Teilnehmer der virtuellen Zeitreise durch Otterberg sitzen auf einem Planwagen, der von Pferden gezogen wird. (Foto: SWR, SWR)

Mit VR-Brille und Pferdekutsche in die Vergangenheit

Virtuelle Zeitreise durch Otterberg

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Zeitreisen sind unmöglich? Nicht in Otterberg! Dort bietet die Verbandsgemeinde ab sofort virtuelle Zeitreisen in die Vergangenheit an. SWR-Reporter Johannes Zinßmeister war dabei.

Für mich geht es gleich in die Vergangenheit. Ich werde eine Zeitreise durch Otterberg machen. Hier an der Stadthalle in Otterberg geht es gleich los. Ich werde auf einen Planwagen steigen, der von Pferden gezogen wird und eine sogenannte VR-Brille aufziehen. VR steht für Virtual Reality - also virtuelle Realität. Durch diese Brille soll ich dann sehen können, wie Otterberg in den vergangenen Jahrhunderten ausgesehen hat. Ich bin gespannt was mich erwartet.

Bitte zusteigen!

Es ist soweit! Nero und Sepp - so heißen die beiden Pferde, die den Planwagen ziehen - sind da. Ich bekomme meine VR-Brille und darf gemeinsam mit den anderen Teilnehmern der virtuellen Zeitreise in den Planwagen einsteigen.

Willkommen in Otterberg im 13. Jahrhundert

Die Brillen zieht sich jeder Teilnehmer über den Kopf. Anschließend noch Kopfhörer in die Ohren und die Fahrt beginnt. Wir befinden uns jetzt im Jahre 1254. Die Kutsche sieht plötzlich etwas anders aus als zuvor und aus zwei Pferden ist eins geworden - ein virtuelles. Es ist ein Schimmel namens Hercules, der jetzt unsere virtuelle Kutsche zieht. Es dauert nur wenige Minuten und schon fahren wir durch ein schmales Tor. Es ist das Eingangstor des ehemaligen Zisterzienser Klosters in Otterberg.

Ein Erlebnis für alle Sinne

Für mich ist es ein beeindruckendes Erlebnis. Ich rieche die Pferde, die die Kutsche ziehen, höre deren Hufe klappern auf dem Straßenboden und sehe rund herum die Stadt Otterberg, so wie sie vor vielen Jahrhunderten ausgesehen hat. Das Erlebnis wirkt so real, dass mir kurz übel wird. Zum Glück wird es schnell besser und ich kann die Fahrt fortsetzen - mein Gehirn musste sich wohl erst einmal an diese neuen Eindrücke gewöhnen.

Gästeführer von neuem Angebot in Otterberg überzeugt

Auf unserer Zeitreise erzählt uns Gästeführer Harald Forsch, wie die Mönche damals im Zisterzienser Kloster in Otterberg gelebt haben. Es war ein hartes Leben, ohne Luxus. "Zu essen gab es meist nur Fisch und Gemüse", sagt Forsch. An der Abteikirche hält unsere Kutsche. Alle Teilnehmer nehmen ihre VR-Brillen ab - wir betreten die Kirche, wo wir noch eine Führung in der Gegenwart und ohne VR-Brillen bekommen. Anschließend geht es wieder auf die Kutsche und zurück zum Ausgangspunkt.

"Anfangs war ich skeptisch, als ich von dem Projekt erfahren habe. Aber ich wurde überzeugt. Wenn die Leute die VR-Brillen nach der Tour abnehmen und ich ihre Begeisterung in den Augen sehe - das ist schon klasse."

Harald Forsch ist einer von drei Gästeführern, die in Otterberg die virtuellen Zeitreisen begleiten. (Foto: SWR, SWR)
Harald Forsch ist einer von drei Gästeführern, die in Otterberg die virtuellen Zeitreisen begleiten. SWR

Verbandsbürgermeister Harald Westrich (SPD) hofft auf mehr Touristen

Auch Harald Westrich (SPD), der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg ist von der virtuellen Zeitreise begeistert. "Es ist wirklich unglaublich, ich habe es selbst nicht erwartet, dass es so gestaltet und umgesetzt werden kann. Unser Ziel war es, alle Sinne anzusprechen. Deswegen haben wir uns für eine Pferdekutsche entschieden. Das heißt, man riecht die Pferde, man hört das Hufgeklapper, sodass man noch viel tiefer in diese Welt eintauchen kann. Wir gehen davon aus, dass wir mit diesem Projekt den Tourismus in Otterbach ankurbeln können. Dieses Projekt ist europaweit und wahrscheinlich sogar weltweit einzigartig."

VR-Erlebnis an Ort gebunden

Virtuelle Zeitreisen gab es zwar schon vorher - neu sei aber, dass die virtuelle Zeitreise in Otterberg allein mithilfe der VR-Brillen und der Kutsche funktioniere, sagt Johannes Berdin, Geschäftsführer der Firma, die das Programm entwickelt hat. "Das heißt, die ganze Technik, die es für die Zeitreise braucht, ist in den neuen VR-Brillen vorhanden. Außerdem ist in der Kutsche ein Sensor angebracht, der mit den Brillen kommuniziert. Dadurch wird die Position der Teilnehmer genau ermittelt - nur dass die Teilnehmer eben das Gefühl haben, mehrere hundert Jahre in der Vergangenheit an genau dieser Stelle zu stehen", so Berdin.

Johannes Berdin von der Firma Timetravel, die die virtuelle Zeitreise durch Otterberg entwickelt hat. (Foto: SWR, SWR)
Johannes Berdin von der Firma Timetravel, die die virtuelle Zeitreise durch Otterberg entwickelt hat. SWR

Ein teures Vergnügen

Die virtuelle Zeitreise hat aber auch ihren Preis. Erwachsene zahlen dafür 45 Euro. Ermäßigte Tickets kosten 40 Euro. Kinder unter 12 Jahren dürfen an der Tour nicht teilnehmen. Für sie sei es noch zu schwierig, Fiktion und Realität voneinander zu trennen, sagt Harald Westrich.

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