Ein kleines Kind wird am Rücken von einem Arzt mit dem Stethoskop abgehört  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert)

Immer mehr Kinder in der Westpfalz erkranken am RS-Virus

Kinderklinik Pirmasens: "Wir hoffen, dass wir niemals ein Kind wegschicken müssen!"

STAND

Auch ins Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern werden zurzeit außergewöhnlich viele Kleinkinder mit dem sogenannten RS-Virus eingeliefert. Der Platz auf den Kinderstationen in der Westpfalz wird langsam knapp.

Je nachdem, wie schwer ein Kind am RS-Virus erkrankt, muss es unter Umständen auch intensiv behandelt werden. Im schlimmsten Fall sind die Symptome der betroffenen Babys und Kleinkinder so schwer, dass sie kaum oder keine Luft mehr bekommen und beatmet werden müssen. Für die Krankenhäuser und Pflegekräfte bedeutet das, inmitten der ohnehin schon arbeitsintensiven und belastenden Corona-Pandemie, Schwerstarbeit.

Das RS-Virus ist kein neues Phänomen und die Kinderkliniken sind es gewohnt, junge Patienten mit entsprechenden Symptomen zu behandeln. Doch nach Angaben des Chefarztes der Kinderklinik in Pirmasens, Dr. Hans-Georg Kläber, gab es die ersten Fälle in diesem Jahr bereits im August - und damit außergewöhnlich früh.

Kinder waren während Corona-Pandemie nicht oft genug krank

Dass jetzt immer mehr Kinder schwer am RS-Virus erkrankten, sei darauf zurückzuführen, dass während der Corona-Pandemie die sonst üblichen Infekt-Wellen komplett ausgeblieben seien. Dabei müssten Kleinkinder solche Infekte unbedingt durchmachen, um ihr Immunsystem zu trainieren. Bei besonders kleinen Kindern führe das dazu, dass das Immunsystem völlig unvorbereitet angegriffen werde und die Kleinen deshalb zum Teil besonders schwer erkrankten. 

Droht Aufnahmestopp in den Kinderkliniken Kaiserslautern und Pirmasens?

Noch können in den Kliniken in Pirmasens und Kaiserslautern offenbar alle kranken Kinder versorgt werden. Aus dem städtischen Krankenhaus in Pirmasens heißt es aber: "Wir hoffen, dass wir niemals ein Kind wegschicken müssen."

Tatsächlich sei es aber auch schon dazu gekommen, dass Betten auf den Gang gestellt werden mussten, weil alle Zimmer belegt gewesen seien. Auch die Kinderklinik am großen Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern kommt allmählich an ihre Grenzen. Nach Angaben eines Sprechers nähere man sich bei der Belegung der Kinderkrankenbetten den 100 Prozent: "Wir sind am Dauer-Jonglieren, wenn wir die kleinen Patienten nicht 70 Kilometer weiter in die nächste Klinik schicken wollen".

Zum Vergleich: Im Oktober letzten Jahres gab es nach Angaben des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern kein einziges Kind mit dem RS-Virus auf Station, in diesem Jahr waren es im Oktober 45 entsprechende Fälle. Kritisch könnte es jetzt werden, wenn zusätzlich wieder eine Grippewelle auf die Klinik zukommt. 

Wie kann man sein Kind vor dem RS-Virus schützen?

Nach Angaben von Chefartzt Dr. Hans-Georg Kläber aus Pirmasens stecken sich Kleinkinder vor allem bei älteren Geschwistern an, die in den Kindergarten oder die Schule gehen. Wenn dort also der Husten umgehe, solle man ältere und jüngere Geschwister zumindest für den Moment auf Distanz halten.

Ludwigshafen

RS-Virus breitet sich aus Erkältungswelle bei Kindern: Krankenhäuser in der Pfalz zeitweise am Limit

Wegen einer starken Erkältungswelle werden bundesweit derzeit viele Kleinkinder in Kliniken behandelt. Auch das Ludwigshafener Kinderkrankenhaus St. Annastift war wegen des sogenannten RS-Virus in den vergangenen Wochen zeitweise am Limit.  mehr...

„Kinderkliniken sind in Not“ RS-Virus sorgt für dramatische Lage an Kinderkliniken in BW

In den Kinderkliniken im Land werden derzeit deutlich mehr Kinder mit dem RS-Virus behandelt. Die Lage sei sehr besorgniserregend, so der Verband Leitender Kinder- und Jugendärzte in Deutschland.  mehr...

STAND
AUTOR/IN