Ein Mensch mit einer Notarztweste steht vor einem Notarztwagen. Notärzte gehören zur kritischen Infrastruktur. Wegen der raschen Ausbreitung der Coronavariante Omikron wird über eine Verkürzung der Quarantänezeit im Bereich der kritischen Infrastruktur nachgedacht. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Polizei, Rettungsdienst & Co.

Kürzere Quarantäne-Zeiten? Das sagt die kritische Infrastruktur in der Westpfalz

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Die Coronavirus-Variante Omikron breitet sich in Deutschland aus. Fast 50 Verdachtsfälle gibt es in der Westpfalz. Weil die Mutation als besonders ansteckend gilt, befürchtet der Expertenrat der Bundesregierung, dass Omikron die kritische Infrastruktur lahmlegen könnte. Vor der nächsten Bund-Länder-Konferenz am heutigen Mittwoch wird daher über eine mögliche Verkürzung der Quarantänefristen diskutiert.

14 Tage - so lange müssen sich Menschen in Quarantäne begeben, wenn sie positiv auf das Coronavirus getestet werden. Egal ob mit Symptomen oder symptomfrei. Während mittlerweile reichlich Arbeitnehmende trotz Isolation aus dem Homeoffice arbeiten können, gibt es Bereiche, in denen das nicht geht. Bereiche, in denen es aber darum geht, die Gesellschaft auch im Notfall am Laufen zu halten.

Zum Beispiel Rettungssanitäter, Feuerwehrkräfte, Polizisten, Ärzte und Energieversorger - die kritische Infrastruktur. Genau diesen Einrichtungen und Organisationen in der Westpfalz könnte eine verkürzte Quarantänezeit entgegenkommen.

Ein Feuerwehrfahrzeug fährt in Bad Krozingen an einem Warnschild mit der Aufschrift "Feuerwehr" vorbei.  (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Seeger)
Feuerwehr, Polizei, Energieversorger, Müllwerker - alle zählen zur kritischen Infrastruktur. Hier könnten steigende Infektionszahlen durch Omikron zu Problemen führen. Patrick Seeger

"Konzept muss medizinisch vertretbar sein"

Carsten Henn ist ärztlicher Direktor im Pirmasenser Krankenhaus. Das Coronavirus ist seit fast zwei Jahren für ihn und sein Team ebenso Alltagsbegleiter wie Kittel und Stethoskop. Trotzdem musste das Krankenhaus in Pirmasens seit Beginn der Pandemie keine Stationen schließen oder den medizinischen Betrieb stark einschränken, berichtet Henn. Das liege auch daran, dass sich die Krankenhäuser in der Südwestpfalz gegenseitig unterstützen. Doch dass sich diese Situation mit Blick auf die Omikron-Variante schnell ändern kann, weiß der Chefarzt sehr wohl. Zum Beispiel, wenn viele Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte gleichzeitig ausfallen. "Als Krankenhaus begrüßen wir daher eine Verkürzung der Quarantäne. Das Konzept muss aber medizinisch vertretbar sein."

"Nur sinnvoll, wenn Nutzen und Risiko eindeutig einzuschätzen sind"

Ganz ähnlich sieht das auch das Nardini Klinikum in Zweibrücken und Landstuhl. Eine Verkürzung der Quarantänedauer könnte die Personalsituation entspannen, sei aber sehr vorsichtig anzuwenden. "Sie ist nur sinnvoll, wenn Nutzen und Risiken für Patienten und Beschäftigte eindeutig einzuschätzen sind. Bei symptomlosen aber infizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist dies derzeit aber wegen fehlender Daten zur Omikron-Variante nicht oder allenfalls eingeschränkt möglich", so Pressesprecher Thomas Frank. Das Nardini Klinikum sei in den vergangenen Wochen von coronabedingten Personalausfällen betroffen gewesen, habe die Ausfälle aber ausgleichen können - auf Kosten des regulären Betriebs. Stichwort: Elektiver Klinikbetrieb, das heißt, dass nicht zwingend notwendige Eingriffe vertagt werden.

NEUER Eingang des Nardini-Klinikums in Zweibrücken (Foto: SWR)
Bisher konnte das Nardini Klinikum in Zweibrücken und Landstuhl coronabedingte Ausfälle immer ausgleichen.

Ausfall im Rettungsdienst nur schwer kompensierbar

Wenn es aber schnell gehen muss, dann können Operationen nicht verschoben werden. Dann ist es zwingend notwendig, dass beispielsweise dem Rettungsdienst auch im Notfall genügend Personal zur Verfügung steht. "Gerade im Bereich des Rettungsdienstes ist ein vermehrter Mitarbeiterausfall kritisch, da dieser nur sehr schwer kompensiert werden kann. Jede ausgefallene Rettungsfachkraft muss durch einen anderen Mitarbeiter ersetzt werden, da ansonsten das jeweilige Rettungsmittel nicht ausrücken kann, weil es sich immer um eine Zwei-Mann-Besetzung handelt", berichtet Axel Glicher, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Westpfalz. Derzeit sei der Rettungsdienst im Bereich Kaiserslautern, Kusel und dem Donnersbergkreis aber noch in der Lage, die Notfallrettung zu 100 Prozent zu besetzen.

Polizeipräsdium Westpfalz bleibt "funktionsfähig"

Die innere Sicherheit in der Westpfalz bleibt gewährleistet - auch "Intensivtäter" Omikron ändert daran nichts: "Sollten wegen der bevorstehenden Omikron-Welle in einzelnen Regionen besonders viele Beamte zur gleichen Zeit ausfallen, werden sie durch Kräfte anderer Dienststellen innerhalb des Polizeipräsidiums Westpfalz oder auch anderer Präsidien - beispielsweise auch durch Beamte der Abteilung Bereitschaftspolizei, ersetzt", so der leitende Pressesprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern. Selbstredend geht die Pandemie aber auch am Präsidium nicht spurlos vorbei. Insgesamt zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich zurzeit in häuslicher Absonderung. Fünf davon seien positiv auf das Coronavirus getestet worden.

In Sachen Impfquote zeigt sich das Polizeipräsidium vorbildlich: 95 Prozent der Beschäftigten seien bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Ob eine Verkürzung der Quarantänezeit sinnvoll ist, dazu wollte das Präsidium nichts sagen: "Das Polizeipräsidium Westpfalz kommentiert oder bewertet politische Entscheidungen grundsätzlich nicht", so Michael Hummel.

Feuerwehr, Polizei, Müll, Energieversorger (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa)
In der kristischen Infrastruktur in der Westpfalz werden Notfallpläne aktiviert. picture alliance/dpa

Feuerwehr befürwortet Verkürzung der Quarantäne

Die Freiwillige Feuerwehr in Ramstein-Miesenbach hatte zwar bislang noch keine coronabedingten Ausfälle zu verzeichnen, eine Reduzierung der Quarantänezeit wäre aber trotzdem wünschenswert, berichtet Wehrleiter Matthias Hecktor: "Damit können wir natürlich vieles besser und schneller wieder ins Laufen bekommen."

Energieversorger unter Strom?

Entspannt zeigt man sich bei den Pfalzwerken. Unwahrscheinlich also, dass uns in der Westpfalz der Strom weggeht - zumindest wegen Corona. "Wir haben Notfallpläne und sind entsprechend gut vorbereitet. Und zwar immer und nicht erst seit der Corona-Pandemie beziehungsweise der Omikron-Variante. Von daher spielen auch Quarantäne-Zeiträume keine wesentliche Rolle. Unsere Notfallmaßnahmen können und wollen wir aber nicht kommunizieren", sagt ein Sprecher der Pfalzwerke.

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Bislang gab es 55 bestätigte Omikron-Fälle in Rheinland-Pfalz. Jetzt ist einer dazu gekommen, der die Westpfalz betrifft.  mehr...

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