräder gebaut.

Ihn hatte der Verbandsgemeinde-Rat beauftragt, mit dem Land darüber zu sprechen, ob es künftig möglich sein wird, Windräder im Biosphärenreservat Pfälzerwald zu bauen - auch wenn das Gebiet besonders naturgeschützt ist. Mit dem zuständigen UNESCO-Komitee habe sich das Land bisher nicht einigen können.

Windräder würden Hauenstein unabhängiger machen

Ein Ja wäre aus Sicht des Verbandsgemeinde-Rates sehr wichtig gewesen, erklärt der Beigeordnete Andreas Wilde (SPD) dem SWR. Vor allem mit Blick auf die Energiekrise wäre es von Vorteil, wenn die Verbandsgemeinde Hauenstein unabhängiger wäre und dabei auf erneuerbare Energien setzen könnte. Von daher sei er enttäuscht über den Brief aus der Landeshauptstadt.

Ein geeigneter Ort für Windräder sah der Verbandsgemeinde-Rat auf dem Langerkopf. Der Berg liegt innerhalb der Verbandsgemeinde, mitten im Pfälzerwald. Dort gab es mal eine Richtfunkstation der US-Amerikaner. Heute liegt die Fläche brach. Ideal also, um dort Windräder zu bauen, dachte man sich in Hauenstein.

Hofstätten Langerkopf (Foto: SWR)
Das ehemalige Militärgelände Langerkopf im Pfälzerwald

Ortsvorsteher von Hofstätten: "Können aufatmen"

Die Absage des Landes enttäuscht auf der einen Seite zwar viele Bürgerinnen und Bürger in der Verbandsgemeinde Hauenstein, es gibt aber auch einige, die darüber sehr froh sind. Zum Beispiel der Ortsvorsteher von Hofstätten, einem Ortsteil von Wilgartswiesen. Das Dörfchen liegt am Fuße des Langerkopfes. Ortsvorsteher Peter Bernhard zeigte sich im SWR-Gespräch glücklich: "Nun können wir aufatmen." Für ihn wären Windräder direkt vor der Haustür unvorstellbar.

"Windräder auf dem Langerkopf würden die schöne Landschaft verschandeln."

SWR (Foto: SWR)
Peter Bernhard sorgt sich um den Tourismus in seinem Heimatdorf Hofstätten.

Bernhard befürchtete, dass dadurch auch der Tourismus in der Südwestpfalz stark gelitten hätte. "Wenn sie vom Luitpoldturm aus auf den Langerkopf geblickt hätten und dann Windräder gesehen hätten, dann wäre das eine Katastrophe gewesen." Soweit kommt es nun aber nicht - vorerst. Denn das Land lässt sich in seinem Schreiben an den Hauensteiner Verbandsgemeinde-Rat ein Hintertürchen offen.

Ändert Energiekrise Meinung von UNESCO?

Zum Schluss heißt es nämlich, man habe "die Hoffnung, dass aufgrund der geänderten sicherheitspolitischen Lage in Europa und der aktuellen Neuregelungen der Bundesregierung zur Windenergie ein konstruktiver Impuls für eine einvernehmliche Lösung ausgeht".

Andreas Wilde vom Verbandsgemeinde-Rat in Hauenstein geht aber davon aus, dass das Thema Windräder im Biosphärenreservat Pfälzerwald erst einmal vom Tisch ist. So habe man nun aber Klarheit und könnte ein anderes, ein "Alternativ-Projekt" in der Verbandsgemeinde, vorantreiben. Sie plant statt Windräder Photovoltaikanlagen auf dem Langerkopf zu bauen.

Solaranlagen im Pfälzerwald für alle kein Problem?

Auch das Land geht in seinem Schreiben auf mögliche Solaranlagen ein und berichtet, dass sich der Landesbetrieb Landesforsten derzeit darum bemühe, um entsprechende Anlagen auf dem Langerkopf bauen zu können.

Für Peter Bernhard aus Hofstätten wäre das kein Problem. "Solaranlagen sieht man ja vom Luitpoldturm aus nicht."

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